Halbes Jahr Stillstand: „Blue Gate“ will bald Gas geben

Halbes Jahr Stillstand : „Blue Gate“ will bald Gas geben

Manch einen erinnert die große Brache an der Zollamtstraße zwischen Hauptbahnhof und Burtscheider Brücke schon an die vielen Jahre, die man auf die Kaiserplatzgalerie warten musste — und es an der Adalbertstraße zeitweise aussah wie kurz nach dem Krieg.

Und auch mancher Politiker denkt bereits in die gleiche Richtung und fragt sich, ob man vielleicht wieder einmal wie damals eine Abrissgenehmigung etwas zu früh erteilt hat. Zumal die Stadtverwaltung der Politik jetzt hinter verschlossenen Türen im Planungsausschuss über den (Still-)Stand der Dinge beim geplanten Hotel-, Wohn- und Bürokomplex „Blue Gate“ berichtete und dabei die Rede war von verstrichenen Fristen, fehlenden Unterlagen und einem immer noch unvollständigen Bauantrag für das immerhin 70 Millionen Euro schwere Bauprojekt.

Die Baustelle am Hauptbahnhof ruht: Seit zum Jahresbeginn die Hallen an der Zollamtstraße (Mitte) abgerissen wurden, ist das „Blue Gate“-Areal wieder ein Parkplatz (unten). Der Bauantrag ist immer noch nicht vollständig. Foto: Michael Jaspers

Laut nicht-öffentlicher Verwaltungsvorlage fehlt es unter anderem noch an einer geprüften Statik für die Baugrube und an einer geprüften Gebäudestatik für das gesamte Projekt. Außerdem müsse das Brandschutzkonzept noch inhaltlich angepasst werden.

bluemja9 19.06.2017 Blue Gate ruht. Foto: Michael Jaspers

Allerdings hinkt der Vergleich mit der Kaiserplatzgalerie ein wenig. Zwar zog sich der Planungsprozess auch bei „Blue Gate“ über viele Jahre hinweg zäh wie Kaugummi, doch währt der jüngste Stillstand nach dem Abriss der alten Hallen an der Zollamtstraße gerade einmal ein knappes halbes Jahr. Und wenn man dem Projektleiter Marcus Hientzsch Glauben schenkt, dann soll es schon bald vorangehen auf der Baustelle, auf der die Apag erst einmal wieder den früheren Parkplatz eingerichtet hat.

Hientzsch bestätigt die Probleme mit der Statik und führt außerdem an, dass wegen der Nähe zu den Bahngleisen auch das Eisenbahnbundesamt in die Prüfungen involviert sei — „und die haben ihre eigenen Prüfer“. Soll heißen: Da hat man als Bauherr keinen Einfluss aufs Tempo. Gleichwohl spreche man mit der Stadt „intensiv über eine erste Teilbaugenehmigung für Aushub und Verbau“, sagt der Projektleiter. Und: „Wir hoffen, dass das in wenigen Wochen geklärt ist.“ Bei der Stadt hält man sich dagegen auf Anfrage mit Prognosen zurück: „Das wäre alles Spekulation“, sagt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt.

AZ-Informationen, wonach dem Projekt mit dem Unternehmen IC (International Campus) der Investor für die geplanten 300 Studentenappartements abhanden gekommen ist, will Hientzsch nicht näher kommentieren. „Es gibt einen bestehenden Vertrag“, sagt er, „und wir werden sehen, ob der dann erfüllt wird.“ Der Hintergrund: Für die Vermarktung solcher Wohnungen ist es wichtig, dass sie pünktlich zu einem Wintersemester fertig werden.

Und nachdem die ursprünglich angepeilte Fertigstellung zum Wintersemester 2018/19 bereits illusorisch ist, gerät nun auch der Termin 2019/20 ins Wanken. „Wenn wir im Sommer anfangen können, schaffen wir es noch“, sagt Hientzsch zwar. Aber falls nicht, würde ihn das auch „nicht wirklich schocken“. Schließlich sei das Segment studentisches Wohnen „gerade in Aachen so attraktiv“, dass es bei der Vermarktung keine Probleme geben werde.

Als Beleg dafür, dass es den „Blue Gate“-Machern mit ihrem Engagement in Aachen ernst sei, führt der Projektleiter auch den Kauf eines städtischen Grundstücks am Drosselweg an, auf dem man vereinbarungsgemäß Sozialwohnungen bauen soll. Vor wenigen Tagen wurde der Vertrag beim Notar besiegelt, was auch die Stadt auf Anfrage bestätigt. Dem Vernehmen nach zahlt „Blue Gate“ gut 1,2 Millionen Euro für das etwas mehr als 5000 Quadratmeter große Grundstück. Dort wolle man nun zügig den Bauantrag erarbeiten, sagt Hientzsch: „Da geben wir jetzt Gas.“

Allerdings soll man nach AZ-Informationen vom Kaufvertrag zurücktreten können, wenn die Altlastensanierung dort mehr als 65.000 Euro kostet — ein ziemlich niedriger Betrag. Man könnte aus sagen: eine Art Hintertürchen.