Aachen: Brander fahren Brander, aber nur in Brand

Aachen: Brander fahren Brander, aber nur in Brand

Wenn es mit dem Gehen nicht mehr so klappt, dann wird vieles beschwerlich: der Weg zum Laden, der Termin beim Arzt, der Besuch beim Altennachmittag. Für Senioren, die auf Gehstock oder Rollator angewiesen sind, kann schon eine Fahrt mit dem Linienbus eine wacklige Angelegenheit werden.

Damit alte Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, nicht vereinsamen und vom gesellschaftlichen Leben im Stadtteil ausgeschlossen sind, ist der Bürgerverein Brand am 1. August mit einem vielversprechenden Projekt an den Start gegangen: „Brander Senioren bleiben mobil“.

Unter dem Motto „Brander fahren Brander auf Brand“ wird ein Fahrdienst aufgebaut für Senioren, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind; Menschen, die den Bus nicht nutzen können und für die ein Taxi nicht infrage kommt. Eine Gruppe von ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern sorgt dafür, dass die Sache ins Rollen kommt.

Gertrud Thielemann hat schon ihre Erfahrungen mit dem Fahrdienst gemacht. Die 83-Jährige muss regelmäßig zum Arzt. Und nicht immer kann jemand aus der Familie sie fahren. „Das klappt wunderbar“, sagt die Seniorin. Sie hat den neuen Service schon im Bekanntenkreis weiterempfohlen.

Heike Bohnes, Altenpflegerin und Sozialarbeiterin, koordiniert das Projekt gemeinsam mit Lia Tauchert und Paul Goebbels. „Zentrale Idee“, sagt sie, „ist es, den Senioren die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.“ Wer nicht gut laufen kann, soll trotzdem vor die Tür kommen und Leute treffen. Im September verzeichneten die Koordinatoren bereits 27 Anrufe. „Und wir haben bis jetzt für 19 Personen Fahrten geplant“, so Bohnes. Fahrerin Hella Fuchte hat ihre ersten Touren absolviert. „Die Leute sind sehr dankbar“, berichtet sie. Ihre Kollegin Barbara Mertens freut sich auf ihren ersten Einsatz

Spontane Touren sind allerdings nicht drin. Wer den Fahrdienst nutzen will, muss den Koordinatoren etwa eine Woche für die Planung einräumen. „Schließlich machen alle unsere Fahrer das ehrenamtlich“, betont Bohnes. Um das Angebot bekannter zu machen, wollen sie und ihre Kollegen das Projekt nun verstärkt dort vorstellen, wo viele Senioren regelmäßig zusammenkommen: bei den Veranstaltungen der KAB etwa, bei der Arbeiterwohlfahrt oder in den Kirchengemeinden.

4000 Brander sind über 60

Der Bedarf ist da. Davon ist Willi Eschweiler, Ehrenvorsitzender des Brander Bürgervereins und Ideengeber des Projekts, überzeugt: „In Brand leben rund 4000 Leute, die 60 Jahre und älter sind.“ Bürgervereinsvorsitzender Wolfgang Müller erinnert an die Erfahrungen des Brander Seniorentelefons, das der Bürgerverein ebenfalls mit ehrenamtlichen Kräften betreibt: „Da kamen in der Vergangenheit immer wieder Anfragen nach einem Fahrdienst.“

Ohne finanzielle Unterstützung ist so ein Projekt natürlich nicht zu stemmen. Immerhin hat die Initiative ein behindertengerecht umgebautes Fahrzeug vor der Tür stehen. Örtliche Kreditinstitute und Firmen haben sich hier als Sponsoren engagiert. Und im Brander Karneval, bei dem traditionell für soziale Projekte gesammelt wird, gingen die Spenden 2014 an das Seniorenmobil. „Bei der Aktion ist fast die Hälfte des Geldes für das Fahrzeug zusammengekommen“, sagt Eschweiler. Die Stiftung Deutsches Hilfswerk trägt in der dreijährigen Projektphase die Personalkosten.

Wolfgang Sanders, Brander Bezirksamtsleiter und Geschäftsführer des Bürgervereins, ist begeistert: „Das ist wirklich super gelungen.“ Sanders ist überzeugt: „Wer sich dem Fahrdienst anvertraut, darf sich gut aufgehoben fühlen.“ Gertrud Thielemann will auf jeden Fall wieder mitfahren. „Das ist eine ganz tolle Sache“, sagt sie.

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