Aachen: Burtscheider irritiert: Eine Baustelle ohne Arbeiter

Aachen: Burtscheider irritiert: Eine Baustelle ohne Arbeiter

Eine vergessene Baustelle? Diesen Eindruck hat jedenfalls Reimund Beulen, wenn er die Ecke Klausener Straße/Benediktinerstraße passiert. Seit Wochen herrsche innerhalb der Absperrungen enstpannte Ruhe, berichtet Anwohner Beulen, drumherum allerdings gebe es bisweilen ein ganz schönes Gedränge.

„Die Baustelle liegt so ungünstig, dass gerade mal ein Pkw daran vorbeikommt”, klagt der Burtscheider, ein Rettungswagen könne es mit Mühe noch schaffen, doch für ein großes Feuerwehrfahrzeug sei die Passage wohl kaum zu meistern. Es müsste aber eigentlich noch passen, meint Axel Costard vom städtischen Presseamt. Schließlich bleibe laut Genehmigung - und wer in Aachen öffentlichen Straßenraum aufbuddelt oder Bagger und Baumaterial dort in Stellung bringt, braucht dafür den amtlichen Segen der Stadt - neben der Baustelle ein Durchfahrtsberite von drei Metern erhalten. „Rettungsfahrzeuge sind 2,50 Meter breit”, sagt Costard, es sollte also reichen.

Warum müssen sich Verkehrsteilnehmer in Burtscheid überhaupt an einer Baustelle vorbeiquetschen, an der Arbeiter offenbar nur gelegentlich gesichtet werden. „Da werden mal ein paar Pflastersteine verlegt”, berichtet Beulen, „dann tut sich lange wieder nichts.” Erkennbare Fortschritte hat der Anwohner „seit Wochen” nicht mehr registriert.

Dieses Phänomen kennt der Mann vom Presseamt. „Der Schein trügt oft”, sagt Axel Costard, die mangelnde Präsenz von Bauarbeitern müsse keineswegs bedeuten, dass es nicht voranginge. „Das läuft scheinbar chaotisch ab, hat aber System.”

Das „System” ist bei der Stawag gänge Praxis, wenn Versorgungsleitungen verlegt werden. Mit solchen Arbeiten ist das Unternehmen Burtscheid in den vergangenen Monaten einigermaßen auffällig geworden. „Die Maßnahme im Bereich Krugenofen und Neustraße hat sich ziemlich gezogen”, weiß auch Stawag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen. Größtenteils seien die Arbeiten inzwischen abgeschlossen - bis auf zwei kleine Baugruben. Eine von ihnen soll nun bald ordnungsgemäß wieder zugemacht werden, die zweite ist eben jene an der Ecke Klausener Straße/Benediktinerstraße. Und deren Ende kann Bürgerhausen noch nicht absehen.

Dicht und entkeimt?

Eben wegen des „Systems”: Nicht alle Arbeiten an Versorgungsleitungen sind oberirdisch nachvollziehbar. „Bei Gas ist eine Dichtheitsprüfung ganz wichtig”, so die Stawag-Sprecherin. Und Wasserleitungen müssten zusätzlich noch entkeimt werden. Für weitere Verzögerungen sorgt an der Baustelle in der Nachbarschaft von Reimund Beulen zudem noch ein Hausanschluss. Dort müsse mit dem Eigentümer noch einiges abgestimmt werden, so Corinna Bürgerhausen.

Grube zu, Grube auf

Überhaupt: Hausanschlüsse. Davon kann Axel Costard vom Presseamt ein Lied singen. „Die Bürger wundern sich natürlich, wenn geschlossene Baugruben wieder aufgemacht werden.” Aber neue Wasserleitungen würden nun einmal parallel zu den alten Rohren verlegt. „Und irgendwann müssen die Hausanschlüsse dann umgeklemmt werden”, so Costard. Dann wird wieder aufgebuddelt, was vorher schon zugeschüttet war. Offen lassen könne man die Gruben nicht, schließlich müssten die Anwohner ihre Grundstücke erreichen oder Rettungsfahrzeuge passieren können.

„Natürlich ist auch die Verwaltung bemüht, Bauphasen so kurz wie möglich zu halten”, betont Costard, „aber dem sind auch Grenzen gesetzt.” Ein Mehrschicht-Betrieb auf der Baustelle sei auch nicht immer das Gelbe vom Ei. „Man muss auch das Ruhebedürfnis der Anwohner berücksichtigen”, sagt Costard.

Reimund Beulen will das alles gerne glauben, doch gewisse Bedenken bleiben. So ist ihm aufgefallen, dass Bauvorhaben der öffentlichen Hand meist etwas länger dauern. „Private Baumaßnahmen gehen oft in einem anderen Tempo.”

Mehr von Aachener Nachrichten