Aachen: Bohrtürme sind vorläufig nicht zu erwarten

Aachen : Bohrtürme sind vorläufig nicht zu erwarten

Dass in den ersten Bebauungsplänen in Aachen Bergbaurechte zur Gewinnung von Kohlenwasserstoffen auftauchen, hat bei Lesern heftige Reaktionen von Kopfschütteln bis zu Entsetzen hervorgerufen. Irrtümlich ist das sogar in Kornelimünster-West hineingeschrieben worden, obwohl der dortige Bebauungsplan 812 gar nicht in dem Erlaubnisfeld Rheinland liegt, das sich der größte Erdöl- und Erdgasproduzent Deutschlands Wintershall gesichert hat.

Gut 1400 Quadratkilometer groß ist dieses Gebiet, der Norden des Aachener Stadtgebiets gehört dazu. Der Bebauungsplan 954 N Laurentiusstraße/Laurentiushang liegt darin, auch im vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 948 Neuenhofer Weg ist eine „öffentlich-rechtlich verliehene Berechtigung zur Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen zu gewerblichen Zwecken“ verankert.

Was bedeutet dies? Droht Fracking, also das Fördern von Erdgas unter hohem Druck, im Stadtgebiet, das bekanntlich, so ein weiterer Leserhinweis, als Erdbebengebiet ausgewiesen ist?

Selbst im Bebauungsplan Neuenhofer Weg findet sich eine Einschränkung unter der Passage Bergbaurecht: „Bisher sind innerhalb des Plangebietes keine bergbaulichen Tätigkeiten erfolgt und auch nicht geplant.“ Axel Costard vom städtischen Presseamt beteuert: „Das ist ein nachrichtlicher Hinweis, der keine juristische Bedeutung hat.“

Genehmigungen bis 2016

Ähnlich argumentiert auch die Behörde, die für derartige Dinge zuständig ist, die Bezirksregierung Arnsberg. „Es braucht keine Panik in Aachen auszubrechen, dass dort demnächst die Bohrtürme stehen“, sagt Andreas Nörthen, Pressesprecher der Abteilung Bergbau und Energie in NRW.

Dort hat Wintershall die Erlaubnisfelder Ruhr und Rheinland eintragen lassen, insgesamt 3900 Quadratkilometer groß und gelegen zwischen der niederländischen Grenze im Westen und dem Sauerland im Osten. Erdgas zählt zu den bergfreien Bodenschätzen, die, so die Arnsberger, „nicht Bestandteil des Grundeigentums sind“.

Wenn der Antragsteller bestimmte Voraussetzungen erfüllt, steht der Behörde kein Ermessensspielraum zu, dann gibt es einen Rechtsanspruch auf Genehmigung: „Die Bergbauberechtigungen haben in erster Linie die Aufgabe, dem Inhaber eine Rechtsposition zum Schutz vor Konkurrenten einzuräumen.“

Doch selbst diese Berechtigungen dürften in Aachen in überschaubarer Zeit nicht in die Tat umgesetzt werden. Schließlich habe das Land 2012 ein Moratorium erlassen, nach dem die Fracking-Methode nicht eingesetzt wird, so lange erhebliche Risiken nicht auszuschließen sind.

Nörthen: „Es gibt lediglich eine Lizenz, es darf weder gesucht noch gefrackt werden.“ Außerdem handele es sich lediglich um Sucherlaubnisse. Sollten wirklich Sucharbeiten durchgeführt werden, müsste ein Betriebsplan erstellt und genehmigt werden. Das Gleiche gelte, falls wirklich Bohrungen vorgenommen werden sollten: „Das ist ein gestuftes Verfahren.“

Dennoch handelt es sich bei Wintershall, einer 100-prozentigen Tochter des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, um ein Multimilliardenunternehmen, das sich sicherlich bei den Bergbau-Eintragungen etwas gedacht hat, so ein weiterer Leser-Einwand. Doch auch von dort kommt Entwarnung. „Unser Hauptaugenmerk würde auf der Konzession Ruhr liegen. In der Konzession Rheinland sind keine Tätigkeiten geplant“, sagt Stefan Leunig, Leiter der Abteilung Externe Kommunikation von Wintershall in Kassel.

Erdgas aus Schiefergestein zähle weltweit zu den bedeutendsten Energievorkommen, allerdings gebe es kaum verlässliche Angaben über die tatsächlichen Vorräte. In einigen Regionen Deutschlands, auch in NRW, würden Vorkommen vermutet.

Dazu müssten geologische Untersuchungen in Form von flachen Kernbohrungen bis zu 300 Meter Tiefe vorgenommen werden, technisch gleichzusetzen mit Wasserbohrungen deren Löcher mit Zement wieder verfüllt würden. Doch selbst diese hätten im Feld Ruhr „aufgrund der politischen Gemengelage“ noch nicht vorgenommen werden können. Die Genehmigungen seien deshalb bis 2016 verlängert worden.

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