Aachen: Bombenentschärfung: Einige Anwohner wollten Wohnung nicht verlassen

Aachen : Bombenentschärfung: Einige Anwohner wollten Wohnung nicht verlassen

Die Erleichterung stand ihm am Ende doch ins Gesicht geschrieben: Fritz Pütz zeigte stolz den Aufschlagzünder, den er innerhalb von 41 Minuten um 0.35 Uhr aus der Zehn-Zentner-Bombe fünf Meter unter der Claßenstraße mit einer Rohrzange gedreht hatte.

Zwar hat der 56-Jährige im Laufe seiner Karriere bereits gut 100 schwere Explosionsbehälter entschärft, aber gehöriger Respekt vor den in diesem Fall 250 Kilogramm TNT ist immer im Spiel. Und vorher denke man auch daran, ob hoffentlich alles gut gehe, berichtet er: „Aber wenn es losgeht, dann konzentriert man sich auf die Arbeit.“

Erleichterung bei Kampfmittelräumer Fritz Pütz: Der Messingzünder war nicht leicht zu entfernen.

Bei Sprengbomben aus dem Zweiten Weltkrieg beträgt das Verhältnis Sprengstoff zu Hülle in etwa 50 zu 50, die Zehn-Zentner-Bombe enthält deshalb fünf Zentner Sprengstoff. Besonders brisant war die Aktion, weil es sich um eine englische Fliegerbombe handelte, die wegen ihrer Materialzusammensetzung schwerer als amerikanische unschädlich zu machen ist und der Zünder aus Messing beschädigt war. Da eine kontrollierte Sprengung in dem dicht bewohnten Viertel nicht möglich war, rückten die Kampfmittelräumer und Feuerwerker, die wegen der besonderen Situation zu viert kamen, dem Blindgänger mit mechanischen Mitteln zu Leibe.

Eine Verpflichtung

Nach der erfolgreichen Entschärfung konnte die Evakuierung des Gebietes rund um den Fundort aufgehoben werden, ebenso die weiträumigen Verkehrssperrungen, die ab dem Nachmittag zu gewaltigen Behinderungen fast in der ganzen Stadt geführt hatten. Und nur in wenigen Fällen waren die Hilfskräfte auf Probleme gestoßen, weil Menschen sich weigerten, ihr Zuhause zu verlassen, weil sie etwa krank waren.

In Koblenz, wo am Sonntag eine 1000-Kilogramm-Bombe gefunden und ebenfalls entschärft worden war, hatte es immer wieder Verzögerungen gegeben, weil eine größere Zahl von Betroffenen nicht der Aufforderung gefolgt war. Das sei im Aachener Univiertel nicht der Fall gewesen, berichtet Stadtsprecher Bernd Büttgens. Nur in Einzelfällen habe durch Ordnungsamt und Polizei Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen, denn die Entscheidung sei nicht freiwillig: „Das ist eine Verpflichtung, die Wohnung zu verlassen.“

Einsatzleiter Ron-Roger Breuer vom städtischen Ordnungsamt stellte in der Nacht zum Samstag erleichtert fest: „Es ist alles gut gelaufen, das Zusammenspiel der rund 300 Einsatzkräfte hat tadellos funktioniert. Wir sind sehr froh, dass diese aufregende Aktion jetzt gut ausgegangen ist.“ Ein besonderes Dankeschön richtete er an die RWTH Aachen, die in kürzester Zeit die Unterbringung von rund 550 Anwohnern in einem ihrer Gebäude, der ehemaligen PH-Aula, an der Ahornstraße ermöglicht hatte.

Ab 19.45 Uhr waren die Anwohner durch Lautsprecher-Durchsagen der Feuerwehr auf die Notsituation hingewiesen worden. Nur wenige Beschwerden wurden bisher bekannt, dass Anwohner am Rande des 400-Meter-Abstands nicht genau oder widersprüchlich informiert wurden, ob sie ihre Wohnung verlassen mussten.

Die Zahl der Einsatzkräfte war der Herausforderung entsprechend hoch: Die Berufsfeuerwehr hatte 35 Leute im Einsatz, die Freiwillige Feuerwehr etwa 155, die Hilfsorganisationen waren mit 45 Leuten vor Ort, das THW hatte zwölf, das städtische Ordnungsamt 15 und die Polizei rund 80 Leute im Einsatz. Aus Düren wurden acht Rettungswagen zusätzlich abgestellt. Die Stadt Aachen bedankt sich für die Unterstützung der Hilfsorganisationen DRK, JUH und MHD sowie der Feuerwehr Eschweiler.

Bürgertelefon viel genutzt

Stark frequentiert wurde das extra freigeschaltete Bürgertelefon des städtischen Servicecenters „Call AC“. Dort erhielten viele Bürgerinnen und Bürger Informationen zum Bombenfund und zur Evakuierung.

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