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Büro für Leichte Sprache weitet Aktivitäten in Aachen aus

„Barrierefreie Kommunikation“ : Mehr Teilhabe an der Gesellschaft dank leichter Sprache

Seit zwei Jahren leisten Marlies Janhsen und Andrea Heyer-Schmitz Übersetzungsarbeit. Denn sie arbeiten im Büro für Leichte Sprache. Nun weiten sie ihre Aktivitäten aus und wirben für „barrierefreie Kommunikation“, die auch Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht.

„Barrierefreie Kommunikation“ ist das Zauberwort, das das Büro für Leichte Sprache der Lewac auch zunehmend in Unternehmen etablieren will: „Denn dass tatsächlich alle Mitarbeiter einer Firma wichtige Hinweise beispielsweise zu Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit auch tatsächlich verstehen, ist nicht selbstverständlich“, sagen Marlies Janhsen und Andrea Heyer-Schmitz vom  Büro für Leichte Sprache.

Seit zwei Jahren sorgen sie im Namen der Lewac – einem Zusammenschluss von Lebenshilfe, Wabe und Diakonie – dafür, dass unter anderem auch Menschen mit geistiger Behinderung Zugang zu Texten bekommen, die sie normalerweise nicht verstehen könnten. Die beiden Frauen leisten harte Übersetzungsarbeit und bringen komplizierte Texte in eine leichtverständliche Form, reichern sie mit Piktogrammen an und sorgen so dafür, dass Menschen, denen es schwer fällt, schriftliche Informationen zu erfassen, nicht außen vor bleiben.

„Und das funktioniert sehr gut“, sagen die beiden Übersetzerinnen. Und inzwischen hat sich ihr Arbeitsfeld auch deutlich ausgeweitet. Neben der reinen Übersetzung von Texten in die Leichte Sprache spielt heute auch die Arbeit mit Firmen und Unternehmen eine große Rolle. Demnach haben die inzwischen erkannt, wie hilfreich es sein kann, wenn wichtige Informationen zu betrieblichen Abläufen eben auch in Leichter Sprache vorliegen.

Denn gerade auch Migranten und Flüchtlinge, die die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschen, können demnach Zusammenhänge deutlich besser verstehen, wenn sie in Leichter Sprache angeboten werden. Die Leichte Sprache folgt einem strikten Regelwerk und zielt darauf ab, Inhalte so zu präsentieren, dass sie gut verstanden werden können.

„Der Arbeitsschutz ist dabei ein ganz wichtiges Thema“, sagen die Übersetzerinnen der Lewac. Im Auftrag des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung des Landes NRW haben sie eine Broschüre erarbeitet, die die wichtigsten Hinweise zum Arbeitsschutz in Leichter Sprache liefert. Auch die Präsentation ist so gestaltet, dass sie die Lektüre erleichtert, und Abbildungen helfen dabei, das Gesagte noch anschaulicher zu machen.

Offensichtlich hat das kleine Heft so überzeugt, dass jetzt auch Anfragen aus anderen Bundesländern kommen. „Es ist aber nicht allein damit getan, Texte in die Leichte Sprache zu übersetzen“, sagt Marlies Janhsen. Gerade in Unternehmen und Firmen sei wichtig, erst einmal zu klären, welche Texte und welche Informationen überhaupt in Leichter Sprache vorliegen sollen. „Denn komplizierte, technische Informationen zum Betrieb eine Maschine müssen ja nicht übersetzt werden, wenn nur entsprechend ausgebildete Fachleute damit in Berührung kommen“, ergänzt Andrea Heyer-Schmitz.

Beide Übersetzerinnen sehen in der „barrierefreien Kommunikation“ ein ganz wichtiges Feld, um möglichst vielen Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Denn wer – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Lage ist, herkömmliche Texte zu verstehen, der bleibt außen vor. Und Marlies Janhsen hat inzwischen mehr als einmal erlebt, wie dankbar die Betroffenen sind, wenn sie Texte bekommen, die sie auf Anhieb verstehen können.

Die Lebenshilfe gibt regelmäßig die Zeitschrift „mehrwerk“ heraus, in der auch einige Seiten nach den Kriterien der Leichten Sprache gestaltet sind. „Und das kommt richtig gut an“, sagt Janhsen, die einmal zufällig beobachtet hat, wie eine junge Frau aus den Werkstätten der Lebenshilfe nach der Zeitschrift griff, sie mehr oder weniger oberflächlich durchblätterte, und erst dann zu lesen begann, als sie auf die Seiten in Leichter Sprache stieß.

Um gerade auch bei technischen Übersetzungen sicherzustellen, dass die Texte wirklich gut verständlich sind, gibt es eine Prüfgruppe von entsprechend geschulten Leichte-Sprache-Lesern, die ihr Okay geben oder eben nicht. Die intensive Auseinandersetzung mit den Texten enthüllt dann auch schnell mal die Defizite des Originals: „Wir sollten mal einen Text aus der Politik übersetzen, da stellte sich nach näherer Betrachtung heraus, dass der gar keine Substanz hatte. Da war nichts, was man in Leichte Sprache hätte übersetzen können“, erzählen die beiden Übersetzerinnen.

Sie würden sich wünschen, dass Fassungen in Leichter Sprache zu einer Selbstverständlichkeit werden. Denn während man beim Surfen im Internet ständig auf Seiten mit Fassungen in vielen  Sprachen wie Englisch, Französisch oder sogar Arabisch träfe, seien Versionen in Leichter Sprache vergleichsweise immer noch sehr selten.