Aachen: Bluegate: Statt der Gebäude wachsen am Hauptbahnhof die Zweifel

Aachen: Bluegate: Statt der Gebäude wachsen am Hauptbahnhof die Zweifel

Erhebliche Bauverzögerungen sind für Aachener eigentlich nichts Ungewöhnliches. An die Wüstenei, die sich ihnen nun schon seit mehr als einem Jahr am Rande des Hauptbahnhofs bietet, wollen sich die Politiker dennoch nicht gewöhnen.

Im nächsten Planungsausschuss soll auf Antrag der Grünen nun auch die Möglichkeit erörtert werden, aus den Verträgen mit den Entwicklern des sogenannten Bluegate-Projekts wieder auszusteigen. Dahinter steht die zunehmende Sorge, dass die ehrgeizigen Planungen am Ende eine Nullnummer bleiben könnten.

Trotz Beteuerungen der Rüsselsheimer Merkur Gruppe, das sogenannte Bluegate-Projekt weiter voranzutreiben, herrscht am Hauptbahnhof immer noch eine leere Ödnis. Die Aachener Grünen kritisieren den Stillstand — auch wegen des fehlenden Fahrradparkhauses — und fordern einen Ausstieg aus den Verträgen. Foto: Andreas Herrmann

Zwar hat der Projektverantwortliche Marcus Hientzsch von der Rüsselsheimer Merkur Gruppe vor wenigen Tagen auf Anfrage der „Nachrichten“ erneut versichert, das Bauprojekt weiter voranzutreiben und im dritten Quartal mit den Ausschachtungsarbeiten auf dem Gelände entlang der Zollamt­straße beginnen zu wollen, doch so recht scheint seinen Worten niemand mehr zu trauen.

Zu viele Verzögerungen hat es seit der Vorstellung der ersten Pläne im Jahr 2013 bereits gegeben. Vor allem die Planungspolitiker haben sich immer wieder höchst verärgert über den schleppenden Gang der Dinge geäußert.

Fahrradplätze sind Mangelware

Immerhin sollten die ersten der insgesamt fünf Gebäudeteile, die der Investor auf dem gut 11.000 Quadratmeter großen Areal errichten will, ursprünglich schon in diesem Jahr bezogen werden können. Inzwischen wachsen in Aachen jedoch Zweifel, ob der Investor das Projekt, für das rund 70 bis 80 Millionen Euro veranschlagt sind, überhaupt stemmen kann. Geplant sind ein Hotel, studentische Apartments, Büros, Einzelhandel, eine Tiefgarage und nicht zuletzt auch ein Fahrradparkhaus mit Platz für rund 400 Fahrräder.

Letzteres ist ebenfalls in den Fokus der Grünen geraten. Denn während viele Städte schon seit Jahren den radfahrenden Pendlern komfortable Abstellmöglichkeiten in unmittelbarer Bahnhofsnähe bieten können, fiel in Aachen das einzige Fahrradparkhaus den Abrissbaggern zum Opfer.

Es sei völlig ungewiss, wann und ob überhaupt das „Bluegate“-Projekt verwirklicht werde, argumentieren die Grünen. Man könne daher nicht länger auf die „seit Jahren geplante und überfällige Realisierung“ des Fahrradparkhauses warten. Ihrer Meinung nach sollte daher die Stadt tätig werden und selbst planen.

Eine Idee: Im Zuge der geplanten Erweiterung des Verwaltungsgebäudes Marschiertor sollte ein Fahrradparkhaus mit Platz für bis 1000 Rädern gleich mitbedacht werden. Denkbar sei aber auch, mehr Abstellplätze in der vorhandenen Tiefgarage des Verwaltungsgebäudes zu schaffen, was allerdings zu Lasten der Stellflächen für Autofahrer ginge. Beraten wird all dies in nicht­öffentlicher Sitzung des Planungsausschusses, wobei sich die Verwaltung ihre Meinung bereits gebildet hat.

Aus ihrer Sicht kommt der Vorstoß der Grünen zu spät, da der Wettbewerb für den neuen Verwaltungsanbau in Kürze auf den Weg gebracht werden soll. Neue Anforderungen an ein Fahrradparkhaus hätten erhebliche Verzögerungen zur Folge und würden auch die Kosten in die Höhe treiben. Um den nötigen Platz für Fahrräder zu schaffen, müsste mindestens ein Tiefgeschoss mehr geplant werden.

Und auch in der schon vorhandenen Tiefgarage sei kein Platz für so viele Fahrräder. Bislang können dort 68 Räder abgestellt werden — und schon deren Nutzer kommen oftmals Autofahrern gefährlich nahe. Bei einer Ausweitung der Kapazität müssten eigene Zu- und Abfahrten für Fahrradfahrer geschaffen werden, meint die Verwaltung. Der Aufwand wäre immens. Eine Zustimmung der politischen Mehrheit ist kaum zu erwarten.

So ist am Hauptbahnhof derzeit kein Ende des Kuddelmuddels rund um die Fahrradständer in Sicht. Überdachte und sichere Abstellflächen bleiben Mangelware. Zur beabsichtigten Stärkung des Radverkehrs in der Stadt kann das nicht beitragen.

Ernüchternd dürften für die Grünen auch die Erkenntnisse der Verwaltung zum beantragten „Aufhebungsverfahren“ des Bebauungsplanverfahrens sein. Sie sieht derzeit rechtlich keine Handhabe, aus den „Bluegate“-Verträgen auszusteigen, um das Grundstück anderweitig zu entwickeln. Politik und Verwaltung bleibt einstweilen nur die Hoffnung, dass den Worten des Projektverantwortlichen Hientzsch tatsächlich noch Taten folgen.