Aachen: „Blick hinter die Kulissen“: Besondere Mode für das Theater

Aachen : „Blick hinter die Kulissen“: Besondere Mode für das Theater

Oft ist es ein Gefühl, aus dem heraus Modedesignerin Verena Klein ein Kleidungsstück kreiert. Beispielsweise dieses Gefühl, dass man empfindet, wenn eine Welle den Körper erfasst. Das klingt erst einmal abstrakt, aber sie versucht so, sich den Körper in der Kleidung vorzustellen.

So, wie er sich darin bewegt, wie die Stoffe fallen, wie jemand das Kleidungsstück trägt, so, wie eine Welle fließt, „das muss alles zusammenpassen“, sagt die 31-Jährige, die aus Aachen stammt, aber mittlerweile in Maastricht lebt. Für ihre neueste Kreation ist diese Vorstellungskraft von ganz besonderer Bedeutung. Denn Klein hat die Kostüme für das Tanzstück „[N]emo Body“ von Joost Vrouenraets entworfen. Und die müssen so einiges aushalten können.

Modedesignerin Verena Klein hat die Kostüme für das Tanztheaterstück „[N]emo Body“ kreiert, das am heutigen Samstag in der Kammer des Theaters Aachen Deutschlandpremiere feiert. Foto: Heike Lachmann

Samstag wird Premiere gefeiert

Keine Schnörkel, nur schlichtes Grau: Genau so hat sich Verena Klein die Kostüme auf der Bühne vorgestellt. Foto: David Peskens

Am Samstag feiert das Stück Deutschlandpremiere in der Kammer des Theaters Aachen. Sieben Mal wird es bis Mitte April aufgeführt. Die Uraufführung fand am 7. November 2017 in Amsterdam statt. Viel früher begann natürlich schon die Arbeit von Verena Klein. Im Austausch mit dem Choreografen Vrouenraets hat sie die Hosen und Blusen der fünf Tänzerinnen entworfen und angefertigt. Klein tanzt selbst, seit sie drei Jahre alt ist, sie weiß daher, was Tänzer von Kleidung erwarten.

„Es gibt Kleidung, die man beim Tanzen gar nicht spürt, andere engt ein“, sagt Klein. Im Fall von „[N]emo Body“ war wichtig, dass die Kleidung nicht aufgesetzt wirkt, sondern sich in das Bild integriert. Die Tänzerinnen sollten nicht verkleidet wirken, das Outfit nicht im Mittelpunkt stehen. „Wir dachten an Uniformen, weil es etwas ist, was uns alle gleich macht“, so Klein.

Daher tragen die fünf Tänzerinnen auch das gleiche Outfit, allerdings deutlich schlichter als eine klassiche Uniform. Imposante Knöpfe, Verzierungen und Anhänger sucht man vergeblich. Sowohl die Bluse als auch die Hose und die Socken sind ganz bewusst in schlichten Grautönen gehalten. „Das erinnert an die klassische graue Maus, die in der Menge verschwindet“, so Klein weiter.

Schoner für die Schoner

Bei Kleidung, die fürs Tanztheater entwickelt werde, gehe es allerdings um noch viel mehr. Die Tänzer müssen sich in den Kostümen schließlich auch gut bewegen können, die Stücke müssen leicht zu reinigen und vor allem strapazierfähig sein. Daher haben die Hosen, die Klein eingekauft und aufwendig umgenäht hat, auch entsprechend Beinfreiheit. Die dient auch dazu, um Knieschoner darunter zu ziehen. Und weil an denen oft der Stoff hängen bleibt, hat die Designerin zur Sicherheit noch Schoner für die Schoner genäht.

Bei den Blusen hat sie viele Nähte doppelt angefertigt, damit auch wirklich alles perfekt hält. Den Stoff dafür, der sehr elastisch ist, hat sie auf dem Stoffmarkt in Maastricht gekauft. Klein legt großen Wert darauf, die Stoffe vor dem Kauf zu berühren. „Es geht beim Tanzen immer auch darum, wie der Stoff fällt. Er muss immer wieder in seine Form zurück“, so Klein weiter. Schließlich sollen sich die Tänzer auf das Tanzen konzentrieren können und nicht etwa auf die Bluse, die hoch rutscht.

Daher hat sie einen schweren Stoff gewählt. Und auch relativ schwere Schuhe. Die Halbschuhe haben eine ziemlich dicke Sohle. „Das beeinflusst, wie man sich bewegt“, sagt Klein. Sie sollen Standfestigkeit symbolisieren, dünne Ballettschuhe hätten nicht zum Konzept gepasst. Die Tänzerinnen haben die Schuhe allerdings schon etwa einen Monat vor der Aufführung erhalten, um sie einzulaufen und das Tanzen darin zu üben.

Clean und simpel

Insgesamt wirkt das Kostüm nun sehr clean und simpel. Auf den ersten Blick erkennt der Laie sicher nicht, wie viel Arbeit dahinter steckt, und wie viele Gedanken sich Klein und Vrouenraets über jedes Detail gemacht haben. Etwa zwei Monate hat die Modedesignerin von der ersten Idee zum fertigen Stück gebraucht. Dabei wurden die Kostüme zunächst aus Baumwollstoff auf einer Puppe zusammengesteckt und später individuell auf die Tänzerinnen zugeschnitten

. Nach jeder Aufführung werden die Kostüme auch noch einmal von Klein kontrolliert. Es komme vor, dass die Hosen flusen, und diese Flusen müssten natürlich entfernt werden. Außerdem werden Nähte und Knöpfe kontrolliert. Kleidung fürs Tanztheater muss eben besonders durchdacht sein. Für Klein kein Problem, sie hat damit ihre Nische gefunden und Hobby und Beruf verbunden.

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