Aachen: Bürgerbegehren: BI Dell sieht kaum noch Chancen

Aachen: Bürgerbegehren: BI Dell sieht kaum noch Chancen

Ziel verfehlt, aber längst nicht gescheitert: Die für ein erfolgreiches Bürgerbegehren notwendige Zahl der Unterstützer wird die Bürgerinitiative BI Dell wohl nicht zusammenkriegen, doch ihren Widerstand gegen das geplante Neubaugebiet Richtericher Dell wird sie damit nicht aufgeben. Im Gegenteil.

„Die Unterschriften sind für uns Mandat genug, dass wir weitermachen“, bekräftigt Peter Philippen-Lindt, einer der Sprecher der BI Dell. Noch bis Dienstag wartet die BI Dell den Rücklauf der in der ganzen Stadt kursierenden Unterschriftenlisten gegen Aachens größtes Neubaugebiet ab. Und auch am heutigen Samstag werden noch BI-Vertreter am Holzgraben weitere Unterstützer suchen. Doch Hoffnung, die erforderliche Zahl von rund 7800 Unterschriften zusammenbringen zu können, haben sie nicht mehr. Man werde sich wohl bei 3500 einpendeln, vermutet Philippen-Lindt, „vielleicht noch ein paar mehr“.

Auf Bezirksebene verzeichnet er einen Erfolg auf ganzer Linie. „Die Richtericher sind eindeutig kontra“, kann er nach einem sechswöchigen Kraftakt konstatieren. Die rund 70 Mitglieder der BI Dell und gut 150 weitere Unterstützer haben in diesem Zeitraum in ganz Aachen Gespräche geführt und um Unterschriften gegen das Baugebiet geworben. Dabei sei man „mit tausenden Leuten“ in Kontakt gekommen, meint Philippen-Lindt. „Eine interessante Erfahrung.“

Klar erkennnbar sei, dass die Unterstützung vor allem dort groß war, wo die Leute unmittelbar betroffen sind — eben in Richterich. Überraschenderweise kam aber auch viel Unterstützung aus Brand — „vielleicht, weil es dort auch viele Baustellen gibt“. Dass das Bürgerbegehren dennoch nicht zustandekommt, sei kein Beinbruch. „Wir werden uns weiter einbringen“, versichert Philippen-Lindt. Schließlich geht es am Montag, 23. Juni, bereits mit der Vorstellung des Flächennutzungsplans für Aachen im Alten Kurhaus weiter. Der Saal werde wohl aus allen Nähten platzen, vermutet der BI-Dell-Sprecher.

Denn der neue Flächennutzungsplan bietet aus seiner Sicht die größten Chancen, das Neubaugebiet noch zu stoppen. Schließlich könne darüber die Stadt nicht alleine entscheiden. Er muss von der Bezirksregierung genehmigt werden. „Wir glauben, dass wir da noch einiges bewirken können.“

Sachlich habe die Stadt den Argumenten der BI Dell bislang nicht viel entgegensetzen können, meint Philippen-Lindt. „Flächenfraß ohne Maß = Kostenfalle für Alle“, lautet das Motto, mit dem man gegen die Baupläne zu Felde zieht. Die BI will verhindern, dass wertvoller Ackerboden im Norden Aachens für immer unter einer neuen Siedlung verloren geht. Zugleich ist sie überzeugt, dass die Bevölkerungsprognosen überholt sind, mit denen die Stadt für das Baugebiet wirbt, in dem eines Tages bis zu 3000 Menschen ihr neues Zuhause finden sollen.

Die BI fordert, dass zunächst der aktuelle Bedarf für so viele neue Häuser nachgewiesen werden muss. Vor allem aber sollten vorrangig Brachen und Baulücken für neue Häuser erschlossen werden. Im Stadtrat steht der BI Dell bislang eine ansehnliche Mehrheit entgegen: Nahezu alle Fraktionen befürworten das Neubaugebiet und wollen die Pläne schnell vorantreiben. Dass dem Bürgerbegehren der Rückhalt fehlt, kann von der Politik nun als zusätzliche Bestätigung gewertet werden.

Philippen-Lindt bekräftigt derweil: „Der rechtliche Weg beginnt für uns erst jetzt.“ Gemeinsam mit seinen Mitstreitern werde er „sehr pragmatisch“ weiter darauf hin arbeiten, die Neubaupläne zu Fall zu bringen. „In trockenen Tüchern ist noch nichts.“

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