Aachen: Bürgerinitiative „Luisenhöfe“: Kritik an Planungsprozess

Aachen: Bürgerinitiative „Luisenhöfe“: Kritik an Planungsprozess

Eigentlich könnte Hans Poth durchaus zufrieden sein. Schließlich wird seine Meinung zu den Plänen für das Wohnbauprojekt „Luisenhöfe“ gehört, ohne dass dies rein rechtlich gesehen erforderlich wäre. „Eine Beteiligung der Bürger ist gesetzlich nur für ein Bebauungsplanverfahren vorgesehen“, weiß der ehemalige Sprecher der Stadt Aachen.

Trotzdem liegt die Betonung in Bezug auf das Ausmaß seiner Zufriedenheit ganz klar auf dem Wort „eigentlich“. Die Worte, mit denen Poth beschreibt, wie die Sorgen und Bedenken der Anwohner im Planungsprozess rund um die Bebauung des Blockinnenbereichs zwischen Boxgraben, Südstraße, Reumont­straße und Mariabrunnstraße berücksichtigt werden, sind deutlich: „Das ist eine Pseudo- oder auch Alibibürgerbeteiligung, mit der sich Verwaltung und Politik brüsten“, sagt der Unterstützer der Bürgerinitiative „Luisenhöfe“. Mehr aber auch nicht.

Die Anwohner wehren sich vor allem gegen eine Erweiterung des Parkhauses an der Mariabrunnstraße. Foto: Michael Jaspers

Sein Mitstreiter und Hauptinitiator der Bürgerinitiative Karsten Schellmat spricht sogar von „Particitainment“ statt echter Partizipation — in Anlehnung an „Infotainment“, bei dem der Showeffekt wichtiger ist als der Wert der Nachricht. „Für eine wirkliche Mitsprache fehlt der angemessene Rahmen“, sagt Poth.

Das sei nicht zuletzt vor knapp zwei Wochen bei der Zwischenpräsentation der Entwürfe deutlich geworden. Vor rund 60 Anwohnern hatten die fünf Planungsbüros aus Köln, Leipzig, Neuss, Düsseldorf und Aachen ihre Modelle vorgestellt. Allerdings in so kompakter Form, dass diese für den Laien lediglich in Grundzügen nachzuvollziehen gewesen seien — wenn überhaupt. „Der Abend wurde mit einem wahnsinnigen Tempo durchgepeitscht“, kritisiert Poth. Für eine qualitative Auseinandersetzung mit den einzelnen Entwürfen sei somit keine Zeit gewesen.

Dabei haben die Unterstützer der Bürgerinitiative vier Hauptanliegen, über die man ihrer Meinung nach durchaus lange sprechen könnte — und sollte. So fordern sie neben einer „maßvollen“ Bebauung in Höhe und Dichte den Erhalt des verwilderten „Boxparks“ im Norden als Rückzugsort für die Tierwelt im Quartier. Auch soll das sogenannte Kalde-Gelände, auf dem einst die gleichnamige Fabrik samt Elektrogroßhandlung ansässig war, erhalten bleiben.

Vor allem aber wehren sich die Anwohner gegen eine Erweiterung des Parkhauses an der Mariabrunn­straße. „Für uns ist es erschreckend, dass im Zuge von ‚Dieselgate‘ und dem jüngsten Fahrverbotsurteil für Aachen immer noch nur an Parkplätze gedacht wird“, sagt Schellmat mit Blick auf die Stadt. Im Auslobungstext wird darauf hingewiesen, dass für die Wohnnutzung grundsätzlich ein Stellplatz für 100 Quadratmeter Bruttogrundfläche einzuplanen sei. Bei einer Vorgabe von 22.000 Quadratmetern läuft das auf 210 Stellplätze hinaus — auch wenn diese Zahl beispielsweise durch die Schaffung von Carsharingplätzen reduziert werden kann.

In den Entwürfen der fünf Planungsbüros finden sich die Mitglieder der Bürgerinitiative nach eigenen Aussagen jedenfalls nicht wieder. Zu hoch und zu dicht seien die Pläne für die Wohnbebauung. Sie fordern: mehr Zeit im Planungsprozess und einen echten Dialog mit den Anwohnern — vor allem, sobald das Ergebnis des Wettbewerbs feststeht. Ihre Kritik richtet die Bürgerinitiative nicht nur an die beiden Aachener Investoren Landmarken AG und Aixact. Sondern auch an Stadt, Politik und Verwaltung, die „die Planung und Gestaltung“ des 15.250 Quadratmeter großen Bereichs aus der Hand gäben.

Anfang September darf die Bürgerinitiative mit einer von 13 Stimmen im Preisgericht über den Sieger des Wettbewerbs mitentscheiden. Dennoch befürchten die Anwohner, dass von der groß propagierten Bürgerbeteiligung bei den Luisenhöfen am Ende nicht viel mehr übrig bleiben wird als der Showeffekt.

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