Aachen: Buntes Schauspiel bei den Burtscheider Bänkeltagen

Aachen: Buntes Schauspiel bei den Burtscheider Bänkeltagen

Viele Menschen sammeln sich an der Straßenkreuzung. Immer mehr Neugierige gesellen sich zu ihnen. Dort muss es etwas zu sehen geben. Dicht gedrängt bilden sie eine Traube.

Wer näher herantritt und den Schaulustigen über die Schulter blickt, der sieht einen Mann in altertümlichem Gewand, der die Umstehenden mit einer Geschichte in seinen Bann zieht.

Der Mann nennt sich „Tamino, der Gaukler”. Er unterhält die Besucher der 15. Burtscheider Bänkeltage mit kurzweiligen, witzigen Anekdoten. Er erzählt, wie er zum Gaukler wurde und das Flötenspiel lernte. Und das demonstriert er auch gleich: Er spielt gleich auf zwei Instrumenten - mit den Nasenlöchern. Später schlägt er auf die Trommel, dazu erklingen Dudelsack und Tamburin. Wer bei dieser Musik die Augen schließt, könnte ganz schell meinen, er stehe auf einem mittelalterlichen Markt.

Wenige Meter entfernt haben viele (Kunst-)Handwerker ihre Stände aufgebaut. Von Freitag bis Sonntag dauerten die Bänkeltage. Am Burtscheider Markt und in der Kapellenstraße bieten zahlreiche Händler ihre kunstvoll gefertigten Waren an. Es gibt handgemachte Kleidung und Schmuck, traditionell hergestellten Käse, frisch gebackenes Brot oder Metallfiguren zur Dekoration.

Immer wieder bleiben Interessierte an den Ständen stehen. Sie erkundigen sich nach dem Material oder der Art der Verarbeitung. Die Handwerker geben bereitwillig Auskunft und erklären genau, wie sie die Produkte angefertigt haben. Aber nicht jeder kommt, um etwas zu kaufen. Viele Leute flanieren bloß über das Pflaster der Kapellenstraße. Vorbei an Straßenkaffees und Marktständen.

Ritter und Knappen

Tamino hat seine Gaukel-Einlage indes beendet. er geht zurück zum Abteitor. Dort ist das „Zentrum der Mittelalter-Darsteller”, wo auch das Eynevolk sein Zelt aufgeschlagen hat. Die Ritter, Knappen und Burgfräulein präsentieren Rüstungen, Schwerter und Helme. „Die machen sich gerade fertig. Da gibt´s gleich wieder was auf die Mütze”, sagt Tamino, der sich bei einem Malzbier ansieht, wie Rüstung und Kettenhemd angelegt werden.

Dass bei den Bänkeltagen alles so nah beieinander ist, gefällt dem Gaukler. „Die Distanzlosigkeit ist das Tolle daran. Wenn man herkommt, um sich etwas anzusehen, wird man richtig in die Darbietungen hineingezogen.” So geht es auch den Kindern, die sich um Schäfer Ulrich scharen. Der Mann mit dem dichten Bart sitzt im weißen Gewand in seinem Zelt. Die Kinder kleben an Schäfer Ulrichs Lippen, der seine Geschichten mit durchdringender Stimme erzählt.

Seit fast 20 Jahren tritt Tamino als Gaukler auf, er möchte ein Stück Lebensfreude vermitteln. Er sagt: „Mittelalter ist für mich eine ganzheitliche Geschichte. Wenn man sieht, wie damals Dinge in ganz vielen Arbeitsschritten hergestellt wurden, lässt das eine Lebensqualität erkennen, die in der heutigen schnelllebigen Zeit verloren geht.” Daher sei auch die Kombination von Kunsthandwerk und Mittelalter eine „gelungene Mischung”.