Aachen: Burtscheid: Das Abteitor ist ein Schatzkästlein geworden

Aachen: Burtscheid: Das Abteitor ist ein Schatzkästlein geworden

Thomas Kempen ist stolz. Mit Recht. Denn der beratende Ingenieur hat es geschafft, das ehrwürdige Burtscheider Abteitor mit viel Aufwand und Geld zu sanieren und wieder bewohnbar zu machen. Am Samstag wird er das ehemalige En­tree zum längst nicht mehr bestehenden Benediktinerinnenkloster den Burtscheidern zugänglich machen.

Gelegenheit bietet sich dafür während des Aktionstags der Burtscheider Interessengemeinschaft (BIG) ab 11 Uhr. Dann können die Burtscheider hautnah erleben, wie aus einem maroden Bau mit einem wahnsinnigen Investitionsstau ein wahres Schatzkästlein werden kann.

Draußen scheint sich am Abteitor nichts verändert zu haben. Innen entstand ein Paradies mir sechs Ferienwohnungen. Der beratende Ingenieur Thomas Kempen gab sich viel Mühe als Eigentümer und Investor. Die Kirchengemeinde St. Michael als Vorbesitzerin hätte nie so viel Geld investieren können. Foto: Heike Lachmann

Restauriert und renoviert hat der 55-Jährige das alte Tor mit seinen sechs Wohnungen, das vor einiger Zeit von den Behörden als unbewohnbar eingestuft wurde, weil bei einem Hausbrand durch die zu kleinen Fenster kein Entrinnen mehr gegeben war. Die Ex-Mieter mussten also raus, die katholische Kirchengemeinde St. Michael verkaufte schließlich das ausgedehnte Tor an Thomas Kempen. Denn sie hätte niemals genügend Geld gehabt, das Ganze so hinzubekommen.

Draußen scheint sich am Abteitor nichts verändert zu haben. Innen entstand ein Paradies mir sechs Ferienwohnungen. Der beratende Ingenieur Thomas Kempen gab sich viel Mühe als Eigentümer und Investor. Die Kirchengemeinde St. Michael als Vorbesitzerin hätte nie so viel Geld investieren können. Foto: Heike Lachmann

Kempen krempelte im Mai vergangenen Jahres die Ärmel hoch, besorgte sich handwerklich vorgebildete Fachleute aus dem nahen Belgien und Polen und begann mit der Sanierung. Vieles musste raus. Das Eichenholz der PVC-verkleideten Holztreppen, wurde begradigt und befestigt, teilweise wurden die Wände im Inneren abgetragen und das originale Mauerwerk wieder sichtbar gemacht. „In jeder Wohnung war ein anderer Ofen“, erinnert sich Kempen. In der einen Kohleöfen, in den anderen Öl- oder Gasöfen.

„Eigentlich unzumutbare Zustände“, kommentiert der beratende Ingenieur mit Lehrauftrag an der RWTH. Also wurde eine Zentralheizung eingebaut, den feuerpolizeilichen Vorschriften begegnete Kempen mit einer Rauchzugdruckanlage. Sobald es in einer Wohnung brennt, werden die anderen Wohnungstüren automatisch geschlossen, wobei natürlich noch Zeit genug bleibt, sie wie die brennende Wohnung zu verlassen. Das Treppenhaus ist dann durch den Druck völlig rauchfrei. Ein System, welches der Bauherr und Eigentümer Kempen als sicher und gleichzeitig phantasievoll empfindet.

Nun hat Kempen aus den sechs unbewohnbaren Wohnungen Ferienwohnungen entstehen lassen, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Der Vier-Sterne-Status des „aachen tourist service“ (ats)wird wohl eine Selbstverständlichkeit für die Unterkünfte unterschiedlicher Größe sein. Die sechs Wohnungen haben alle Namen, die sich an Aachener Besonderheiten orientieren. Wasser, Reiten und Fahren, 1644, Printen, Jakobsweg und Musica heißen sie. Und werden für mindestens zwei Tage an Kongressreisende, Stadturlauber oder gemeinsam an größere Gesellschaften vermietet.

Kempen: „Ich habe keine Mühen gescheut, auch in die Inneneinrichtungen zu investieren. Die Betten sind aus eichenem Massivholz, deshalb der belgische Schreiner, in keiner Wohnung fehlen Spül- und Waschmaschine. Selbstverständlich fehlen in den Wohnzimmern nicht die großen Flachbildschirme, in den Küchen gibt es kleinere, denn das Fernsehverhalten hat sich stark verändert.“

In der Wohnung 1644, benannt nach dem Baujahr, steht ein zeitgenössisches Eichenbüffet, das ein polnischer Fachhandwerker vorsichtig auseinandergenommen hat und in der Wohnung wieder zusammensetzte. Durch das Treppenhaus wäre das Möbelstück nie zu tragen gewesen. Und die Fenster sind zu klein dafür.

Einen Keller hat das Haus nicht. Gegenüber dem Hauseingang befinden sich zwei durchgehende Lagerräume, diese können mitbenutzt werden. Auch von außen wurde das Abteitor restauriert.

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