Aachen: Campus Melaten: Neuer Wärmespeicher ist 33 Meter hoch und 160 Tonnen schwer

Aachen : Campus Melaten: Neuer Wärmespeicher ist 33 Meter hoch und 160 Tonnen schwer

Eigentlich ist es wie bei einem Baukasten. Nur ein paar Nummern größer. Ziemlich viele Nummern sogar. Wenn ein 33 Meter hoher und 160 Tonnen schwerer Wärmespeicher in Position gebracht werden soll, hört sich das auf dem Papier noch relativ einfach an. Ist es aber nicht. Schon für den XXXL-Transport in Richtung Hochschulerweiterungsgelände müssen Laternen und Schildermasten gekappt werden.

Zwei Kräne sind erforderlich. Der größere kann bis zu 1500 Tonnen tragen, sein Aufbau dauert allein einen ganzen Tag, und die erforderlichen Gegengewichte werden auf acht Lkw angeliefert. Und wenn vor dem Rüberschwenken des Riesenbehälters eine Befestigungsschraube gelöst werden muss, geht das nicht per Hand, sondern mit dem Vorschlaghammer.

Ein technisches Spektakel erster Güte also. In der Nacht zum Freitag war der überdimensionale Zylinder per Tieflader an die Mathieu­straße, zwischen Toledoring und Schurzelter Straße, dirigiert worden.

Die dortige, längst ausrangierte Müllverbrennungsanlage, nicht weit von der Feuerwache Nord und in den 1970er Jahren errichtet, wird derzeit für 15 Millionen Euro zum größten und modernsten Blockheizkraftwerk Aachens ausgebaut — mit je zehn Megawatt elektrischer und thermischer Leistung. Für ihren Betrieb sind Wärmespeicher unerlässlich, die in einem Stück angeliefert werden müssen, da ihre Außenhaut größerem Druck standhalten muss und ein Zusammensetzen an Ort und Stelle technisch sehr schwierig wäre.

Ein erster, gleich großer Behälter war schon in der letzten Woche aufgestellt worden — die Generalprobe damit geglückt. Am Freitag wurde das zweite Exemplar von der Waagerechten auf dem zehnachsigen Tieflader in die Senkrechte gehievt, auf ein Fundament, in das allein 42 Tonnen Moniereisen und 350 Tonnen Beton verbaut wurden, orkanfest und erdbebensicher, wie Maschinenbautechniker Ralf Kuckelkorn versichert.

500-Tonnen-Kran

Ein kleinerer 500-Tonnen-Kran, der auch den größeren aufgebaut hat, hebt zunächst den Fuß an, der größere zieht die Spitze langsam hoch, bis das gewaltige Stahlteil am Ende nur noch an den acht Stahlseilen des 1500-Tonners hängt und in die vorgesehene Position geschwenkt werden kann. Da die Beteiligten relativ weit voneinander entfernt sind, erfolgt die Koordination per Funkgerät.

Stawag-Pressereferentin Angeli Bhattacharyya: „Das ist schon faszinierend, diese zentimetergenaue Arbeit.“ Das fand im Übrigen auch eine ganze Reihe von Zaungästen, die sich üblicherweise bei derartigen Anlässen einfinden — meist allerdings männlichen Geschlechts.

Die Operation gelang, nach gut einer Stunde stand der Wärmespeicher im Lot. Mit seinem Zwillingsbruder dient er dann dazu, Spitzen im Wärmeverbrauch abzudecken, Schwankungen auszugleichen und kürzere Wartungsarbeiten zu ermöglichen. Wobei die beiden Großbehälter mit ihren knapp 700 Kubikmetern Inhalt gerade mal dazu ausreichen, zwei Stunden Volllastbetrieb abzudecken.

Projektleiter Manuel Kirfel ist mit dem bisherigen Verlauf der Arbeiten zufrieden: „Wir liegen im Zeit- und Kostenplan.“ Ende November wird der berühmte Druck auf den Knopf erfolgen, dann beginnt der Probebetrieb, bevor die Anlage am 21. Dezember ans Netz geht. 40 Millionen Kilowattstunden Strom und 40 Millionen Kilowattstunden Wärme wird sie dann jährlich erzeugen, 11.500 Haushalte könnten so (theoretisch) mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden.

Immerhin hat das Werk einen Gesamtwirkungsgrad (der eingesetzten Primärenergie Erdgas) von 89 Prozent, ältere Anlagen kamen nicht einmal auf die Hälfte. Die Wärme wird zur Hälfte in das Netz der RWTH gespeist, die andere für Gebäude im Westen Aachens genutzt, insbesondere den Campus Melaten.

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