Prozess gegen 23-Jährigen: Brutaler Messerangriff auf junge Frau vor Gericht

Prozess gegen 23-Jährigen : Brutaler Messerangriff auf junge Frau vor Gericht

Es muss äußerst brutal zugegangen sein in der Nacht zum 16. Januar 2017. Laut Anlageschrift verletzte der Angeklagte Klevi D. (23) sein Opfer zunächst mit einem Messer im Gesicht. Als die damals 18-jährige Frau auf ihr Bett flüchtete, stach er sie in den Rücken.

Das Opfer schrie laut und machte so gegen 2 Uhr nachts Passanten auf das Geschehen im ersten Stock des Hauses in der Ottostraße aufmerksam. Dies berichtete ein Polizeizeuge am Dienstag vor dem Aachener Schwurgericht. Die Passanten riefen die Polizei und kamen der jungen Frau zu Hilfe. Überall sei Blut gewesen.

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich seit Dienstag der 23-jährige D. vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen verantworten. Laut Staatsanwaltschaft war der Angeklagte, der im selben Haus unten im Erdgeschoss wohnte, gewaltsam in die Wohnung eingedrungen, die vom Opfer und ihrem Lebensgefährten bewohnt wurde, letzterer angeblich sogar ein Freund des Angeklagten. Der Lebensgefährte hielt sich zur Tatzeit jedoch in Albanien auf. Alle drei Beteiligten stammen aus dem südosteuropäischen Land.

Notarzt war schnell vor Ort

Der Angriff sei es für die junge Frau unvermutet gekommen, hieß es in der Anklage. Der Eindringling habe sie sofort mit Schlägen und dann mit Schnitten und Stichen ins Gesicht malträtiert. Das Opfer habe die Stiche erst mit dem Unterarm abgewehrt und sich dann zu schützen versucht, indem sie sich bäuchlings aufs Bett warf. Sie überlebte den Angriff – auch deshalb, weil schnell ein Notarzt vor Ort war.

Die heute 20-jährige Frau berichtete unter Tränen vor der Kammer, wie sie an jenem Abend in der Wohnung gerade versucht habe, einen Film auf ihrem Handy zu schauen. Als jemand donnernd an die Tür schlug, habe sie in Panik ihren Freund in Albanien angerufen. Dann ereignete sich bereits die brutale Attacke.

Völlig anderer Tathergang

Der Angeklagte ließ über seinen Verteidiger Dimitrios Kotios aus Hannover einen völlig anderen Tathergang schildern. Danach sei der Angeklagte selbst und anschließend auch die Geschädigte in dieser Nacht „von zwei unbekannten Männern aus Albanien“ angegriffen worden. Auch er habe Verletzungen davon getragen, habe aber flüchten können.

Da er ein abgelehnter Asylbewerber gewesen sei, habe er die Flucht ergriffen. Erst später habe er in Italien, wo er als Küchenhilfe einen Job hatte, von der Fahndung nach ihm gehört und sich der Polizei gestellt. Der Gesuchte wurde am 18. August 2018 ausgeliefert.

Sein Mandant habe, so Anwalt Kotios weiter, sich die Sache nur als Racheakt seines ehemaligen Freundes erklären können, weil dieser von der sexuellen Beziehung zwischen dem Opfer und ihm erfahren habe. Im Hintergrund des Vorfalls stehen allerdings ebenso Streitigkeiten über die Tätigkeit des Opfers und einer weiteren Frau in Aachens Rotlichtviertel Antoniusstraße.

Der Prozess wird am kommenden Freitag, 1. Februar, ab 9 Uhr im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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