Aachen: Boxgraben: Rohrbruch legt die Nerven blank

Aachen: Boxgraben: Rohrbruch legt die Nerven blank

Es war nicht ein Tropfen, sondern ein munter sprudelnder Quell, der am Montag das Fass auf dem Boxgraben endgültig zum Überlaufen brachte. Goswin Rongen, Inhaber des Second-Hand-Ladens an der Ecke Südstraße, schimpfte wie ein Rohrspatz, als kurz nach 10 Uhr bei Ausschachtungsarbeiten ein Wasserrohr auf der Dauerbaustelle beschädigt wurde und gut eineinhalb Stunde die Ecke unter Wasser setzte, bis der ungewollte Quell abgestellt werden konnte.

„Es ist eine Katastrophe. Unser Laden ist von keiner Seite aus zu erreichen.” Die Arbeiten dauerten jetzt schon fast ein Jahr lang, seinen Umsatzverlust beziffert Rongen auf 50 Prozent.

Rongen weiß von Kollegen, die seit Monaten den Strom nicht mehr bezahlen können oder schon Kurzarbeit oder Entlassungen vornehmen mussten. Etwa im Friseursalon gegenüber, wo zwei Mitarbeiter gekündigt wurden. Salonleiterin Melanie Biemel: „Es ist ganz, ganz schlimm. Sie sehen ja, wie wenig hier los ist.” Eine Kundin befindet sich in dem weitläufigen Geschäft. Kaufmann Rongen ärgert vor allem, dass trotz aller Bemühungen noch keine wirkliche Hilfe in Sicht sei. 2000 Euro wolle die Stawag für ein Fest am Ende der Bauarbeiten im August springen lassen, doch: „Bis dahin sind die meisten lange bankrott.” Einige Geschäfte, etwa ein Kiosk, ein Musik- und ein Blumenladen sowie ein Grill seien schon weg.

Die Stadt schlug sich an die Brust: „Wir bedauern dieses Unglück sehr”, hieß es nachmittags in einer Erklärung des Presseamtes. Sprecher Axel Costard: „Leider sind solche Rohrbrüche an Baustellen nie ganz zu vermeiden.” Beim Versuch, die alten Straßenbahnschienen an der Ecke Südstraße zu bergen, sei ein Wasserhydrant so unglücklich gebrochen, dass nicht nur Wasser austrat, sondern auch der Versorgungskanal beschädigt wurde. Einige Häuser saßen auf dem Trockenen, bis die Leitung um 16 Uhr repariert war.

Den Betroffenen geht es aber nicht nur um das gestrige Wassermalheur: Bis zu acht Mal seien einzelne Stellen des Boxgrabens immer wieder aufgerissen worden, manches Loch sei zwölf Wochen lang offen gewesen. So sauer ist Rongen, dass er in den Steuerstreik treten will: „Ich habe im Finanzamt angerufen und gesagt, dass ich nicht mehr zahle.” Außerdem wolle er einen Prozess anstrengen, um ausgebliebene Umsätze einzufordern. Er will einen Stolberger Rechtsanwalt einschalten, der einen Prozess in einem vergleichbaren Fall in Flensburg gewonnen habe. Die Stadt hatte bislang betont, dass es keine juristische Anspruchsgrundlage gebe.

„Ich bin wütend”

Das ist vielleicht auch das, was die Betroffenen am meisten ärgert: Dass das Problem bekannt ist, Hilfe aber nicht in Sicht, obwohl man sich schon an viele Politiker gewandt hat. Andr Esser vom Sonnenstudio: „Wir kleinen Geschäftsleute bekommen keine Unterstützung.” Parksituation und Verkehrsführung seien grottenschlecht. Mehrere Geschäfte hätten schon zumachen müssen. Ratsherr Hans-Dieter Schaffrath von der Freien Wählergemeinschaft: „Es werden die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, aber es passiert nichts. Ich bin richtig wütend.”

Mehr von Aachener Nachrichten