Bürgerstiftung Lebensraum Aachen entwickelt App

Aachener entwickeln Museums-App: Geschichte des Wassers wird lebendig

Ein Museum auf den Straßen Aachens: Dieses Ziel verfolgt die Bürgerstiftung Lebensraum. Mit einer interaktiven App soll die Geschichte um das für die Stadt so wichtige Thermalwasser lebendig werden.

Da hat es Otto von Bismarck aber ordentlich krachen lassen. Leicht verkatert steht der gut gekleidete Mann am Elisenbrunnen und schwört nun auf das Schwefelwasser, welches ihm dazu verhelfen soll, die Spuren der feucht-fröhlichen Nacht zu beseitigen. Nach seinem Studium ist der spätere erste Reichskanzler des Deutschen Reiches 1835 in den mondänen Kurort gekommen, um hier sein Regierungsreferendariat zu absolvieren. Und wie das bei jungen Burschen so ist, wusste von Bismarck genau, wie er fürstlich feiern und sich gleichzeitig akademisch bilden konnte. So oder so ähnlich hätte es vor über 180 Jahren tatsächlich aussehen können, als er kurzzeitig in der Kaiserstadt wohnte.

Johannes Schöneberger, Schauspielschüler an der Theaterschule Aachen, schlüpft derzeit für eine ganz besondere App in die Rolle des deutschen Politikers und Staatsmannes. Hinter der Aktion steht maßgeblich die Bürgerstiftung Lebensraum mit der Projektgruppe „Thermalwasserroute“, die im Rahmen des Förderprojektes „aachen 72°celsius“ eine App entwickelt, die als virtueller Führer im gleichnamigen Straßenmuseum fungiert. Zu diesem Zweck spielen Darstellerinnen und Darsteller der Theaterschule im Filmstudio in historischen Kostümen Szenen zu verschiedenen Zeitabschnitten der Stadtgeschichte Aachens.

Die kurzen filmischen Spielszenen werden anschließend mit Hilfe einer virtuellen Erweiterung der Umgebung über eine App den historischen Stadtraum zum Leben erwecken. Die Besucher der Route erhalten damit Einblicke in unterschiedliche Zeiten, in der die heißen Quellen für Aachen eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die Entwicklung des Straßenmuseums „aachen 72°celsius“ durch die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen wird gefördert von der Stadt Aachen, der Stiftung NRW sowie vom Landschaftsverband Rheinland.

Fertigstellung im Frühjahr

„Wir hoffen, dass die App im Frühjahr 2019 fertig ist und genutzt werden kann“, betont Ricarda Quest von der Bürgerstiftung und ergänzt: „Die Nutzer tauchen in unterschiedliche Epochen ein. Die Römerzeit, Badegäste des 18. Jahrhunderts und Kurgäste des 19. Jahrhunderts warten an den jeweiligen Stationen auf sie und geben kurze Informationen.“

Konkret bedeutet dies, dass die Römerzeit am Hof sichtbar wird, die Badegäste sich rund um den Elisenbrunnen aufhalten und dass man so manchen Kurgast am Alten Kurhaus zu Gesicht bekommt. Neben Otto von Bismarck trifft man noch auf weitere Prominenz, wie beispielsweise auf Franz Liszt, Marie Henriette von Österreich, Gattin des belgischen Königs Leopold II oder auf die Schriftstellerin Johanna Schopenhauer. Aber auch einfache Stadtbewohner und unbekannte Badegäste geben einen Einblick in ihr damaliges Leben.

„Im Stadtgebiet Aachen treten mehr als 30 Thermalquellen in zwei Quellzügen, vorwiegend artesisch aus dem Boden an die Oberfläche. Ein Quellzug befindet sich unter dem Innenstadtbereich, der andere Quellzug liegt unter dem Stadtteil Burtscheid“, erklärt Gisela Warmke, Vorstand der Bürgerstiftung. Mit der enormen Gesamtwassermenge von täglich 3,5 bis 4 Millionen Litern seien sie die ergiebigsten Thermalquellen Deutschlands und gehören mit bis zu 72 Grad Celsius zu den heißesten Mineralquellen Zentraleuropas, wie Warmke ferner sagt. Insgesamt wurde das komplette Projekt mit gut 300.000 Euro gefördert.

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