Aachen: Burtscheid: Viele Probleme und ebenso viele Forderungen

Aachen : Burtscheid: Viele Probleme und ebenso viele Forderungen

Bezahlbarer Wohnraum. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Thema durch den „informativen Rundgang durch Burtscheid“. Der SPD-Vorstand hat dazu eingeladen und eine detaillierte Route mit zehn Stationen durch den seit 1896 zu Aachen gehörenden Stadtteil ausgearbeitet.

Knapp 20 Interessenten sind gekommen und starten die Erkundung an den sanierungsbedürftigen Kurpark-Terrassen im Herzen des Kurviertels. Begründung: „Es gibt genug Handlungsbedarf zur Verbesserung.“

Probleme in Burtscheid gibt es nämlich mehr als genug. Angefangen direkt beim Startpunkt, den Kurpark-Terrassen, deren Veranstaltungsräume aufgewertet werden müssen, sagt der stellvertretende Vorsitzender Klaus-Peter Otto. Und der kleine Couvenpalast neben der Rosenquelle könne für Veranstaltungen gebraucht werden, er steht jetzt leer. Auch das Haus des Gastes sei in die Jahre gekommen und bedürfe der Erneuerung.

Belag ständig kaputt

Beispielhaft zu sehen ist die Vernachlässigung auch auf dem Markt oder in der Fußgängerzone Kapellenstraße. Pflaster oder Platten werden durch schwere Fahrzeuge, etwa Krankenwagen, Lieferfahrzeuge oder Müllwagen demoliert und durch Asphalt ersetzt, Metallbegrenzungen angefahren. Klaus-Peter Otto: „Der Belag ist ständig kaputt und dann wird nur geflickt.“

Zusammen mit der Burtscheider Interessengemeinschaft werde die SPD, so wird vor Ort vereinbart, noch einmal einen Ratsantrag einbringen, um für nachhaltige Abhilfe in der heruntergekommen wirkenden Hauptachse zu sorgen, durch eine komplett neue Gestaltung der Oberfläche auch auf dem Kapellenplatz mit Wochenmarkt. Wobei die Baustelle, so Otto, auch nicht zu groß werden und zu lange dauern dürfe: „Sonst sind die kleinen Geschäfte hier gefährdet.“ Das Parkhaus Kleverstraße solle aufgestockt werden, die Geschäfte an der Kapellenstraße nur noch von hinten über die Stichstraße beliefert werden.

Bezahlbarer Wohnraum, darum geht es den Bürgern immer wieder an den verschiedensten Stellen. Platz wäre genug da — theoretisch zumindest. Etwa auf dem Parkplatz am Viadukt, eine der ältesten noch genutzten Eisenbahnbrücken Deutschlands. Auf der anderen Seite an der Bachstraße werden schon Luxuswohnungen errichtet, der Quadratmeter bis zu 4200 Euro teuer. Planungsprobleme gebe es aber an der Kurbrunnenstraße, erläutert Norbert Plum, planungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion — wenig Chancen also für Häuser mit niedrigen Mieten.

Reichlich Raum gäbe es an der Jägerstraße, auf dem großen TH-Gelände mit Blick auf den tiefergelegenen Kern Burtscheids. Da könne man im Prinzip öffentlich geförderten Wohnraum errichten, erläutert Plum, zumal die Gebäude der Gewoge nur einen Steinwurf entfernt sind. Doch das Gelände gehört dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, ist auch schon im Gespräch für den Neubau des Schwertbads gewesen, ebenso wie die große Brache neben dem Schwertbad an der Benediktinerstraße — beide aber als zu klein verworfen.

Wo der Schwertbad-Neubau hinkommt, ist also vorläufig unklar. Deshalb herrscht Stillstand und gammeln die großen Grundstücke in bester Lage vor sich hin. Nicht ungewöhnlich für Aachen, befindet Planungspolitiker Plum, ähnliches sei auch am Kaiserplatz (Aquis Plaza) passiert und geschehe derzeit wieder am Hauptbahnhof. Ein Investor mit hochfliegenden Plänen reiße alte Gebäude ab und dann geschehe lange nichts, die Stadt werde so unter Druck gesetzt. „Dann ist das ein Schandfleck und man muss etwas tun“, vollendet eine Teilnehmerin des Rundgangs den Gedankengang.

Kein preiswertes Wohnen

Baustellen gibt es allerdings ebenfalls genügend in Burtscheid. Etwa an der kurzen Küpperstraße, wo ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude umgewandelt wird. „Da war mal ein kleines Lebensmittelgeschäft drin“, sagt Führer Otto im Vorbeigehen. Jetzt würden dort (teure) „Wohnungen für wenige“ entstehen: „Da verändert sich ein Stück weit der Stadtteil.“ Auch an der Bendstraße 38 (für die Vier-Zimmer Wohnung im renovierten „Denkmal aus der Barockzeit“ werden 1448 Euro Miete aufgerufen) oder an der Altdorfstraße (im ehemaligen Landesbad) kann von preiswertem Wohnen nicht wirklich die Rede sein.

Ein Beispiel für lieblose Behandlung durch die Stadt Aachen ist auf dem Rundgang das (1937 als HJ-Heim errichtete) Haus der Jugend in Kalverbenden, das einst auch von den Burtscheider Vereinen genutzt wurde, jetzt teilweise leer steht und nur mit einigen Büros für die Schulsozialarbeit belegt ist. Die SPD will es wieder für die eigene Bevölkerung öffnen. Der Kurbetrieb, ein ganz wichtiges Unterfangen, soll erhalten bleiben, gleichfalls auch kleinteiliges Gewerbe wie in der Bendstraße. Leerstehende Landesgebäude an der Karl-Marx-Allee oder der Robert-Schuman-Straße gilt es wieder zu nutzen, der Bürgerpark am ehemaligen Moltkebahnhof soll aufgewertet werden. Die Liste der Probleme in Burtscheid ist, wie gesagt, lang, die der SPD-Forderungen ebenfalls. Und bei allen Planungen, etwa an der Kasinostraße als künftigem Südausgang des Hauptbahnhofs, sollen die Bürger intensiver einbezogen werden.

Keine eigene Vertretung

„Vielleicht würde es helfen, wenn wir einen Bürgermeister hätten“, seufzt ein Teilnehmer angesichts der Problemfülle. Trotz der mehr als 100 Jahre Zugehörigkeit zur Stadt Aachen scheinen sich die Burtscheider nicht gut aufgehoben zu fühlen.

Der Stadtteil gehört nämlich zum großen Schmelztiegel Aachen-Mitte, hat keine eigene politische Vertretung, geschweige denn einen Bürgermeister. Selbst die 1972 ebenfalls von Aachen einverleibten Gemeinden Brand, Eilendorf, Haaren, Kornelimünster, Laurensberg, Richterich und Walheim haben es da besser, doch auch sie klagen über mangelnden Unterhalt von Straßen und Plätzen, übermäßigen Baumschnitt oder Vernachlässigung durch die zentralisierte Verwaltung.

Dass es mit der Lösung der Probleme auch schon mal etwas länger dauert, zeigt sich an der Kurbrunnenstraße, dem Entree ins Kurgebiet, kurz vor der Abzweigung der Jägerstraße. An das Viadukt schmiegt sich dort ein kleines Toilettenhäuschen. Heruntergekommen, stinkend, mit Plakaten zugepflastert und seit vielen Jahren geschlossen. Vor langer Zeit hat die SPD dazu einen Antrag gestellt, passiert ist bislang nichts. Die winzige Immobilie gehört der Bahn, und bei der dauert bekanntlich alles etwas länger. Da könnte wohl auch ein Bürgermeister nicht helfen.

Dass sich aber auch etwas tut, zeigt sich daran, dass die Stadtteilkonferenz für Burtscheid, die in einer Podiumsdiskussion der SPD Anfang März vorgeschlagen worden ist, tatsächlich auch stattfinden wird. Wahrscheinlich Ende Mai, Anfang Juni, verkündet nebenbei stellvertretender Vorsitzender Otto, nicht ohne Stolz.

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