Aachen: Bluttat an Trierer Straße: Angeklagte wehren sich gegen Mordvorwurf

Aachen : Bluttat an Trierer Straße: Angeklagte wehren sich gegen Mordvorwurf

Vor dem Aachener Schwurgericht wird seit Dienstag gegen zwei Männer aus Syrien verhandelt, die laut Anklage in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar dieses Jahres einen Landsmann brutal getötet haben sollen. Beide Angeklagte gestanden die Tat in Teilen, stritten aber über Verlautbarungen durch ihre Verteidiger vehement ab, einen vorab geplanten Mord vollendet zu haben.

Nach ersten Nachrichten über die Tat Ende Januar war spekuliert worden, dass es sich bei den Vorgängen in dem Haus an der Ecke Zeppelinstraße und Trierer Straße in Forst um eine politisch oder religiös motivierte Tat gehandelt haben könnte. Das ist zweifellos nicht der Fall, wie sich gestern vor Gericht zeigte. Denn nach ersten Einlassungen der Angeklagten wie von Zeugen handelt es sich um eine Beziehungstat.

Stiche ins Herz

Anscheinend verkraftete Khaled B. nicht, dass seine Ex-Freundin nicht mehr mit ihm reden durfte. Das 23-jährige Tatopfer verbot seiner neuen Lebensgefährtin demnach jeglichen Kontakt mit anderen Männern und insbesondere mit dem Ex-Freund.

Dieser Ex-Freund ist der Hauptangeklagte Khaled B. (33), dem laut Anklageschrift die tödlichen Messerstiche ins Herz seines Gegners zugerechnet werden. Sein Begleiter, der gleichfalls wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt ist, soll dabei mit Tritten und Schlägen auf das Opfer beteiligt gewesen sein.

Zum Hintergrund gaben die beiden Angeklagten über ihre Verteidiger an, sie hätten die Ex-Freundin von Khaled B. vor den Schlägen ihres neuen Gefährten schützen wollen.

Das sei unter anderem der Grund gewesen, warum sie sich noch spät am Abend aufgemacht hätten und mit dem Bus von der Elsassstraße, wo der Hauptangeklagte wohnte, losgefahren seien.

Vermittelt in dem Beziehungskonflikt hatte eine Freundin, die der anscheinend unglücklich in der neuen Beziehung lebenden Frau helfen wollte. Nach Angaben einer Zeugin war sie es, die die gesamte Freundesgruppe um die beiden Angeklagten dazu brachte, sich in den Fall einzumischen und am Tatabend mit nach Forst zu fahren.

Gegen 23.45 Uhr kam das Opfer dann wieder nach Hause. Beide — der 23-Jährige und Ex-Freund Khaled B. — hatten bereits am Nachmittag eine blutige Auseinandersetzung gehabt, bei der B. den Kürzeren zog und verletzt wurde.

Über seinen Anwalt Andreas Fleuster teilte der Hauptangeklagte gestern mit, der neue Lebensgefährte seiner Ex sei in der Nacht im Hausflur wieder auf ihn losgegangen, habe ihn geschlagen und bedroht. Da habe er sein Messer eingesetzt und „ihm einen Stich in die Schulter“ versetzt. Der Stich mit der 16 Zentimeter langen Klinge traf — allerdings mitten ins Herz. Das Opfer lief noch die Treppen hinunter und brach dann draußen vor der Türe zusammen.

Die Staatsanwaltschaft geht wegen des Vorfalls am Nachmittag von einer kurzfristig geplanten Mordtat aus. Eben aus Rachegefühlen, Eifersucht und verletzter Ehre habe der 33-Jährige sich am Abend nach Forst aufgemacht und auf das Opfer gewartet. Im Hausflur habe man dann die Tatabsicht in die Tat umgesetzt und den 23-Jährigen erstochen.

Wer war vor Ort?

Diesen Tatablauf bestreiten beide Angeklagte. Der 21-jährige Mohamad A., der als Koch in einem Hotel arbeitete, machte sogar über seinen Anwalt Bastian Bödeker geltend, er sei während der heftigen und letztlich blutigen Auseinandersetzungen der beiden Männer im zweiten Stock gar nicht mehr in dem Mietshaus gewesen.

Richtig sei allerdings, dass er kurz nach der Tat im Freundeskreis behauptet habe, unmittelbar dabei gewesen zu sein. Doch das Gegenteil sei richtig, ließ er seinen Verteidiger erklären.

Als er in der Nacht aus der Tür trat, sei ihm ein Unbekannter entgegengekommen, das müsse das Opfer gewesen sein, das er persönlich nicht gekannt haben will. Der Prozess geht diesen Donnerstag ab 9 Uhr im Landgericht weiter.

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