Meister Klecksel: Buschs Meisterwerk von Uli Wollgarten ins Öcher Platt übertragen

Meister Klecksel : Buschs Meisterwerk von Uli Wollgarten ins Öcher Platt übertragen

Der Verein Öcher Platt hat ein neues Hörbuch herausgegeben. Die Übersetzung von Wilhelm Buschs spätem Meisterwerk „Maler Klecksel“. Humorvolle Busch-Reime ins Platt übertragen – ein Lese- und Hörvergnügen der besten Art!

Der Maler Klecksel ist an sich kein wirklich erfolgreicher Mensch gewesen. Und vielleicht macht das den Charme dieser Bildergeschichte aus, die Wilhelm Busch – durchaus mit selbstkritisch-ironischem Unterton – 1884 veröffentlichte. Dieser Maler Klecksel und seine (gescheiterten) Ausflüge in die Kunst der Malerei hat jetzt ein ebenso sympathisches wie humoristisches Pendant: den Möeler Wissquaaß. Zum Leben erweckt von Uli Wollgarten.

Will man es grundsätzlich anlegen, dann haben wir das neueste Werk des Vereins Öcher Platt Wollgartens Großmutter zu verdanken. Denn die pflegte sich mit ihrem Enkel fast ausschließlich in Öcher Mundart zu unterhalten – die Liebe zum Platt ist quasi hausgemacht. Weil auch Ulis Vater Richard Wollgarten – eine Art Mister Öcher Platt oder eine wandelnde Enzyklopädie in Sachen Heämetsproech – sehr viel Liebe zur Heimat und ihrer Sprache an den – mittlerweile 56-jährigen – Filius weitergegeben hat.

Die Entscheidung, sich des Möelers Wissquaaß anzunehmen, entsprang eigentlich einem Zufall. Die Frage, ob die Kunst den Künstler auch ernährt, stellte sich Uli Wollgarten im privaten Umfeld. Ein Busch-Zitat war schnell zur Stelle – und der Weg zum Meister Klecksel geebnet. Nur: Es ist nicht damit getan, Wilhelm Busch „bloß“ zu übersetzen. Das geht in Öcher Platt gar nicht. Wollgartens Arbeit geht über das reine Übertragen von einer Sprache in die andere hinaus. Sie ist ein wesentlich kreativerer Akt. Weil es für viele Begriffe im Platt kein Pendant gibt. Man muss Alternativen finden, die den Sinn Buschs nicht verfälschen, die aber zum Platt passen, so Wollgarten. Wenn Busch zum Beispiel von der „Segelflotte der Gedanken“ spricht, müssen in Öcher Platt daraus „Wassertropfen“ werden. Weil es die Segelflotte auf Platt nicht gibt. Aus nachvollziehbarem Grund. „Wo hätte man in Aachen segeln wollen?“, fragt Wollgarten schmunzelnd. Also ist die Übersetzung an sich auch wieder ein Kunstwerk, nah an Busch, nah am Platt – eine Komposition im besten Sinne.

Damit das für den Leser auch nachvollziehbar bleibt, ist das Buch auch dreigeteilt. Man findet das Original von Wilhelm Busch, dann die Übertragung ins Platt und wiederum die hochdeutsche Übersetzung der Platt-Version. Eine ausgesprochen spannende Präsentation. Komplettiert wird das Vergnügen durch eine dazugehörige CD, entstanden im Roetgener Tonstudio von Meinolf Bauschulte vom Verein Öcher Platt. Bauschulte hat eine ganze Riege bester Mundart-Rezitatoren gefunden, die die einzelnen Kapitel des Meisters Klecksel auf Platt vortragen. Die auch im Sprechrhythmus und der Klangfarbe durchaus vielfältige Mundart wird von den Sprechern ideal widergespiegelt. Auf der CD zu hören sind Claire Müller, Resi Hellemann, Karl Allgaier, Leo Bardenheuer, Kurt Christ, Markus Krings, Hans Montag, Dirk von Pezold, Hein Schnitzler, Richard und Uli Wollgarten.

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