Aachen: Büchel-Pläne: Nachbarn haben noch Fragen

Aachen : Büchel-Pläne: Nachbarn haben noch Fragen

Noch bis Freitag, 14. Juli, können die Bürger der Innenstadt Einwendungen, wie es so schön in Behördensprache heißt, gegen die Festlegungen des „Bebauungsplans 999“, Altstadtquartier Büchel, machen. Die entsprechenden Pläne hängen bis dahin im Foyer des Verwaltungsgebäudes am Marschiertor aus.

Denn das neu überplante Altstadtquartier, für dessen Umgestaltung auf einer Fläche von zwei Hektar (20 000 Quadratmeter) bereits ein städtebaulicher Plan des Architekturbüros Chapman Taylor vorliegt, ist momentan ein großer Aufreger. Gestritten wird vor allem um die Nutzungsvarianten im Rotlichtbereich Antoniusstraße und deren möglicherweise ins Auge gefasste mittige Sperrung. Die größten Einwände dazu hatte kürzlich vor allem der Aachener Polizeipräsident formuliert (wir berichteten mehrfach).

Gelegenheit zur Diskussion der Probleme in Aachens alter Innenstadt, in der auch das sprichwörtliche älteste Gewerbe der Welt zu Hause ist, gab es am Montagabend in der nahe gelegenen City-Kirche. Dorthin hatte die Stadt zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Neben dem Baudezernenten Werner Wingenfeld hatte auch Oberbürgermeister Marcel Philipp in der Kirche Platz genommen, jedoch als Zuschauer im Kirchenschiff, nicht unter den Vortragenden.

„Ein Blick auf die Häuser der Antoniusstraße reicht, und man fühlt sich wie kurz nach 1945“, charakterisierte Dezernent Wingenfeld den baulichen Zustand des zentralen Bereichs hinter dem Parkhaus Büchel, der mit dem neuen Bebauungsplan aus der Nachkriegszeit ins 21. Jahrhundert katapultiert werden soll. Es gehe aktuell nicht „um die einzig richtige Möglichkeit“, schickte er voraus, das Gespräch miteinander sei wichtig.

Projektleiterin Heike Ohlmann und ihr Chef, der Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Niels-Christian Schaffert, gaben den etwa 80 Anwesenden einige Hintergrundinformationen. Schaffert zitierte zur Veranschaulichung des Problems diverse Presseveröffentlichungen aus den 1990er Jahren, die eindeutig und in Klartext forderten: „Der Puff gehört zum Dom“ (Klenkes- Magazin).

Kleinteilige Bauweise

Dann habe es zwischenzeitlich Pläne für eine sogenannte „Bel Etage“ gegeben, mit Einzelhandel und einem Hotel auf dem Gelände des Parkhauses, bis es dann 2014 und 2015 einen „neuen städtebaulichen Aufschlag“ mit dem Verkauf des Büchel-Geländes von der Strabag an eine Aachener Investorengemeinschaft gegeben habe.

Auch wenn vieles noch offen ist, seien einige Dinge dennoch gesetzt, erklärte Projektleiterin Ohlmann, die nochmals den jüngsten Ratsbeschluss zitierte. Mit großer Mehrheit habe sich der Rat für eine weitere Bordellnutzung in der Antoniusstraße entschieden. Allerdings werde der Sperrbezirk vergrößert. Die Nutzung für die Prostitution werde an den unteren Rand des „Sträßchens“ verlagert und dort konzentriert. Hier soll ein räumlich abgeschlossenes Bordell entstehen. Dafür aber bleiben — anders als jetzt — dann zwei Drittel der Antoniusstraße künftig frei vom „horizontalen Gewerbe“.

Dass die 445 Stellplätze in dem alten und unansehnlichen Parkhaus wegfallen, sei schon lange kompensiert. Das zeige die aktuelle Parkplatzbilanz der Innenstadt eindeutig, sagte Ohlmann. Für die bauliche Zukunft des Viertels erklärte sie, um für Vielfalt und Kleinteiligkeit zu werben: „Wir wollen nicht, dass alle Gebäude exakt gleich groß und hoch sind, und dass alle die gleiche Dachfarbe haben.“ Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich das alte „Lust for Life“-Gebäude künftig einpasse, antwortete Ohlmann schlicht: „Das Objekt gehört einem der Investoren.“

Anregungen aus dem Publikum wurden von den städtischen Mitarbeitern notiert. Insbesondere die Gruppe von Hausbesitzern der Antoniusstraße rund um Hausverwalter Klaus Gallwe stellte eine Menge juristischer Fragen: „Wie kann man neue Häuser planen, wenn die Eigentumsrechte nicht klar sind?“, formulierte Gallwe das Problem für diese Gruppe.

Für das Aachener Frauennetzwerk „Prostitution“ forderte Ratsfrau Uschi Brammertz klare Positionen ein. „Wir vom Netzwerk haben es eindeutig begrüßt, dass die Prostitutionsausübung hier in der Antoniusstraße bleibt und nicht ausgelagert wird“, stellte Brammertz klar und begründete das auch damit, dass der Standort in der Innenstadt soziale Kontrolle garantiere. In einem Gewerbegebiet seien die Frauen viel eher gefährdet als in der City. Auch sei garantiert, dass Hilfsangebote für die Frauen in dem neuen Bordellhaus eingerichtet würden.

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