Aachen: Bunker zu versteigern: Bunter Bau an der Scheibenstraße ist zu haben

Aachen : Bunker zu versteigern: Bunter Bau an der Scheibenstraße ist zu haben

Wer ein außergewöhnliches Gebäude kaufen will, am Samstag etwas Zeit hat und das nötige Kleingeld beisammen, könnte von Aachen aus eine Tagesreise nach Berlin machen: Im Auktionshaus Karhausen geht der Hochbunker an der Ecke Scheibenstraße / Hein-Janssen-Straße unter den Hammer. Das Mindestgebot liegt bei 395.000 Euro.

Die jetzige Besitzerin, die Bundesanstalt für Immobilien (Bima), ist damit deutlich von ihren ursprünglichen Preisvorstellungen abgewichen. Vor knapp zwei Jahren sollte die Bunkeranlage für 1,1 Millionen Euro verkauft werden

Der Bunker, den viele Aachener auch wegen der farbenfrohen Malereien von den Schülern der Schule Aretzstraße kennen dürften, ist einer von 15 Hochbunkern auf städtischem Gebiet. 1940 wurde in Aachen, das wegen seiner geografischen Lage als besonders gefährdet galt, ein Eilprogramm zum Schutze der Zivilbevölkerung angelegt.

Der denkmalgeschützte Bunker bot zeitweise 1014 Liege- und 113 Stehplätze. Nach dem Krieg wurde er als Notunterkunft genutzt, alleine 1946 waren in dem Koloss 87 Familien untergebracht. Sogar ein Kindergartenraum wurde eingerichtet. Nachdem 1956 die letzten Bewohner ausgezogen waren, wurde er in den 1980er Jahren erneut für den Zivilschutz hergerichtet. Dazu wurde unter anderem die Haustechnik erneuert.

Auch wenn der Bunker unter Denkmalschutz steht: Ganz genauso bleiben wie es ist muss das Gebäude trotzdem nicht. „Es besteht die Möglichkeit, den Bunker mit einer eingeschossigen Wohnanlage in Form eines Staffelgeschosses aufzustocken“, erklärt Matthias Knake, der öffentlich bestellt Auktionator, Vorstand im Auktionshaus Karhausen. Seitens der Stadt Aachen liege ein gültiger Bauvorbescheid vor.

Auch der Denkmalschutz habe einem solchen Bauvorhaben bereits zugestimmt, sagt Knake. Das heißt, dass oberhalb des massigen Baus Wohnungen entstehen könnten. „Der Bunker selbst bietet sich für eine Mischnutzung an“, sagt Knake, der für die Bima bereits mehrere Bunker versteigert hat, im Gespräch mit den „Nachrichten“. Die Anlage könnte als Lagerraum genutzt werden, für Musikproben oder auch als Eventlocation — dass der Bunker schalldicht ist, könnte interessant werden.

Malereien nicht unter Schutz

Die Malereien der Schule Aretzstraße stehen zwar nicht unter Denkmalschutz. Doch auch die städtische Denkmalpflege hatte, als das Gebäude vor zwei Jahren verkauft werden sollte, darauf hingewiesen, dass an dem Kunstwerk öffentliches Interesse bestünde. Auch das Auktionshaus weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass die Wandmalerei an der Außenfassade als Teil eines Schulprojektes mit einem Künstler entstanden sind.

Die Versteigerung am Samstag beginnt um 12 Uhr. Wer nicht persönlich nach Berlin reisen kann, kann übrigens auch telefonisch mitbieten. Dass das einige machen werden, davon geht Knake aus. „Unser Auktionshaus hat in der Tat schon sehr viele Anfragen von potenziellen Käufern gehabt“, sagt Knake, auch seien an der Scheibenstraße zwei Besichtigungen durchgeführt worden.

Der Auktionator ist sich ziemlich sicher, dass der Bunker am Wochenende den Besitzer wechselt. „Wie viele Leute wirklich mitbieten, wissen wir natürlich erst am Samstag.“

Mehr von Aachener Nachrichten