Bürgerstiftung Lebensraum erinnert an die Menschenrechte

70 Jahre Menschenrechte: Ein hauchdünnes Heft mit großer Wirkung

Zum 70. Geburtstag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte will die Bürgerstiftung die 30 Artikel ins Gedächtnis rufen. Für Montag laden sie deshalb in die Rotunde am Elisenbrunnen ein.

„In dieses kleine Heftchen passen unsere Menschenrechte“, sagt Hilde Scheidt und hält eine winzige Broschüre in die Höhe – nicht einmal fingergroß und nur wenige Millimeter dick. „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ steht darauf geschrieben. „Man sollte es zur Schullektüre machen“, meint Scheidt, gleichermaßen Bürgermeisterin wie Mitbegründerin der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen.

Am Montag, 10. Dezember, jährt sich die Verabschiedung dieser Erklärung durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum siebzigsten Mal. Im Rahmen des Projekts „Offenes Aachen – für Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt“ will die Bürgerstiftung an diesem Tag in der Rotunde des Elisenbrunnens von 15 bis 16 Uhr auf die Bedeutung der Menschenrechte hinweisen und über hundert solcher Heftchen verteilen. „Wir werden alle 30 Artikel vorlesen“, kündigt Projektleiter Norbert Greuel an. Zusätzlich soll auf die Entstehungsgeschichte hingewiesen werden. „Denn Europa lag damals in Trümmern“, ergänzt er. Klangvoll begleitet wird die Aktion von drei Musikern der Band Blues Delivery: Mark Beumers, Werner Weber und Jupp Ebert.

Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ habe zwar formaljuristisch nur wenig Aussagekraft, räumt Norbert Taudien von der Bürgerstiftung ein. Dennoch habe sie nicht zuletzt auch massiv den Inhalt des deutschen Grundgesetzes beeinflusst, das ein halbes Jahr später verabschiedet wurde. „Manches wurde eins zu eins übernommen“, erklärt Taudien. Die Artikel 22 bis 25 schafften es damals – zu seinem Bedauern – jedoch nicht in die deutsche Verfassung. Darunter fallen vor allem soziale Rechte: der Anspruch auf Arbeit, Wohlfahrt sowie soziale Sicherheit.

Doch genauso alt wie die Menschenrechte sind auch die Verletzungen dieser Rechte. „Wir Europäer schauen zu, wie im Mittelmeer zahlreiche Menschen ertrinken“, sagt Norbert Greuel. Man brauche aber kein Fernglas, um Missachtungen der Menschenrechte zu finden. Auch in Deutschland sei die Würde des Menschen nicht immer gewährleistet, sind sich die Stiftungsmitglieder einig. Sichtbar werde das zum Beispiel anhand der vielen Obdachlosen und Armen oder auch ethnischen Gruppen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. „Wenn ein Unfall passiert und keine Rettungsgasse gebildet wird, ist das auch eine Verletzung des Menschenrechts“, betont Norbert Greuel und verweist auf einen Teil des Artikels 25: das Recht auf ärztliche Betreuung.

Insgesamt 20 Veranstaltungen hat die Bürgerstiftung im Rahmen des Projekts „Offenes Aachen 2.0“ für die Jahre 2018 und 2019 geplant. Im Anschluss an die Veranstaltung in der Rotunde am Montag, 10. Dezember, widmet sich die Stiftung um 17.30 Uhr in der Nadelfabrik gemeinsam mit Pirmin Spiegel von Misereor der Thematik der globalen Armut.

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