Aachen: Blitzeinbruch: Geldautomat hält der rohen Gewalt stand

Aachen : Blitzeinbruch: Geldautomat hält der rohen Gewalt stand

„Wir dachten, das kann uns nicht passieren. Die Polizei ist hier in der Nähe, und die fahren hier immer vorbei“, schildert Werner Römgens, Filialleiter von Hit Sütterlin an der Krefelder Straße, seine Gedankengänge vor der Eröffnung des Lebensmittelmarkts in Tivolinähe. Am Donnerstagabend passierte es aber doch.

Gegen 23 Uhr erhielt Römgens den Anruf der Sicherheitsfirma, dass der Alarm ausgelöst worden sei, fuhr zu seinem Arbeitsplatz, entdeckte die Bescherung und verständigte die Polizei: Mit einem Lieferwagen hatte rückwärts eine Bande die große gläserne Eingangstüre geknackt und mit einem starken Zugband versucht, einen Geldautomaten etwa zehn Meter dahinter aus der Verankerung zu reißen. Gleich mehrere Male müssen sie ruckartig angefahren sein.

Vergeblich. Der Automat blieb standhaft. Römgens: „Der ist ganz tief in dem Boden verankert.“ Weil sie wohl merkten, dass sie Alarm ausgelöst hatten, wurde den Tätern die Zeit knapp. Sie kappten das Seil und suchten das Weite, versuchten auch nicht, in Richtung der Kassen vorzudringen.

Mindestens drei Täter

Mindestens drei Täter seien es gewesen, die die Außenkamera nach oben drückten, an die im Innern aber nicht herankamen, weil sie zu hoch hingen: „Es ist erschreckend, mit welcher Ruhe die das gemacht haben. Ich dachte zuerst, das sind Handwerker und keine Einbrecher“, so Römgens. Auf jeden Fall hinterließen die Blitz-Räuber ein komplettes Chaos: „Die Scheiben lagen kreuz und quer.“ Der Geldautomat ist deformiert, der Boden durch das herumfliegende Glasportal und die Herausreißversuche beschädigt, auch die Brandmeldeanlage in Mitleidenschaft gezogen. Die genaue Höhe des Schadens kann Werner Römgens aber noch nicht beziffern.

Wichtiger waren die Aufräumarbeiten, die unmittelbar einsetzten. Sofort wurde eine neue Türe mit Spezialmaßen bestellt, in der Nacht wurde das offene Gebäude von einem Wachdienst gesichert. Morgens konnte pünktlich geöffnet werden, die Kunden bekamen von dem Blitzeinbruch nicht viel mit. Bis zum Abend wurde das neue Portal geliefert. Möglicherweise wird jetzt in der Mitte ein Poller eingelassen, um einen weiteren Einbruch per Kfz unmöglich zu machen.

Die Ermittlungen der Polizei konzentrierten sich am Tag danach auf das Fluchtfahrzeug. Dabei soll es sich um einen hellen oder silbernen Mercedes-Benz Van handeln, Typ Vito oder Viano. Das Fahrzeug muss im Heck erheblich beschädigt sein. Die Fahndung, die auf die gesamte Grenzregion ausgeweitet wurde, brachte bislang keinen Erfolg. Noch in der Nacht sicherten die Beamten am Tatort umfangreiche Spuren.

Bereits vor einem Jahr, am 10. November 2014, hatte es einen ähnlichen Blitzeinbruch in eine Postfiliale im Pontdriesch gegeben. Mit einem gestohlenen Kastenwagen durchbrachen Gangster nachts in Blitzeinbruch-Manier die automatische Eingangstüre aus Glas, rissen den Geldautomaten mit einer Kette brachial aus der Verankerung, zogen ihn hinter dem weißen Kleinlaster her in Richtung Bushaltestelle Bergdriesch, ließen dabei auch noch ein Service-Terminal und einen Briefkasten mitgehen, luden den Automaten ein und brausten davon.

Der Transporter wurde später im limburgischen Stein (nahe Sittard/Geleen) samt Automat wiedergefunden, die Kennzeichen waren zuvor in Erftstadt gestohlen worden. An dem Geld hatten die Täter nicht viel Freude: Wenige Meter vor der zerstörten Eingangstüre der Filiale wurde nämlich das automatische Geldeinfärbesystem ausgelöst.

Weitere Geldautomaten waren auch Ziele von Verbrechern in der gesamten Region und in den Niederlanden und Belgien. Den Ermittlungsgruppen hüben wie drüben gelang es in enger Zusammenarbeit, sieben rumänische Tatverdächtige zu ermitteln und gegen sie europäische Haftbefehle zu bekommen. Die Männer im Alter zwischen 25 und 40 Jahren konnten festgenommen werden. Letztendlich konnten der Bande über 60 Taten in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Frankreich nachgewiesen werden.

Einen Zusammenhang mit der bundesweit aktuellen Tatserie, dem Aufsprengen von 41 Geldautomaten, sehen die Ermittler derzeit nicht. Zu unterschiedlich er-scheint die Tatausführung. Hinweise auf die aktuelle Tat nehmen die Ermittler der Aachener Kripo unter Telefon 0241/9577-31501 oder 0241/9577-34210 (außerhalb der Bürozeiten) entgegen.

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