Camp Hitfeld: Ohne Wasserschutz steigen Chancen für Gewerbegebiet

Stawag schließt Wasserwerk Eicher Stollen : Chancen für Gewerbegebiet auf alter Militärbrache Camp Hitfeld steigen

Weil die Stawag Aachens ältestes Wasserwerk Eicher Stollen aus wirtschaftlichen Gründen schließt und nur noch als Notreserve vorhält, steigen die Chancen für ein Gewerbegebiet auf der alten Militärbrache Camp Hitfeld. Denn einem ersten Gutachten zufolge fiele das Areal fast komplett aus der Wasserschutzzone heraus.

Aus dieser Quelle trinkt die Stadt – und das sage und schreibe seit 1880. Genauer gesagt: Aus dieser Quelle trank die Stadt. Denn im ältesten Aachener Wasserwerk Echer Stollen in Lintert wird der Hahn für unabsebare Zeit abgedreht. Doch damit könnte eine ganz andere Sache in Fluss geraten: Denn ohne Wasserwerk und entsprechende Schutzzonen könnte das alte belgische Militärcamp Hitfeld, um das sich die Stadt und ein Investor mittlerweile vor dem Verwaltungsgericht streiten, als Gewerbefläche genutzt und gewinnbringend versilbert werden.

Aufsichtsräte stimmen zu

Für den Eicher Stollen, aus dem bereits seit Mitte 2017 kein Trinkwasser mehr gewonnen wird, ist das Aus jedenfalls besiegelt. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigt Stawag-Sprecherin Eva Wußing auf Anfrage, ohne näher auf Details einzugehen. Aber bei dem Gedanken, den Stollen auf ewig zuzuschütten, haben sowohl die Verantwortlichen der Stawag als auch die Politik offenbar nach den Erfahrungen mit dem Extremsommer 2018 ein mulmiges Gefühl. So soll der Eicher Stollen künftig zwar nicht mehr aktiv betrieben werden, aber als „Notreserve“ dienen. Das haben die Aufsichtsgremien der Stawag und der Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG) dem Vernehmen nach kürzlich beschlossen.

Der Grund für die Schließung ist ein wirtschaftlicher: Der Wasserverbrauch ist in Aachen wie anderswo auch stark gesunken. 2006 verkaufte die Stawag noch 18.9 Millionen Kubikmeter, 2016 waren es nur noch 17,3 Millionen. Drei Viertel davon kommen aus dem Talsperrensystem der WAG. Der Rest wurde aus den bisherigen vier Grundwasserwerken Eicher Stollen, Brandenburg, Schmithof und Reichswald bei Verlautenheide eingespeist. Im Eicher Stollen und im Reichswald gab es einen Modernisierungsstau jeweils im Bereich von über einer Million Euro. Deshalb überlegte man bei der Stawag schon seit längerem, ein Werk dichtzumachen.

Plötzliches Kaufinteresse

Die Wahl ist schließlich auf den Eicher Stollen gefallen. Zunächst war auch der komplette „Rückbau“ angedacht worden – also ein Verfüllen der kilometerlangen Schächte – doch dies hätte dem Vernehmen nach mehrere Millionen Euro gekostet. Um das Wasserwerk als Reserve vorzuhalten, soll dagegen nur einen niedriger fünfstelliger Betrag pro Jahr benötigt werden.

Für ein mögliches Gewerbegebiet auf Camp Hitfeld ist die Frage entscheidend, ob die Wasserschutzzonen um das Werk an der Lintertstraße teilweise oder ganz aufgehoben werden können, wenn dort der Hahn zu bleibt. Denn das seit Jahrzehnten ungenutzt vor sich hin rottende alte Belgiercamp liegt bislang größtenteils in der Wasserschutzzone, weswegen Entwicklungspotenziale – etwa die Nutzung von Teilflächen für Gewerbe – massiv beschränkt sind. Doch just als die Stawag vor etwa einem Jahr erste konkrete Gedankenspiele anstellte, den Eicher Stollen zu schließen, gab es plötzlich einen überraschenden „Run“ auf den Kauf des rund 370.000 Quadratmeter großen und stark mit Altlasten verseuchten Areals.

Noch kein Gerichtstermin

Viele Jahre lang hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin das Camp wie Sauerbier angeboten, ohne einen Käufer finden zu können. Es war dann der Aachener Projektentwickler Norbert Hermanns, der Camp Hitfeld in den Fokus nahm. Eine eigens gegründete Tochter seiner Landmarken AG kaufte schließlich – für rund 1,90 Euro pro Quadratmeter.

Doch kurz danach trat auch die Stadt auf den Plan, die einen Kauf des Geländes seit Mitte der 1990er Jahre stets dankend abgelehnt hatte. Nun aber sollte dem Käufer das Camp mit einer Vorkaufsrechtsatzung abgeluchst werden. Es passte ins Bild, dass OB Marcel Philipp bei einem Forum öffentlich kundtat, er könne sich Gewerbeansiedlung dort durchaus vorstellen. Die Verwaltung wollte die Vorkaufssatzung zunächst auch mit dem akuten Mangel an Gewerbeflächen in Aachen, den auch die Kölner Bezirksregierung ausgemacht habe, begründen. Hermanns seinerseits verspürte jedoch keinerlei Bedürfnis, der Stadt das Areal einfach zu überlassen. Er klagte dagegen beim Verwaltungsgericht. Ein Verhandlungstermin ist dort zwar noch nicht in Sicht, wie Pressedezernent Dr. Frank Schafranek auf Anfrage erklärt. Doch wenn man sich irgendwann in den nächsten Monaten vor Gericht trifft, könnte es durchaus um Millionen gehen. Schließlich war das Grundstück bei der Bima zum Schnäppchenpreis zu haben, werden doch für Gewerbeflächen in Aachen Quadratmeterpreise aufgerufen, die durchaus das 50-Fache betragen. Selbst bei hohen Kosten für Abriss und Altlastensanierung dürfte der Besitzer von Camp Hitfeld angesichts der großen Nachfrage nach Gewerbeflächen finanziell auf der Sonnenseite stehen.

Die Voraussetzungen dafür scheinen jedenfalls mit einem „Reservewasserwerk“ Eicher Stollen ideal. Zwar soll es dort nach Informationen unserer Zeitung weiterhin eine Schutzzone geben, Doch dürfte diese deutlich kleiner ausfallen. Und: Ersten Untersuchungen eines Gutachters zufolge läge Camp Hitfeld zum weitaus größten Teil außerhalb dieser Wasserschutzzone und wäre damit auch frei von den bisherigen Beschränkungen. Allerdings gibt es darüber noch keine konkrete Entscheidung. Diese wäre ohnehin Sache der Bezirksregierung. Und selbst wenn: Ob das Camp teilweise Gewerbegebiet wird, ist ebenso offen. Bisherige Entwürfe für einen Bebauungsplan sahen hier neben einer teilweisen Renaturierung insbesondere ein großes Solarfeld vor.

Sorge um Augustinerwald

Die Politik weiß nämlich auch um Probleme, die abseits der Wasserschutzthematik liegen. Zum Beispiel, was die Erschließung für den Verkehr angeht: Diese wäre für ein künftiges Gewerbegebiet zunächst einmal nur über Hitfeld möglich. Oder aber und wesentlich praktischer in Richtung Monschauer Straße, wo sich auch ein Autobahnanschluss befindet. Bloß: Für Letzteres müssten wohl Bäume im benachbarten Augustinerwald fallen, wogegen seit vielen Jahren eine Bürgerinitiative kämpft. Ein heißes Eisen. Denn mit dem Protest gegen das Abholzen von Waldstücken hat man hierzulande ja zuletzt die eine oder andere Erfahrung gemacht.

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