Aachen: „Blindfolded Dinner“: Ein Roman über Tabuthemen und Lebensfreude

Aachen : „Blindfolded Dinner“: Ein Roman über Tabuthemen und Lebensfreude

Ein bisschen anrüchig sind sie schon noch, ein bisschen „verboten“, ein bisschen ein tabu: die Erotikromane. Sicherlich ist diese literarische Gattung lange nicht mehr so verpönt wie in den 50er Jahren, als Anne Desclos (Pseudonym: Pauline Réage) ihren Skandalroman „Geschichte der O.“ veröffentlichte, doch Bernd Walhorn, Autor des gerade erschienenen Romans „Blindfolded Dinner“, weiß auch zu berichten, dass die Scheu, ein solches Buch in die Hand zu nehmen und es sich genauer anzusehen, immer noch latent vorhanden ist — zumindest auf einer Buchmesse.

„Blindfolded Dinner“ ist sein Debütroman, zuvor hat der geborene Hamburger vor allem in Foren und Kurzgeschichtensammlungen seine Texte veröffentlicht. In dem Roman geht es nicht allein um Sex, er kann auch als Einladung in eine Welt verstanden werden, die auch heute noch vielen Leuten fremd ist.

„Es geht um Lebensfreude“, so Autor Walhorn, „um das Ja-Sagen zur Lust und zur Leidenschaft.“ Das Zielpublikum seines Romans ist weiblich und zwischen 35 und 70 Jahre alt. Ein bisschen kann das Lesen eines solchen Romanes als Flucht betrachtet werden, findet er: als Flucht aus dem Alltag, als Flucht aus einem gesetzten Leben, in dem Vieles vorhersehbar ist oder in dem im Bett nicht mehr viel passiert.

Die Hauptfigur des Romans, Stella, ist Prokuristin einer Event- und Modelagentur und erhält eines Tages eine Brief: „Ich möchte Sie kennenlernen, Stella, ein Rendezvous mit Ihnen vereinbaren. Es ist mir eine Ehre, Sie kommenden Freitagabend in das Restaurant Sèvres einzuladen“, so der Wortlaut des Briefes, geschrieben von einem geheimnisvollen „M“. Stella folgt der Einladung; der Beginn eines erotischen Abenteuers, wie Stella es noch nicht erlebt hat.

Ein richtiger Tabubruch ist „Blindfolded Dinner“ nicht mehr, aber ein Buch, das mit Tabuthemen umzugehen weiß: „Ich hole das Tabu auf den Tisch und mache es transparent“, erklärt Walhorn. Dabei geht es insbesondere um Polyamorie. Polyamorie darf nicht verwechselt werden mit der klassischen Vielehe (Polygamie). Polyamore Beziehungen beruhen auf Gegenseitigkeit und Ehrlichkeit gegenüber den Partnern, wichtig ist, dass jeder über die Beziehungen der anderen Personen in einem solchen Beziehungsgeflecht Bescheid weiß, es geht um Sympathie und es kann durchaus auch um echte Liebe gehen.

Mit dem Thema bewegt sich Walhorn nah am Zahn der Zeit: erst kürzlich beschäftigte sich ein Tatort mit dem Thema Polyamorie, wenn auch nicht ganz korrekt dargestellt. Inspiriert wurde Walhorn durch prägnante Szenen aus Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“, der seinerseits auf der „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler beruht, den Film „9 ½ Wochen“ und den schon erwähnten Roman „Geschichte der O.“ „Blindfolded Dinner“ ist ein Buch, das symptomatisch ist dafür, dass sich die Gesellschaft verändert hat.

„Die Gesellschaft öffnet sich“, erläutert Edelgard Bially, vom Marketing des Ammianus-Verlags, in dem das Buch erschienen ist. Zwar dürfte die Dunkelziffer immer noch erheblich höher liegen, aber mittlerweile könnten viel mehr Menschen öffentlich ihre Lebensentwürfe zeigen und zu ihren Leidenschaften stehen.

Eine weitere Besonderheit des Buches sei, dass es sich zum Teil auf eigene Beobachtungen stützt, auf eigene Erlebnisse und dem, was Walhorn während seiner Zeit als Barkeeper erlebte und hörte.

Nun ist er gespannt auf die Reaktionen, die die Leser auf sein Buch zeigen werden: „Wie reagiert die normale Leserschaft auf ein Buch, das polarisierend sein kann?“, fragt er sich. Die ersten Rezensionen bei namenhaften Online-Buchhändlern lassen Positives vermuten.