Aachen: Bus ohne Fahrer in Aachen? Aseag plant Einsatz in zwei Jahren

Aachen : Bus ohne Fahrer in Aachen? Aseag plant Einsatz in zwei Jahren

Geht es um die Zukunft des Fahrens, dann ist Aachen ganz weit vorne mit dabei. Reflexartig werden viele nun erst einmal an die Elektrofahrzeug-Schmieden Streetscooter und e.GO denken. Stimmt auch — irgendwie.

Beide mischen ebenfalls bei einer technischen Entwicklung mit, die in Aachen bemerkenswert früh bemerkenswert viel Aufmerksamkeit erfährt: autonomes Fahren. Daran beteiligt sind auch die Stadt selbst sowie Aseag oder RWTH. Die „Nachrichten“ haben bei den Machern Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengetragen.

Wo sollen selbstfahrende Fahrzeuge unterwegs sein?

In Aachen gibt es bereits eine Strecke, die die Aseag in absehbarer Zeit im Testbetrieb mit autonom fahrenden Kleinbussen bedienen will: Zwischen Uniklinikum und Vaals sollen Fahrzeuge im Rahmen des Interregprojekts „IAT - Interregional Automated Transport“ unterwegs sein — und das sogar grenzüberschreitend.

Dabei soll es sich um einen sogenannten Level 4-Test handeln. Das bedeutet, dass die Fahrzeuge vollkommen ohne Eingreifen eines Menschen unterwegs sein werden. Ein Sicherheitsfahrer wird allerdings noch mit an Bord sein. Der kann eingreifen, falls es nötig wird. Die höchst mögliche Stufe ist Level 5. Dann wäre auch kein Sicherheitsfahrer mehr mit im Fahrzeug. Die genaue Strecke stehe jedoch noch nicht fest, hieß es auf Anfrage. Fest steht hingegen: Der autonome Kleinbus wird nicht im Linienverkehr fahren und somit auch nicht für jeden zugänglich sein, sondern zunächst ausschließlich von einer Testgruppe genutzt.

Auf einer Strecke Richtung Nachbarländer, etwa als Erschließung des Dreiländerpunktes, kann sich auch die Stadt den Test selbstfahrender Fahrzeuge gut vorstellen. Für die Stadt sind darüber hinaus zwei weitere Bereiche vorstellbar, in denen autonomes Fahren testweise umgesetzt werden könnte: als sogenannter Marktliner — ein kleiner Bus, der durch die engen Gassen der Altstadt fahren kann — und auf dem Gelände der Hochschule.

Dort, auf dem RWTH-Gelände, wird höchstwahrscheinlich eine erste Teststrecke für den e.GO „Mover“ umgesetzt, am liebsten „vom Campus Melaten möglichst nah ans RWTH-Hauptgebäude heran“, sagt Prof. Günther Schuh, Gründer und CEO von e.GO. In einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt könnte er künftig sogar in einem ganzen Stadtteil, der zur Nutzung durch autonom fahrende Fahrzeuge freigegeben wird, im Einsatz sein.

Was soll autonom Fahren?

Auf die Frage, was für die Aseag beim Test zwischen UKA und Vaals auf die Straße geschickt wird, erklärte Pressesprecher Paul Heesel: „Welches Fahrzeug im Rahmen des Projektes eingesetzt wird, steht noch nicht fest. Zum Projekt gehört auch, ein Fahrzeug zu beschaffen und für den Testbetrieb entsprechend auszurüsten.“ Die Rede ist bisher lediglich von einem vollautomatisierten Kleinbus für circa 15 Fahrgäste. Der Kleinbus soll schneller als 25 km/h fahren.

Bei der Firma e.GO steht der „Mover“ in den Startlöchern, ein selbstfahrender Stadtbus für bis zu 15 Passagiere (neun Sitz-, sechs Stehplätze), den e.GO in einem Jointventure mit „ZF Zukunft Ventures“ entwickelt. Das Konzept des Wagens ist auf den ÖPNV und Innenstadttransport konzentriert, 40 Primotypen sollen bei e.GO zunächst entstehen.

Der „Mover“ beherrscht die komplette Palette autonomen Fahrens, bis hin zu Level 5 (ganz ohne Fahrer). Der Preis des 4,50 Meter langen Fahrzeugs wird ohne die Automatisierungsoption voraussichtlich im Bereich um 60.000 Euro liegen. Er soll bis zu zehn Stunden Fahrtzeit schaffen. Die Basisleistung beträgt 70 kw (Spitze: 150 kw). Das Unternehmen peilt an, ab 2020 pro Jahr zwischen 5000 und 10.000 Fahrzeuge in Serie zu bauen.

Wann sollen autonome Fahrzeuge auf die Straße?

Der Aseag-Test zwischen UKA und Vaals wird laut Geschäftsführer Michael Carmincke voraussichtlich ab Mitte 2019 starten. Bestimmte Voraussetzungen müssen bis dahin allerdings erfüllt sein. Pressesprecher Paul Heesel: „Zum Projekt gehört auch die Klärung der entsprechenden rechtlichen, technischen und sicherheitsrelevanten Fragen.“ Insofern könne zu diesem Punkt derzeit noch wenig im Detail gesagt werden.

Der e.GO „Mover“ wäre für einen Test einsatzbereit, sobald die Homologation (Zulassung von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen) abgeschlossen ist. Laut Prof. Schuh strebt das Unternehmen diese für Europa, die USA und Asien an. „Wenn wir ganz schnell sind, hätten wir die Homologation für den Mover bis Ende 2018.“

Glaubt man dem frischen Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen, dann wird die künftige Landesregierung die Voraussetzungen für Tests selbstfahrender Fahrzeuge in NRW in naher Zukunft verbessern. So steht in der Vereinbarung zwischen den Parteien: „Wir werden Testfelder für Transformationen (‚Regulatory Sandboxes‘) schaffen, damit neue Entwicklungen wie zum Beispiel in den Bereichen Online-Handel, Einsatz unbemannter Drohnen oder autonomes Fahren möglichst früh bei uns erprobt werden können.“