Aachen: Brutaler Angriff muss neu verhandelt werden

Aachen : Brutaler Angriff muss neu verhandelt werden

Für den Häftling Shyok R. (38) geht es erneut um viel. Er ist seit Montag zum zweiten Mal wegen versuchten Mordes vor einem Schwurgericht angeklagt.

Der gebürtige US-Amerikaner war im November 2016 zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden, dies wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und wegen gefährlicher Körperverletzung begangen an seiner Ehefrau.

Sie und die Aachener Staatsanwaltshaft waren mit dem Urteil jedoch nicht einverstanden und gingen in Revision. Jetzt lässt der Bundesgerichtshof (BGH) die Sache neu verhandeln. Anklagevorwurf: versuchter Mord.

Die Tat am 5. Februar 2016 auf der Schurzelter Straße war brutal und blutig. Das Familiendrama begann bereits Monate vorher, als sich die damals 35-jährige Architektin von ihrem Ehemann trennen wollte. Die beiden lebten mit den Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren in einem Haus in Vaals. Er konnte sich nicht mit der Trennung abfinden und war an diesem 5. Februar mit den beiden Kindern in seinem Pkw unterwegs, als er auf der Schurzelter Straße in Höhe Seffent seine Ehefrau auf dem Fahrrad erkannte. Sie hatte eingekauft und radelte mit Tüten bepackt in Richtung Vaals.

Er hielt rund 400 Meter nach dem Zusammentreffen an und parkte so, dass die Sicht für die Kinder im Auto verdeckt war. Nach den Feststellungen des Gerichts packte er seinen Baseballschläger und rannte hinter der radelnden Ehefrau her. Er konnte sie unbemerkt erreichen, dann schlug er von hinten auf den Kopf seiner Frau ein. Selbst als sie nach dem Sturz vom Fahrrad auf dem Boden lag, schlug er weiter auf sie ein. Als sie schützend einen Arm heben wollte, wurde der unter der Wucht des Schlages gebrochen. Der Ehemann ließ ab, als sich ein Zeuge hupend mit seinem Wagen näherte.

Beweise „lückenhaft und unklar“

An dieser Stelle beginnen die divergierenden Rechtsauffassungen der Gerichte. Der BGH bezweifelt in seinem Urteil vom 28. September 2017 die Richtigkeit des Urteils der Aachener Kammer, die einen „strafbefreienden Rücktritt“ von der Tat festgestellt hatte und den Ehemann letztlich „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte. Oberstaatsanwältin Silvia Janser hatte in ihrem Plädoyer wegen heimtückischen Mordversuchs sieben Jahre und acht Monate Haft gefordert. Dem Gesetz nach ist sogar eine lebenslange Strafe möglich.

Nicht nur das Opfer, das nach dem Urteil in Tränen ausbrach, hat Zweifel an dem freiwilligen Ablassen ihres Ex-Ehemannes. Der BGH stellte in dem Beschluss, den Mordversuch neu verhandeln zu lassen, eindeutig fest: Die Feststellungen der Kammer und die ihnen zugrundeliegende Beweiswürdigung seien „lückenhaft und unklar“. Insbesondere sei nicht genügend geklärt worden, „ob der Angeklagte das Herannahen des Zeugen bereits bemerkt hatte, als er von der weiteren Tatausführung Abstand nahm“, kritisierte der BGH. Das ist deswegen wichtig, weil der Täter nach dem Gesetz eine „autonome“ Entscheidung treffen muss, mit der er von seinem Tötungsvorhaben zurücktritt. Das sei fraglich und müsse geklärt werden, ordnete der BGH an.

Das neue Verfahren wird am Mittwoch vor der 2. Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Norbert Gatzke fortgesetzt.

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