Aachen: Café Zuflucht: Die Empörung über Düsseldorf ist groß

Aachen : Café Zuflucht: Die Empörung über Düsseldorf ist groß

Die Solidarität ist riesig, die Kritik in Richtung Düsseldorf wächst. Das dürfte Elisabeth Hodiamont den Rücken stärken. Denn am Dienstagmorgen hat sie einen wichtigen Termin in der Landeshauptstadt. An der Spitze einer kleinen Delegation fährt die Vorsitzende des Vereins Refugio e.V. zu einem Gespräch ins NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration.

Bei dem am Montag kurzfristig vereinbarten Treffen geht es um die Fördermittel für den Betrieb der Flüchtlingsberatungsstelle Café Zuflucht.

Das Land NRW hat die Gelder mit Verweis auf ein laufendes Ermittlungsverfahren (siehe Infokasten) des Café Zuflucht nicht bewilligt. Die Beratungsstelle steht damit vor dem Aus, noch am Dienstag will der Vorstand des Trägervereins Refugio die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragen.

„Bis 16 Uhr können wir den Antrag persönlich beim Amtsgericht abgeben“, sagte Hodiamont am Dienstag. Das einzige, was diesen Schritt noch verhindern könnte: „Wenn wir in Düsseldorf die schriftliche Bestätigung bekommen, dass die Gelder doch fließen.“ In der akut prekären Lage des Vereins müsse die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt werden, denn ansonsten hafte der ehrenamtliche Vorstand persönlich.

Auch im Stadtrat wird das Café Zuflucht am Dienstag Thema sein. Bereits am Montag würdigten die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen, Linken, FDP und Piraten in einer gemeinsamen Erklärung die Arbeit der Beratungsstelle als unverzichtbaren Bestandteil der Integrationsarbeit in Aachen. „Wir sind betroffen, dass ein laufendes Ermittlungsverfahren, das sich nicht gegen das Café Zuflucht richtet, dazu führen kann, dass die Existenz der gesamten Einrichtung gefährdet ist“, teilten die sechs Fraktionsvorsitzenden mit.

Die laufenden Ermittlungen begründen aus Sicht der Fraktionen nicht, dass das Land die Förderung der Einrichtung komplett einstellt: „Die Fortführung der Arbeit der Beratungsstelle ist im Interesse der Stadt und der Betroffenen.“

Vor der Sitzung (ab 17 Uhr im Rathaus) wollen Vertreter des Café Zuflucht zusammen mit Unterstützern eine Kundgebung abhalten und auch in der Einwohnerfragestunde auf die existenzbedrohende Lage der Flüchtlingsberatung aufmerksam machen.

Die Solidarität mit der gefährdeten Einrichtung ist unterdessen groß. Man erfahre Unterstützung von vielen Seiten, stellte Hodiamont fest. In großer Sorge um die Willkommenskultur in Aachen äußert sich die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen in einem offenen Brief an Ministerpräsident Armin Laschet, den zuständigen Minister Joachim Stamp und Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Bislang haben etliche Institutionen mit Erfolg eng kooperiert, um geflüchteten Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen, um sie mit Wohnraum, Kleidung, Bildung und allgemeiner und rechtlicher Unterstützung zu versorgen. Ansprechpartner und auch Beratungsinstitution für uns Kooperationspartner war und ist immer das Café Zuflucht, das einen zentralen Punkt in der Aachener Flüchtlingsarbeit darstellt“, heißt es in dem Brief.

Die Einstellung des unabhängigen Beratungsangebots wäre ein dramatischer und nicht ersetzbarer Verlust der Hilfeleistung für geflüchtete Menschen in Aachen“, betont der Katholische Verein für Soziale Dienste (SKM) in seiner Stellungnahme.

Der Aachener Katholikenrat fordert „einen angemessenen Umgang mit dem Café Zuflucht, der den Fortbestand der vielfältigen Hilfen für Flüchtlinge gewährleistet“. „Die ausstehende Bewilligung der Fördermittel von Seiten der politisch Verantwortlichen für diese wichtige Aufgabe scheint dem Druck aus Teilen der Gesellschaft geschuldet, die sich immer mehr gegen Menschen auf der Flucht abschottet“, warnt der Arbeitskreis „Kirche gegen Rechts“.

Klares Signal gefordert

„Aachen muss weiterhin einen beispielhaften Umgang mit Geflüchteten vorleben und eine qualifizierte Flüchtlingsberatung, wie sie seit 27 Jahren vorbildlich vom Café Zuflucht geleistet wird, sicherstellen“, fordert Lea Heuser vom Aachener Friedenspreis.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund stellt sich hinter das Café Zuflucht. „Dass hier ein noch laufendes Verfahren gegen einen Beschäftigten zum Anlass genommen wird, die Integrationsleistung eines seit über 25 Jahren wirkenden Vereins zu zerschlagen, ist ein Unding und kommt einer Vorverurteilung gleich“, erklärt der Aachener DGB-Chef Ralf Woelk. Von der Stadt Aachen erwartet er „ein klares und deutliches Signal hinsichtlich der kommunalen Förderung unabhängig vom Verhalten des Landesministeriums“.

Der Aachener SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Karl Schultheis forderte die Landesregierung am Dienstag auf, „die Fördermittel für das Café Zuflucht freizugeben, damit die Arbeit für hilfsbedürftige Geflüchtete unverzüglich weitergeführt werden kann. Das ist in unser aller Interesse.“

Mehr von Aachener Nachrichten