Aachen: Buchstaben sind die Noten der Schrift

Aachen: Buchstaben sind die Noten der Schrift

„Ars Scribendi”, das bedeutet so viel wie: die Kunst des Schreibens. Und wer Thomas Hoyers Schriftstücke sieht, der hält den Namen seines Vereins für recht zutreffend. Der Besucher sieht geschwungene Buchstaben auf Postkarten, in Büchern, mal bunt, mal schwarz-weiß, ganze Bilder, die aus Schrift bestehen.

Er sieht das alles, staunt ob dieser Kunst und schämt sich vielleicht sogar für seine eigene Schrift.

In Aachen vor 25 Jahren gegründet, 1987 von Professor Werner Eikel, verfügt der überregionale Verein Ars Scribendi heute über 300 Mitglieder. Hoyer ist der Vorsitzende. Kalligraphie meint: die Kunst des schönen Schreibens; nicht nur ordentlich schreiben, vielmehr optisch ansprechend schreiben.

„Es geht uns um die Förderung der Schriftkunst”, erläutert Thomas Hoyer. „Darum, die Tradition, den Funken derselben zu bewahren und ihn ins 21. Jahrhundert zu führen.” Was bedeutet: Auch neue Schriftformen wolle man entwickeln.

„Wir möchten die Leute anregen, selbst kreativ zu werden”, ergänzt Silke Schmithuber, ehemalige Vorsitzende des Vereins. Wie Hoyer hat sie in den 90er-Jahren an der Fachhochschule (FH) Aachen studiert. Denn im Rahmen des Grafikdesign-Studiengangs bot die FH Kurse in Kalligraphie an. Die Kunst sei dabei nicht auf das Papier, Farbe und Pinsel beschränkt. Kalligraphie-Objekte können auch Raumteiler sein, können aus Zweigen bestehen - statt wie üblich per Pinsel aufgetragen zu sein.

Der Verein bietet deshalb auch Kurse an, er lässt sich in der Öffentlichkeit blicken, auf dem Aachener Kunsthandwerkermarkt zum Beispiel. Er gibt eine eigene Zeitschrift heraus. „Ein Jahr und drei Stunden”, sagt Hoyer schmunzelnd, benötige man etwa für das schöne Schreiben eines Postkartenmotivs. Wie ein Instrument müsse man die Buchstaben, die Noten, der Kalligraphie lernen. Erst dann könne man sein Werk schaffen. Im Grunde sei das Handwerk aber für jeden erlernbar.

Vorteile der Kalligraphie liegen laut Hoyer und Schmithuber allerdings nicht nur in der Optik. Auch die Konzentration des Schreibers werde gestärkt durch Kalligraphie, und: „Weil man sich beim Lesen länger mit dem Text befasst, kann der Inhalt noch tiefer sinken”, sagt Hoyer.

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