Aachen: Bunker Rütscher Straße: Anwohner wollen „Schutzengel“ behalten

Aachen : Bunker Rütscher Straße: Anwohner wollen „Schutzengel“ behalten

„Der Bunker Rütscher Straße war immer unser Schutzengel“, erinnert sich Hein Kluck an die Bombennacht am 25. Mai 1944. 350 Flugzeuge mit Tausenden von Bomben zerstörten große Teile der Stadt und auch sein Elternhaus an der Roermonder Straße.

„Es waren 198 Tote zu beklagen. Im Bunker hörten wir Bombeneinschläge, wir hatten schreckliche Angst, Kinder schrien und weinten. Diese Nacht werde ich nicht vergessen. Der Bunker Rütscher Straße war auch beschädigt worden, aber er hielt stand und rettete unser Leben und das Leben vieler anderer Menschen.“

Der inzwischen 76-jährige Kluck schlägt deshalb vor, zumindest einen Teil des Bunkers zu erhalten oder in eine Gedenkstätte umzuwandeln: „Als Mahnmal gegen den Krieg und für Freiheit und Demokratie.“ So steht es ja auch auf der Gedenktafel, die 1989 von Oberbürgermeister Kurt Malangré als eine der Stationen der Wege gegen das Vergessen enthüllt worden ist und neben dem Eingang prangt.

Der Bunker soll abgerissen werden, um Platz zu machen für 50 hochwertige Eigentumswohnungen in mehreren Gebäuden an Rütscher Straße und Försterstraße, darunter Platz für 60 Autos in einer Tiefgarage. Gekauft hat ihn eine Firma „Lousberg Höfe“ aus dem Umfeld des Investors Norbert Herrmann, der eine Erhaltung des Kriegsrelikts für nicht möglich hält, weil es innen „schimmelt und gammelt“. Daraus könne man nichts Schönes mehr machen.

Anwohner sehen das jedoch anders. Sie fürchten nicht nur Lärm, Staub und zusätzlichen Autoverkehr. Sie setzen sich für den Erhalt des Bunkers ein. Prof. Christoph Schulten hat mit seinen Studenten 2005 an der RWTH ein Projekt zu dem Bunker gemacht, in Kooperation mit der TU Dresden. Die hätten viele Ideen zu einer neuen Nutzung entwickelt, die er gerne in einer Ausstellung zeigen wolle: „Der Bunker ist in einem tollen Zustand.“ Schon jetzt kämen täglich Touristen, um den Hochbunker anzuschauen, das könne man sicher noch ausbauen.

Weltweite Aufmerksamkeit

In diesem Bunker hat bekanntlich der letzte Stadtkommandant Aachens am 21. Oktober 1944 die Kapitulation erklärt. Ein Ereignis, das damals weltweite Aufmerksamkeit fand: Die erste Großstadt des Nazireichs fiel. Deshalb haben sich auch schon Historiker und Denkmalschützer heftig gegen den schon genehmigten Abriss des Bunkers ausgesprochen.

Schon vor fast 20 Jahren wurde der Bunker an der Rütscher Straße in einem Artikel der Wochenzeitung „Die Zeit“ in eine Reihe mit der ehrwürdigen Marienkirche Karls des Großen und den Krönungsaal im Rathaus gestellt als „ein Zeugnis der auch überörtlich bedeutsamen Geschichte“. Er steht nicht unter Denkmalschutz, weil er nach dem Krieg laut der zuständigen Behörde im Innern zu stark verändert worden sei und deshalb an Aussagekraft verloren habe.

350 Unterschriften hat der an der Försterstraße wohnende Architekt Schulten schon mit seinem Mitstreiter Torsten Rumor in der Nachbarschaft gegen den Abriss gesammelt. Rumor führt in einem Schreiben an die Stadt auch bautechnische und juristische Gründe gegen die Abrissgenehmigung an: „Aufgrund welcher Expertise glaubt die Stadt Aachen, die Abrissgenehmigung erteilen zu können?“ Der Abriss hätte nachteilige Auswirkungen auf Baugrund und Nachbarbebauung, da der Bunker direkt in den Hang eingebettet sei und das Erdreich in Bewegung gerate, wenn er entfernt werde.

Ebenso lax gehe die Verwaltung mit dem genehmigungsrechtlichen Aspekt des „Einfügens in die vorhandene Bebauung“ vor, der im verwaltungsrechtlichen Verfahren überprüfbar sei und zumindest einer Beurteilung der Bebauung in einem Ortstermin bedürfe: „Schließlich haben wir kein Verständnis dafür, dass die Anwohner an diesem Bauvorhaben mit seinen massiven Belastungen und völliger Umgestaltung des Ist-Zustandes nicht beteiligt werden.“

Der Fachbereich Bauaufsicht antwortet ihm darauf, dass im Rahmen des Abbruchantrages eine Vielzahl von Aspekten geprüft worden sei, die über übliche Anträge weit hinausgingen, etwa zu Immissionsschutz, Gewässerschutz, Artenschutz und Baumschutz. Auch sei ein statisches Konzept vorgelegt worden, das von einem Sachverständigen begleitet und überwacht werde.

Auch städtebauliche Fragen seien dabei untersucht worden: „Danach stellt der vorhandene Bunker ein aus städtebaulicher Sicht störendes Element dar in dieser homogenen Bebauung.“ Eine Neubebauung führe dagegen zu einer „notwendigen und erforderlichen Stadtreparatur“. Für die Neubauten gebe es einen planungsrechtlichen Vorbescheid, für den es mehrere Ortstermine gegeben habe. Da die Stadt nie Eigentümerin gewesen sei, beschränke sich die Aufgabe der Stadtverwaltung darauf, die eingereichten Anträge auf die Übereinstimmung mit dem Baurecht zu prüfen.

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