Aachen: Brandfälle halten die Kripo auf Trab: Wie weit sind die Ermittlungen?

Aachen : Brandfälle halten die Kripo auf Trab: Wie weit sind die Ermittlungen?

Ein zweiter angezündeter Kinderwagen, eine niedergebrannte Scheune und die mindestens sechste Holzbaracke in Camp Hitfeld, die einem Brand zum Opfer fällt: Über zu wenig Arbeit kann sich das rund ein Dutzend Brandermittler im Aachener Polizeipräsidium derzeit nicht beschweren.

Das bezieht sich aber nicht nur auf den Moment, erklärt Kriminalhauptkommissar Thomas Menke (50). Die „Nachrichten“ haben nachgehört, ob es in den aktuellen Brandfällen Neuigkeiten gibt, wie die Chancen auf Aufklärung generell stehen, sollte es sich um Brandstiftung handeln und wie Brandermittler eigentlich vorgehen.

Vor zwei Monaten, am 23. Juli, war nicht nur die Feuerwehr, sondern waren auch die Ermittler der Aachener Polizei zu einem Brand im Umkleideraum eines Versorgungsgebäudes der Uniklinik gerufen worden. Das Feuer war schnell unter Kontrolle, die Arbeit der Brandbekämpfer bald abgeschlossen. Mittlerweile haben auch die Brandermittler ihre Arbeit erfolgreich beendet. Das Ergebnis: Es war Brandstiftung.

Vergangenen Donnerstag ist die Anklage beim Aachener Landgericht eingegangen. Sie lautet auf schwere Brandstiftung in zwei Fällen, erklärt Daniel Kurth, Sprecher des Landgerichts. Es handle sich jedoch nicht um eine normale Anklage, sondern um eine so genannte „Antragsschrift im Sicherungsverfahren“ . Sie kommt zum Einsatz, wenn die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass ein Täter psychisch krank ist. Der Verurteilte wird dann in einer Forensik statt im Gefängnis untergebracht.

Dass ein Brandstifter vor Gericht landet, ist jedoch längst nicht selbstverständlich. Die Aufklärungsquote liegt unter der der meisten anderen Arten von Straftaten. Im Jahr 2016 registrierte die Aachener Polizei insgesamt 154 Fälle von „Brandstiftung und Herbeiführen einer Brandgefahr“ (vorsätzlich und fahrlässig), wie es aus dem Präsidium heißt. Aufgeklärt wurden davon 35,71 Prozent. Zum Vergleich: von den 1920 registrierten Gewaltdelikten (ebenfalls 2016) wurden 70,9 Prozent aufgeklärt. Insgesamt konnten 49 Prozent aller Fälle vergangenes Jahr aufgeklärt werden. Der Grund für die niedrigere Quote bei Brandstiftungen liegt in der schwierigen Ermittlungsarbeit.

Vor etlichen Jahren hatte in einer Ortschaft bei Aachen ein Bauernhof gebrannt, erinnert sich Menke. Als er damals am Tatort ankam, habe gleich ein Benzinkanister auf ihn gewartet an einer Stelle, wo normalerweise niemand einen Kanister abstellen würde. Der Besitzer des Bauernhofs erklärte in einer Befragung, es handle sich nicht um seinen Kanister. Dass es sich um Brandstiftung handelt, sei in diesem Fall deshalb von Beginn an recht klar gewesen. „So offensichtlich ist es aber selten“, sagt Menke. Das erste Problem bestehe darin, die Brandstiftung überhaupt zu erkennen.

Zum jüngsten Großbrand — vergangenen Montag brannte eine Scheune am Grauenhofer Weg aus — laufen die Ermittlungen gerade unter Federführung eines Kollegen von Menke, dem weitere Brandermittler zur Seite stehen. In diesem Fall warte man derzeit auf das Gutachten eines Brandsachverständigen. Außerdem sei man auf der Suche nach Menschen, die etwas beobachtet haben könnten, das der Polizei weiterhilft. Zeugen werden gebeten, sich an die Aachener Kripo unter Telefon 0241/957731101 oder Telefon 0241/957734210 zu wenden. Und auch was den Brand eines Kinderwagens in einem Kellerabgang in der Stettiner Straße angeht, dauern die Ermittlungen an. Derzeit würden zahlreiche Zeugenvernehmungen durchgeführt, hieß es aus dem Präsidium.

Zur Arbeit von Menke und seinen Kollegen gehören auf der einen Seite natürlich Großbrände wie die Feuersbrunst, der in der Nacht zum 5. Februar 2016 große Teile der Versuchshalle des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH zum Opfer fielen. Auf der anderen Seite kümmern sich die Spezialisten vom Kriminalkommissariat 11 aber ebenso um den kleinen Brand in einem Papierkorb.

Im ersten Fall sind ein paar Kollegen mehr beteiligt, die Ermittlungen brauchen mehr Zeit und vielleicht werden sogar Spezialisten (Chemiker, Elektrotechniker) vom Landeskriminalamt in Düsseldorf oder das Technische Hilfswerk hinzugezogen — zur Arbeit aber gehört beides. Wie oft es brenne, könne man nicht genau beziffern, sagt Menke. Es gebe zwar Tage ohne Brandermittlung, aber keine Woche vergehe ohne entsprechendes Feuer. Zur Verfügung stehen der Polizei ein Brandfahrzeug mit spezieller Ausrüstung (Brandschutzstiefel, Atemschutz, Utensilien zur Aufnahme von Bränden) und Brandspürhunde, die selbst Reste von Brandbeschleunigern riechen können.

Sechs Baracken in drei Jahren

Fast schon traditionell brennt alle paar Monate eine Holzbaracke auf Camp Hitfeld ab. In den vergangenen drei Jahren waren es sechs, aber auch in den Jahren davor, erinnert sich Menke, habe es diese Einsätze gegeben. Camp Hitfeld sei zwar umzäunt, aber dennoch recht einfach zugänglich, weitläufig und blickgeschützt. Sehr wahrscheinlich habe diese Bränden nicht ein einziger Täter gelegt, sondern seien Jugendliche dafür verantwortlich, die sich dort herumtrieben.

Brandermittler sind übrigens nicht exklusiv für die Ermittlung bei Bränden da, sie bearbeiten sämtliche Kriminalfälle, die im Kriminalkommissariat einlaufen — so auch Tötungsdelikte. Menke: „Es gibt spezielle Lehrgänge für Brandermittler, wo man die Grundkenntnisse erwirbt. Um sich fortzubilden ist es dann aber unerlässlich, so viele Brände wie möglich zu sehen.“