Aachen: Burtscheider Viadukt: Linke und Grüne fordern Rahmenprogramm

Aachen : Burtscheider Viadukt: Linke und Grüne fordern Rahmenprogramm

„Was die große Koalition in Sachen Stadtentwicklung in Aachen gemacht hat, kann man an einer Hand abzählen“, sagt Michael Rau von den Grünen. „So gut wie nichts“, schiebt er hinterher.

In einem Pressegespräch mit Marc Beus von den Linken stellte Rau die gemeinsamen Ideen der Parteien für einen attraktiven Ausbau zwischen Burtscheid und dem Frankenberger Viertel vor. „Zukünftige öffentliche und private Bautätigkeit rund um den Viadukt erfordern klare Leitlinien“, heißt es in einem gemeinsamen Ratsantrag. Ziel ist es, bereits jetzt einen städtebaulichen Rahmen für den Ausbau von Grünflächen zu setzen. Die Verwaltung soll entsprechend eine Rahmenplanung in Auftrag geben.

Fuß- und Radwege zwischen Burtscheid und dem Frankenberger Viertel sollen ausgebaut und der ganze Bereich grüner gestaltet werden. Die Berücksichtigung der Trasse für das geplante dritte Gleis ist davon nicht betroffen. Außerdem könnte unter dem Viadukt eine alte Diskussion beendet, und ein langer Traum der Aachener wahr werden: Es könnte wieder offen fließendes Wasser — einen kleinen Fluss — geben.

Beus und Rau fordern, dass die Bereiche zwischen Bachstraße und Moltkestraße sowie Kurbrunnen­straße und Burtscheider Markt städtebaulich geprüft werden. „Das Frankenberger Viertel und Burtscheid könnten besser miteinander verbunden werden“, sagt Beus. Potenzial für Übergänge zwischen Grünbereichen sehen die Parteien vor allem vom Kurgarten zum Parkplatz an der Kurbrunnen­straße und zur Amos-Comenius-Schule hin.

„Auch einen Parkplatz kann man grün gestalten“, sagt Rau. Unter dem Viadukt hindurch könne man mögliche Verbindungen zwischen Burtscheid und dem Frankenberger Viertel parallel zur Bachstraße und in Richtung Warmweiherstraße prüfen und langfristig sogar überlegen, den Durchgang Moltkestraße verkehrsberuhigt zu gestalten.

Ein ehrgeiziges Projekt, denn Früchte würde es erst in drei bis vier Jahren tragen. „Mittel- und langfristig geplant eben“, sagt Beus. Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Ratsantrags ist mit Bedacht gewählt: „Die Stawag muss den Kanal unter der Dammstraße sanieren.“ Die Konstruktion ist mehr als 100 Jahre alt, baufällig und somit im städteplanerischen Kalender in der Priorität weit nach oben gerutscht.

Der Straßenkanal liegt aber unter dem Aachener Kalt- und Warmbach, der in Rohren von Burtscheid kommend unter der Rosenquelle und durch den Kurpark verläuft — und schließlich entlang der Bachstraße. „In diesem Schritt, wenn die Stawag die Tiefbauarbeiten durchführt, wollen wir gleichzeitig den Warm- und den Kaltwasserfluss offenlegen“, sagt Rau.

„Der Viadukt wurde in einem Feuchtgebiet angelegt. Mit einem Fluss könnte man das technische Denkmal auf gewisse Weise zu seiner Funktion zurückführen“, sagt Beus. Insgesamt soll der Viadukt nach der Rahmenplanung der Grünen und der Linken besser in Szene gesetzt werden.

Langfristig soll das Gebiet entlang des Bachlaufs dann zu einem attraktiven Aufenthalts- und Grünkorridor ausgebaut werden. „Ein Projekt, das man jetzt starten muss, damit es in der Bezirksregierung bearbeitet werden kann“, sagt Rau. In etwa vier Jahren könne man diese Ideen dann konkret angehen. „Bis dahin ist die Aufwertung des Gebiets rund um den Viadukt in vollem Gange. Da müssen wir jetzt vorausschauend agieren“, sagt Rau.

In der Zukunft könne der Aachener dann vielleicht unter dem Viadukt im Biergarten am Bach sitzen, wenn die auf dem Gelände des ehemaligen Busdepots geplante Gastronomie umgesetzt wird. Die Grünen und die Linken hoffen mit ihrem Ratsantrag auf Erfolg: „Ich glaube nicht, dass eine bürgerfreundliche Annäherung von Burtscheid an die Stadt Aachen und die Öffnung zum Frankenberger Viertel hin ein Konfliktthema ist“, sagt Rau.

Trotzdem sei der Wahlkampf ein Zeitpunkt, den man auch nutzen könne, um Druck zu schaffen. Der Klotz der Großen Koalition sei bisweilen unüberwindbar und undurchdringlich. Da brauche es in Aachen eine besonders starke und, wo immer es gehe, geeinte Front der Opposition. „Zumindest dort, wo man sich thematisch einig ist.“ Und einig, das sind sich die Linken und die Grünen wohl in der langfristigen Stadtplanung.

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