Aachen: Bodenschwelle am Hasselholzer Weg führt zu schwerem Sturz

Aachen : Bodenschwelle am Hasselholzer Weg führt zu schwerem Sturz

Nach der Arbeit noch eine Radtour ins Grüne und ein bisschen entspannen — so hatte sich das der Aachener Kinderarzt Klaus Reddemann gedacht. Doch was als erholsamer Ausflug geplant war, endete mit einem Horrorsturz auf dem Hasselholzer Weg. Eine aufmontierte und nahezu unsichtbare Bodenschwelle wurde ihm auf stark abschüssiger Straße zum Verhängnis.

Mit schweren Verletzungen musste er ins Krankenhaus gebracht werden, erst fünf Wochen später konnte er wieder leidlich seine Arbeit aufnehmen.

Was auf dem großen Bild leicht zu erkennen ist, hat sich auf dem kleinen gut versteckt: die eingebaute Schwelle ist im Spiel von Licht und Schatten auf dem grauen Asphalt aus der Ferne nicht zu sehen. Wegen der Hindernisse sind auf dem stark abschüssigen Hasselholzer Weg bereits mehrere Radfahrer schlimm gestürzt. Foto: Klaus Reddemann/Michael Jaspers

Nie und nimmer habe er mit so einem Unfall gerechnet, sagt er heute rückblickend. Aus dem Nichts heraus habe es ihn mit seinem Mountainbike „total verrissen“. Er habe einen Salto gemacht und sei ohne Schutzreflexe auf die Straße geknallt. Zufällig vorbeikommende Eltern seiner jungen Patienten haben dann Rettungssanitäter herbeigerufen, die ihn versorgen mussten und ins Krankenhaus brachten. Mehrere Rippenbrüche, eine beschädigte Lunge und eine Schlüsselbeinfraktur verdarben ihm jegliche Freude am Sommer.

Und Reddemann ist offenbar nicht das einzige Opfer der Hasselholzer Drempel. Den Rettungssanitätern sei die Stelle bereits bekannt gewesen, da sie schon mehrfach dorthin beordert worden seien. Tückisch sind sie deswegen, weil die anfänglich schwarz-gelb eingefärbten Schwellen inzwischen völlig verblasst sind. Im Spiel von Licht und Schatten sind sie gar nicht zu erkennen.

Weil er weitere Unfälle unbedingt verhindern wollte, hat er gleich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus den Oberbürgermeister und die Straßenbauverantwortlichen angeschrieben und auf den Gefahrenpunkt hingewiesen. „Ein Hinweis auf die Fahrbahnschwellen wäre hilfreich“, heißt es in seinem Schreiben, denn bislang gibt es dort nur Fußgänger- und Gegenverkehrwarnschilder sowie eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 20.

Geschrieben hat Reddemann seine Mail am 19. Juli. Inzwischen ist Ende August und Reddemann hat weder eine Antwort erhalten, noch wurde am Hasselholzer Weg gehandelt. Doch das soll sich jetzt ändern, wie Harald Beckers vom Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung am Donnerstag erklärte.

Sieben Bodenschwellen

Die insgesamt sieben Bodenschwellen auf dem Hasselholzer Weg sind seinen Angaben zufolge vor zwei Jahren installiert worden. Zu jenem Zeitpunkt musste der schmale Weg als Umleitungsstrecke für den gesperrten Preusweg eingerichtet werden. Die Drempel sollen natürlich in erster Linie dafür sorgen, dass Autofahrer den Fuß vom Gas nehmen. Dass sie Radfahrern so gefährlich werden können, war hingegen nicht einkalkuliert.

„Wir haben das Schreiben sehr ernst genommen“, versichert Beckers, der nun auch schnelles Handeln ankündigt. So sollen jetzt an allen Schwellen zusätzliche Warnschilder aufgestellt werden. Auch sollen die völlig verblassten Drempel gereinigt werden, um sie wieder sichtbarer zu machen. Und in Kürze soll auch ein Antwortschreiben an Reddemann rausgeschickt werden, der darauf nun auch schon seit gut sieben Wochen wartet.

Den zähen Gang der Dinge erklärt Beckers damit, dass sich die Fachleute zunächst selbst vor Ort kundig machen mussten, um die nun geplanten Änderungen zu erarbeiten.

Massive Verletzungen

Als große Gefahrenstelle sind die Drempel der Stadt vorher nicht bekannt gewesen, sagt Beckers. Informationen über andere Unfälle gebe es nicht.

Überraschend ist das deswegen, weil offenbar nicht nur die Rettungssanitäter mehr wissen. Auch im Bekanntenkreis von Reddemann haben schon einige andere Radfahrer unliebsame Erfahrungen mit den Bodenwellen gemacht, wie er im Nachhinein erfahren hat. Und richtig übel erging es auch einer Frau, die sich ebenfalls an unsere Zeitung gewandt hat, aber ungenannt bleiben möchte.

Die Kölnerin war im ersten Quartal dieses Jahres ebenfalls in ihrer Freizeit mit dem Rad unterwegs, fuhr den Hasselholzer Weg entlang und stürzte schwer an einer der benannten Bodenwellen. Sie zog sich massive Verletzungen am Kiefer zu, verlor sogar Zähne. Sie kämpft heute noch mit den Folgen und wandte sich an unsere Zeitung, um Menschen vor dieser Gefahr zu warnen. Zudem war sie auf der Suche nach Zeugen, die ihren Unfall zufällig gesehen haben, um diesen zu dokumentieren.

Im Laufe der Gespräche mit unserer Zeitung verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand erneut, daher zog sie es vor, sich zunächst nicht mehr öffentlich zu äußern. Was nun bleibt, sind die Schmerzen und die tägliche Erinnerung an den schweren Unfall, der ihr Leben veränderte. Auch die Kölnerin habe die Bodenschwellen nicht erkennen können, die ihr zum Verhängnis wurde.

Mehr von Aachener Nachrichten