Aachen: „Blick hinter die Kulissen“: „Ede“, das Licht und die vielen Ziffern

Aachen : „Blick hinter die Kulissen“: „Ede“, das Licht und die vielen Ziffern

„Christian, mach mal die 2002 auf 50, bitte“, sagt Eduard Joebges, der von seinen Kollegen liebevoll „Ede“ genannt wird. Dazu hält er sein Funkgerät ganz nah an den Mund und blickt gleichzeitig von der großen Bühne, auf der er gerade steht, ans andere Ende des schmucken Saals.

Denn Christian, also Christian Robens, sitzt im sogenannten Stellwerk und steuert von dort aus alle Glühbirnen, Scheinwerfer und Anschlüsse. Schon verändert sich das Licht auf der Bühne des Theaters Aachen. Von möglichen 100 Prozent Helligkeit wird die Girlande mit Glühbirnen auf die Hälfte, also 50, gedimmt und ergibt ein warmes Licht. „Ede“ ist zufrieden. So hat der 56-Jährige sich das vorgestellt.

Für das Stück „Nicht mit uns!“, das noch am Sonntag, 28. Mai, und am Sonntag, 9. Juli, im Theater Aachen zu sehen ist, müssen vor jeder Vorführung jede Menge Glühbirnen und Scheinwerfer in Position gerückt werden.

„Ede“ Joebges ist Beleuchtungsmeister am Theater Aachen. Und das schon seit 20 Jahren. 25 Jahre lang führt er diesen Beruf aus, fünf Jahre lang war er zuvor in Köln tätig. Zusammen mit seinem Team bestehend aus elf Beleuchtern, drei Meistern und einem Video-Kollegen, wie Joebges ihn nennt, sind sie für die Beleuchtung bei jedem Schauspiel und jeder Oper am Stadttheater verantwortlich. Und Joebges, das kann man durchaus so sagen, hat all das im Griff.

Für das Stück „Nicht mit uns!“, das noch am Sonntag, 28. Mai, und am Sonntag, 9. Juli, im Theater Aachen zu sehen ist, müssen vor jeder Vorführung jede Menge Glühbirnen und Scheinwerfer in Position gerückt werden.

Er kennt jeden Anschluss, jeden Scheinwerfer, jede Position. Inzwischen kennt er auch jede Ziffer auswendig. Alle Anschlüsse sind durchnummeriert. Wenn „Ede“ also von 2002 spricht, dann wissen alle Beleuchter im Raum, welchen Anschluss er meint — und welcher Scheinwerfer dort angeschlossen ist. So kann es durchaus sein, dass beim Aufbau der Beleuchtung irre viele Zahlen in diverse Funkgeräte gesagt werden, die niemand sonst versteht. Das muss auch sonst keiner, denn „Ede“ und seine Beleuchter behalten den Überblick.

An diesem Tag bereiten sie die Beleuchtung für das Stück „Nicht mit uns“ vor, das noch einmal im Mai und einmal im Juli aufgeführt wird. „Wir bauen die Bühne lichttechnisch auf“, sagt Joebges. Dann wird alles getestet und jeder Scheinwerfer einzeln eingerichtet. Und da sind die Männer „empfindlich“, sagt Joebges und lacht. Denn beim Licht ist es so: „Der Zuschauer merkt das nicht sofort — wir aber schon“, so der 56-Jährige. Und ihr Anspruch ist hoch.

Etwa ein halbes Jahr vor der Premiere fand die Bauprobe zu „Nicht mit uns!“ statt. Auch da war natürlich Joebges am Start. Dann nämlich wird das Bühnenbild angedeutet und die Beleuchter schauen, worauf sie achten müssen. Es wird geklärt, ob spezielle Lampen besorgt werden müssen und was in diesem Zusammenhang noch mit der hauseigenen Werkstatt besprochen werden muss. Wie das Licht genau aussehen soll, bespricht Joebges auch mit dem Regieteam. Zwei Wochen vor der Premiere erfolgt dann der erste Aufbau der Originalbühne und somit die technische Einrichtung. Insgesamt gibt es zwei Termine à zehn Stunden für die Beleuchtungsprobe. Dabei wird jede einzelne Lichtquelle eingestellt. Die Beleuchter achten auf die Positionen der Scheinwerfer, die Farbe, die Größe und die Helligkeit jeder einzelnen Glühbirne, jedes einzelnen Scheinwerfers. „Zur Hauptprobe wird die komplette Show gefahren“, sagt Joebges. Im Anschluss gibt es dann noch eine Korrektur. Bei der Generalprobe sollte alles sitzen.

So hell wie die Svobodarampe

Für jede Lichtstimmung — auch Cue genannt — wird eine Nummer vergeben. Jede Nummer beschreibt ein Lichtbild, eine Stimmung. Und für den gesamten lichttechnischen Ablauf an einem Abend, jede Szene auf der Bühne, gibt es ein eigenes Lichtbild. Das beginnt beim Licht im Saal, wenn die Zuschauer den Raum betreten und ihren Platz suchen, und endet auch dort. Bis zu 100 Cues für eine Aufführung sind Standard. „Es gab aber auch schon eine Oper mit 550 verschiedenen Stimmungen“, sagt Joebges. Das sei jedoch eine Ausnahme gewesen.

Jedes Lichtbild ist auf dem Hauptpult im Stellwerk abgespeichert. Falls dieses mal ausfällt, was noch nie passiert ist, steht ein Notfallpult zur Verfügung. Auf dem Pult sind die einzelnen Lichtbilder chronologisch gespeichert — und der Beleuchter muss am Abend der Aufführung dann nur noch im richtigen Moment auf einen Knopf drücken, der dafür sorgt, dass die entsprechende Lichtstimmung zu sehen ist. Das Kommando dafür gibt der Inspizient. Er hat einen Platz gleich neben der Bühne und gibt ein Signal, wenn der Beleuchter den Knopf drücken soll. „Die Lichtbilder könnten theoretisch auch automatisch durchlaufen. Aber dann könnte niemand mehr reagieren. Und das müssen wir manchmal“, sagt Joebges. Beispielsweise dann, wenn das Publikum länger klatscht.

Die Lichtbilder beinhalten verschiedene Lampen. Mal gehen nur die großen Scheinwerfer an, die an festen Zügen an der Decke befestigt sind, mal nur eine Girlande aus Glühbirnen, mal werden besonders intensive Niedervoltscheinwerfer, die Svobodarampen, verwendet, mal der sogenannte Verfolger. Der Verfolger steht in einem kleinen Raum oberhalb des Theaters. Es ist ein großer Scheinwerfer, der es ermöglicht, „eine Person oder eine Gruppe in den Fokus zu stellen und auf ihrem Weg über die Bühne zu verfolgen“, sagt Christoph Grzesinski, Beleuchter. Er wird, wenn er zum Einsatz kommt, von Hand bedient.

Die Svobodarampen stehen in keinem separaten Raum. Einige von ihnen hängen an der Decke, aber das Theater besitzt auch sechs mobile. Sie wiegen 22,5 Kilogramm, und bei „Nicht mit uns!“ kommen je drei rechts und drei links zum Einsatz. Wenn Joebges von links oder rechts spricht, dann meint er immer die Sicht des Zuschauers, auch wenn die Beleuchter gerade mit Blick ins Publikum auf der Bühne stehen. Die Svobodarampen können mit Farbfolien ausgerüstet werden und erzeugen so bestimmte Stimmungen.

Wo jeder Scheinwerfer steht, welche Farbfolie er erhält, wann er zum Einsatz kommt und wie hell er wird, das vermerkt Joebges auf seinem Ablaufplan. Den hat er immer in der Hosentasche — und in seinem Kopf. Denn das, was die Beleuchter auf der Bühne treiben, läuft automatisch. Jeder Handgriff sitzt, jeder weiß, wo was hin muss. Und wenn mal ein Leuchtmittel kaputt geht oder sonst etwas nicht stimmt, wird es sofort ausgetauscht oder repariert. Die Beleuchter, so sagt Joebges, sind nämlich Allrounder. Sie kümmern sich um die gesamte Elektrotechnik im Haus — nicht nur um die auf der Bühne. „Die Hauptsache bei allem ist, dass es Spaß macht“, sagt Joebges. Und dass ihm dieser Beruf Spaß macht, lässt sich nicht übersehen. „Ede“ brennt mindestens genauso sehr für das Theater wie die Svobodarampen.

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