Bühne als besonders Sprungbrett

Lebenshilfe macht Theater : Integration auf den Bretter, die die Welt bedeuten

Die Lebenshilfe zeigt zum ersten Mal eine Theaterproduktion mit Darstellern mit und ohne Handicap. Im Gegensatz zu bisherigen Inszenierungen müssen sich die Darsteller an ein festes Drehbuch halten und können nicht mehr improvisieren. Premiere ist am 5. Oktober.

Ein inklusives Theaterstück mit viel Witz, aber doch nah an der Realität präsentiert die Theater-Werkstatt der Lebenshilfe Aachen. Insgesamt 15 Schauspieler von Jung bis Alt, mit und ohne Handicap, proben bereits seit Januar für die große Uraufführung im Oktober. Neben elf Darstellern der Theater-Werkstatt spielt auch eine Studentin der Katholischen Fachhochschule (Katho) Aachen mit sowie drei Rentner, die sich für die Produktion beworben haben.

Die Tragikomödie handelt von einer Gruppe Langzeitarbeitsloser, die an einer Jobcenter-Maßnahme teilnehmen müssen, um für den Arbeitsmarkt wieder fit gemacht zu werden. Geschrieben wurde das Drehbuch von der Berliner Autorin Anja Warkotsch, die selbst einige Zeit im Jobcenter tätig war. Sie erzählt mit dem Stück „Arbeiten darf, wer an sich arbeiten will“ auf einfühlsame und humorvolle Weise von den Problemen und Hürden auf der Suche nach einem erfüllten (Arbeits)-Leben.

„Nach einer Zeitungsannonce habe ich mich entschieden, hier mitzumachen. Ich habe vorher noch nie Theater gespielt und wollte es einfach mal ausprobieren“, erzählt die Rentnerin Irmgard Grub, „Es war zwar nicht so einfach, den ganzen Text zu lernen, aber trotzdem macht das Schauspielern mir großen Spaß.“

Die Darsteller der Theater-Werkstatt haben bis jetzt nur Theaterstücke gespielt, in denen sie sich ihre Rollen selbst aussuchen konnten und viel improvisieren durften. „Das ist das erste Mal, dass die Darsteller der Theater-Werkstatt nach einem vorgeschriebenen Drehbuch spielen. Obwohl es eine Herausforderung war besonders den ganzen Text zu lernen, haben sie es alle super gemeistert“, sagt Regisseurin Katharina Weishaupt.

„Die Darsteller beschäftigen sich hier mit einem Thema, mit dem sie nicht vertraut sind. Aufgrund ihrer Handicaps kommen sie vermutlich nie mit den Problemen der Arbeitswelt und des Jobcenters in Kontakt und müssen sich somit in eine völlig neue Rolle einfinden“, sagt Friedhelm Hogen von der Lebenshilfe Werkstätten Aachen.

Trotz dieser Herausforderung haben die Darsteller natürlich großen Spaß an der Produktion. „Ich mache das erste Mal bei einem Theaterstück mit und habe gemerkt, wie viel Arbeit das ist. Ich bin sehr aufgeregt, aber ich weiß, ich schaffe das“, freut sich Darstellerin Barbara Ethen.

Das Theaterstück richtet sich speziell an theaterbegeisterte Aachener, die bislang noch nicht viele Berührungspunkte mit Menschen mit Handicap hatten, aber über die Inszenierung einen spielerischen Zugang zum Thema „Inklusion“ finden können.

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