Aachen: Burg Frankenberg ist nicht leicht zu knacken

Aachen: Burg Frankenberg ist nicht leicht zu knacken

Die aktuellen Scherereien des Frankenb(u)erger e. V. sind von langer Hand vorbereitet. Schon vor Jahrhunderten sei die Burg Frankenberg natürlich so gebaut worden, dass niemand so einfach hineinkomme, erklärt Christoph Lenssen vom Vorstand des Vereins. Unüberwindbare Mauern passen aber nicht zu heutigen Brandschutzvorschriften für ein Bürger- und Kulturzentrum.

Für das, was die Frankenb(u)erger aus der Burg machen wollen, ist ein Fluchtweg nötig, und für diesen Fluchtweg ein Mauerdurchbruch. Und für diesen Mauerdurchbruch ... das wird richtig kompliziert.

Trotzdem sind die Frankenb(u)erger zuversichtlich, das wohl aus dem 13. Jahrhundert stammende Gemäuer bis zum Mai kommenden Jahres für die Gegenwart fit machen zu können. Der zuletzt als Heimatmuseum genutzte Bau soll im Erdgeschoss gastronomisch bewirtschaftet werden, gekocht wird im Keller. Daneben und darüber wird es Platz geben für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Kleinkunst oder auch private Feiern.

„Alles schöne kleine Dinge, mit denen man kein Geld verdienen kann“, erklärt Christoph Lenssen. Um den Unterhalt der Burg im Frankenberger Park finanzieren zu können, setzt der Verein auf die Vermietung von Räumen für Tagungen und Seminare. „Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Lenssen: Konferenzen in mittelalterlichem Ambiente unweit eines ICE-Haltepunkts könne nicht jeder anbieten.

Dafür muss allerdings viel Geld in die Hand genommen werden. Die Gesamtkosten werden mit 1,65 Millionen Euro beziffert. Davon übernimmt das Land 850.000 Euro, die Stiftung NRW, die bürgerschaftliches Engagement besonders belohnt, legt noch einmal 100.000 drauf. Die Stadt beteiligt sich mit 550.000 Euro und am Frankenb(u)erger e. V. bleiben damit 150.000 Euro hängen.

Der Verein, der vor rund einem Jahr die Burg von der Stadt angemietet hat und seither als Bauherr und Betreiber fungiert, finanziert vieles aus Rücklagen und Spenden, ein nicht geringer Teil entfällt aber auch auf die sogenannte Muskelhypothek: Eigenleistung haben die rund 400 Vereinsmitglieder schon reichlich erbracht.

So wurde zum Beispiel das Dachgeschoss „freigelegt“, wie Vereinsvorsitzender Ingo Klusemann es formuliert. Nach der Demontage von Zwischenwänden und Verblendungen entstand ein großer Raum, der für Veranstaltungen genutzt werden kann. Auch eine originelle „Turm-Bar“ ist hier geplant. Dieses Dachgeschoss war zu Zeiten des Heimatmuseums kaum nutzbar, weil eben ein zweiter Rettungsweg fehlte. Künftig aber soll es eine weitere Treppe geben, über die im Notfall Besucher schnell ins Freie gelangen könnten.

Im Stockwerk darunter könnten ebenfalls Veranstaltungen oder auch private Feiern stattfinden. Einige Räume sollen aber auch als Büros etwa an gemeinnützige Vereine vermietet werden. Unterschrieben sei zwar noch nichts, berichtet Vorsitzender Klusemann, aber Gespräche mit Interessenten seien schon weit gediehen. Auch hier führt die Treppe vorbei, über die im Fall der Fälle schnell der Burghof zu erreichen wäre.

Dort allerdings muss noch ein Durchbruch mit Hindernissen bewerkstelligt werden: Zu knacken sei eben kein „homogenes Mauerwerk“, wie Architekt Jörg Beißel erklärt, sondern eine Konstruktion mit „verklapptem Schutt“. Damit dabei nicht alles zusammenbricht, braucht es „textile Hülsen“ als „Strumpfanker“, um einen Sturz zu verfestigen — eine komplizierte Sache.

Dennoch soll das Das Da Theater im Burghof schon bald die Bühne für seine Freiluft-Vorstellungen aufbauen können. Trotz Umbau sollen dann auch die Toiletten nutzbar sein. Für viele ist das schließlich auch so eine Art Fluchtweg.

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