Aachen: Bürger sind für Tempo 30 auf dem Krugenofen

Aachen: Bürger sind für Tempo 30 auf dem Krugenofen

Das Votum der Anwohner am Krugenofen lässt keinen Zweifel: Bei einer Bürgerinformation sprachen sie sich eindeutig dafür aus, die Straße zwischen der Haupt- und Sebastianusstraße in Burtscheid nach der „Variante 2“ auszubauen. Das heißt: Der Krugenofen soll zur Tempo-30-Strecke werden, Schutzstreifen für den Radverkehr soll es nicht geben.

Am Ende der zweistündigen Veranstaltung im Umweltamt an der Reumontstraße konnten alle mehr als zufrieden sein. In einer überaus sachlichen und zu keiner Minute hitzigen Atmosphäre konnten Regina Poth, Gaby Mans, Angelika Hildersperger und Uwe Müller aus dem Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen ausführlich den Ausbau- und Zeitplan erläutern. Danach nutzten viele der rund 50 Besucher die Gelegenheit, ihre Meinungen, Anregungen, Befürchtungen kundzutun.

Am Krugenofen buddelt die Stawag. Versorgungs- und Fernwärmeleitungen werden verlegt. Diese Arbeiten sollen bis Mai 2015 dauern, die anschließende Umgestaltung zum Leidwesen der Anwohner bis zum September 2015. Die Stadt will die Gelegenheit nutzen, und den mit bis zu 17.000 Fahrzeugen täglich stark befahrenen Krugenofen ab Januar umzugestalten.

Denn der Krugenofen weist „umfangreiche Funktionsmängel“ (Müller) auf. Die Bürgersteige sind mangelhaft, zu schmal und auch noch mit Autos zugeparkt, was hier allerdings erlaubt ist. Das städtische Radwegenetz hat in diesem Abschnitt zwischen Kasinostraße und Eupener Straße eine lange Lücke. Die Aufenthalts- und Gestaltungsqualität wird als „geringwertig“ bezeichnet. Es fehlt an Grün. Die größte Misere aber verursacht der Lärm. Der Krugenofen zählt zu den „Lärmbelastungsschwerpunkten“ in der Stadt. Sämtliche nationalen wie EU-Richtlinien werden weit überschritten.

Neue Vorgehensweise

Um diese Mängel zu beheben, hat die Verwaltung zwei Ausbau-Varianten ausgearbeitet. Wobei klar ist, dass aufgrund der zwischen 14 und 17 Meter schwankenden nur geringen Straßenraumbreite es nicht möglich ist, für alle Verkehrsteilnehmer — also für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer — richtliniengerechte und ausreichend breite Räume zu schaffen. Während die „Variante 1“ denn auch noch beidseitige Schutzstreifen für den Radverkehr vorsieht, fallen die im zweiten Plan weg. Radler und Autofahrer sollen die Fahrbahn als „Mischverkehrsfläche“ gemeinsam nutzen und Tempo-30-Schilder zur Rücksicht mahnen. Die Gehwege würden mindestens zwei Meter breit. Was in der Versammlung bei den Anwohnern besonders gut ankam: Die „Variante 2“ sieht ohne Parkplatzverlust 12 neue Bäume vor (Variante 1 nur sechs) und die derzeit vorhandenen 71 Parkstellflächen blieben erhalten (Variante 1 nur noch 36).

Um die Parkprobleme am Kru-genofen drehten sich denn auch die Fragen der Bürger. Die Sicherheit der Radler war Thema, der Lärm und immer wieder auch die Befürchtungen vor allzu langen Bauzeiten mit den damit verbundenen Unannehmlichkeiten. Hinter dem allseits bekannten Kaufmann Josef Stenten vom Einkaufszentrum stehen als Sprecher einer Interessengemeinschaft bereits 1200 Bürger mit ihrer Unterschrift. Stenten: „Bauarbeiten bis September 2015 gehen auf keinen Fall.“ Stentens besonnen-ruhige Art, auch das wurde an diesem Abend klar, trägt rund um die Baustelle Krugenofen viel bei zum verbindlichen Umgang aller beteiligten Stellen miteinander. Nichts zu wünschen übrig ließ an diesem Abend aber auch die Offenheit der Verwaltung. Stadt und Bürger waren sich einig: Die „Variante 2“ wäre die beste Lösung für den Krugenofen. Eine nicht zu unterschätzende Hürde gibt es dennoch: Der Krugenofen ist eine Bundesstraße (B 57), Maßnahmen zum Schutz vor Lärm und Abgasen, wie sie unter anderem mit der Tempo-30-Beschilderung geplant ist, muss der Regierungspräsident zustimmen. In den nächsten Tagen wird die Stadt dort vorstellig, notfalls will sie die Landesregierung einschalten.

„Welche Variante auch immer“ (Poth), die Stadtentwickler wollen „auf jeden Fall“ im September mit der „Ausführungsplanung“ loslegen. Die Politik hat sich bislang noch nicht entschieden. Noch für die Zeit vor den großen Ferien, für den 3. Juli, lädt die Verwaltung in Sachen Krugenofen zu einem „Workshop mit Politik“ ein, eine ungewöhnliche und bisher noch nicht praktizierte Vorgehensweise in Aachen. Am 4. September soll der Mobilitätsausschuss den Baubeschluss fassen.

Noch bis zum 26. Juni können Bürger Anregungen beim städtischen Verkehrsmanagement einreichen. Das ist auch per E-Mail möglich: verkehrsmnagement@mail.aachen.de