„Brand spricht“: Neues Format für Gespräche in Aachen-Brand

Alle Themen sind denkbar : Wiederbelebung einer zivilen Gesprächskultur

Beim neuen Format „Brand spricht“ sind die Bürger eingeladen. Das Ziel ist es, wieder miteinander statt übereinander zu reden. Premiere feiert das Format während des zweiten „Brander Picknicks“ am Sonntag, 15. September.

Die Idee scheint so einfach, die Umsetzung ist mitunter so schwer: miteinander statt übereinander sprechen. Andere Standpunkte, gegenteilige Meinungen, zuwiderlaufende Überzeugungen akzeptieren, einordnen und erst einmal tolerieren. Diese Elemente der Gesprächskultur sind heutzutage oft nicht mehr zu finden. Sie sind dennoch vorhanden – davon ist eine Gruppe Menschen rund um die Jugend- und Mehrgenerationeneinrichtung Mobilé an St. Donatus überzeugt. Sie will die Gesprächskultur in eher polemischen Zeiten wiederbeleben, auch Menschen mit wirklich konträren Einstellungen an einen Tisch bringen. „Brand spricht“ heißt das neue Gesprächsformat, das am 30. September startet.

Es geht nicht um die x-te Podiumsdiskussion, nicht um eine weitere Experten-Bürgerrunde, sondern um einen direkten Austausch der Menschen untereinander. Mit offenem Visier aber in freundlicher Atmosphäre. Karl Simons, Leiter der Offenen Tür Mobilé an St. Donatus, gehört zum Organisationsteam und ist einer der Gastgeber im Café an der Hochstraße. Er spricht von einer Art Kneipenabend, bei dem sich Menschen an verschiedenen Tischen zu Gesprächen treffen: „Meistens umgeben sich die Menschen doch mit Gleichgesinnten. So kann kein Verständnis für andere Denkweisen und konträre Positionen entstehen.“ Aber genau das soll möglich werden. AFD-Anhänger sollen mit Linken reden und die Gründe für anderes Denken erfahren – und umgekehrt. Gleiches gilt für Radfahrer kontra Autofahrer oder Braunkohle- und Windkraftbefürworter.

Die Reihe hat aber keineswegs zwingend einen politischen Schwerpunkt. Die Menschen sollen sich alles von der Seele reden können, was ihnen auf den Nägeln brennt. Verschiedene Themenbereiche sind bereits angedacht. Ökologie und Klima können genauso dazu gehören wie Wohnen im Stadtteil oder Fragen in der Kirche. Überzeugungen sollten begründet und erst einmal toleriert werden – so soll der Weg zu mehr Verständnis aussehen.

Die Gespräche sollen an kleinen Tischen stattfinden, die so etwas wie einen Schutzraum für Meinungen bilden. Aber „Dampf ablassen“ ist durchaus erlaubt. Jede Meinung, jedes Alter, jede Religion und Weltanschauung ist willkommen.

Gelegenheit zu einer ersten öffentlichen Präsentation des Gesprächsformates bietet sich während des zweiten „Brander Picknicks“ am Sonntag, 15. September, zwischen 11 und 13 Uhr. Dann werden Simons, Gereon Hermens, Stefanie Ziemons, Hella Fuchte, Frank Sukkau und weitere Mitstreiter die Idee unter die Menschen bringen. Zugleich besteht hier die Möglichkeit, eigene Ideen einfließen zu lassen.

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