Aachen: „Bufdis”: Im Jugendhilfezentrum startet der zweite Jahrgang

Aachen: „Bufdis”: Im Jugendhilfezentrum startet der zweite Jahrgang

Ihr neuer Job ist für Astrid Rätz erstmal kein Sprung ins kalte Wasser. Zwar stand gleich am ersten Tag das Badezimmer im Nass, als sie Kindern beim Waschen half und das Wasser über den Wannenrand schwappte.

Doch sonst lief alles ganz flüssig für die 20-Jährige. „Ich hatte großen Spaß, hätte eigentlich eine viel größere Belastung erwartet.” In Burtscheid legen die neuen „Bufdis” los. Astrid Rätz (20) packt seit Montag wie drei andere junge Aachener im Jugendhilfezentrum Burtscheid mit an - als eine von rund 35.000 Teilnehmern des Bundesfreiwilligendienstes (BFD).

Erfahrungen mit Kindern hat Rätz schon zuvor gemacht, half in den letzten Monaten bei Nachmittagsbetreuung, Jugendtreff und auf einem Abenteuerspielplatz. Jetzt startet für sie das nächste Abenteuer: Um die Zeit bis zu ihrem angestrebten Studium der Sozialen Arbeit zu überbrücken, wird sie ein Jahr lang in der Familienwohngruppe des Jugendhilfezentrums neun Kinder mitbetreuen.

Da freut sich auch der Chef: Für Einrichtungsleiter Udo Wilschewski ist der Übergang vom Zivildienst zum BFD „nahtlos”. Und er sieht ihn als Gelegenheit, mit Klischees aufzuräumen. „Die Kinder, die in unseren Räumen leben, sagen nicht: Wir wohnen im Heim. Sie sagen: Das ist unser Zuhause.” Und da kommen die Bufdis ins Spiel. Denn sie haben andere Aufgaben als ihre Vorgänger, die Zivildienstleistenden. „Zivis wurden eher im hauswirtschaftlichen Bereich eingesetzt. Kontakt zu den Kindern hatten sie früher selten, etwa, wenn sie das Bett reparierten.” Anders dagegen die Bufdis: „Sie arbeiten im pädagogischen Bereich. Für beide Seiten ist das schöner, weil die Bufdis jetzt viel näher dran sind”, schildert Udo Wilschewski.

Bestes Beispiel ist Cathrine Fuchs (20). Sie wird im Ende Oktober ihren BFD beenden. Täglich von 13 bis 21 Uhr arbeitet sie in einer Intensivgruppe mit sechs Kindern; hilft ihnen bei Hausaufgaben, begleitet sie auf Termine, spielt mit ihnen, bringt sie zu Bett. „Anfangs wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Doch jetzt macht es mir großen Spaß”, sagt sie. Was Fuchs nach dem „Bufdi” machen will, steht für sie noch nicht fest. Eines prophezeit sie aber: „Ich glaube, es wird komisch, die Kinder nicht mehr jeden Tag zu sehen.”

Übrigens: Fachpersonal ersetzen die Freiwilligen laut Wilschewski nicht: „Die Bufdis sind das Zuckerstück, mit Herz und Verstand dabei - eine gute Ergänzung zum Fachpersonal.” Versüßt wird den „Zuckerstücken” ihr Job vom Bund zwar nicht ganz üppig: mit 280 Euro im Monat, Fahrtkostenzuschüssen und Essensgeld. Jedoch gehe es den Teilnehmern ohnehin nicht um den Lohn, wie die Betreuer bekräftigen.

Gerne würde Wilschewski noch mehr Helfer einsetzen, doch sind die Plätze im Jugendhilfezentrum auf vier begrenzt - über die Zahl entscheide der Träger, die Diakonie. Ältere Menschen, die den BFD auch beginnen können, sind derweil in Wilschewskis Haus bisher nicht vorstellig geworden.