Bistum Aachen startet neue Phase im synodalen Veränderungsprozess

„Heute bei dir“ : 270 Katholiken sprechen über die Erneuerung der Kirche

Das Zuhören und Verstehen anderer Positionen ist nach Meinung von Bischof Dr. Helmut Dieser ein wichtiger Punkt, wenn es darum geht, Kirche neu zu gestalten. Der synodale Gesprächs- und Veränderungsprozess, den er im Bistum Aachen angestoßen hat, ging jetzt mit den Themenforen in eine neue Phase.

Rund 270 interessierte Teilnehmer haben sich am vergangenen Samstag in den Räumlichkeiten der AachenMünchener in Aachen getroffen, um in kleinen Arbeitsgruppen ganz unterschiedliche Themen zu besprechen. Die große Herausforderung bestand im Anschluss darin, dem Forum die wesentlichen Ergebnisse der jeweiligen Gesprächsrunden in nur einer Minute vorzustellen. Und das klappte in ganz vorbildlicher Art und Weise.

Überall in den Räumlichkeiten der AachenMünchener hatten sich Gruppen gebildet, die genau die Themen besprachen, die ihnen besonders am Herzen lagen. „Dem Menschen dienen“ lautete dabei der Titel des Handlungsfeldes an diesem Tag. Das Spannungsfeld zwischen Kirche und der Lebenswirklichkeit der Menschen wurde dabei ebenso thematisiert wie die Aufgaben des Priesters oder die Frage „Raus aus der institutionellen Unglaubwürdigkeit, aber wie?“ Überall saßen Menschen zusammen, um in großen und kleinen Gruppen unterschiedliche Aspekte von Kirche zu beleuchten. Wie vielfältig die ist, zeigt sich schon an den insgesamt vier Handlungsfeldern, die im Laufe der Zeit besprochen werden sollen: „Den Glauben leben“, „Den Menschen dienen“, „Jesus überall begegnen“ und „Kirche gestalten“.

Für Rafal Londo war das Thema „Studenten und Kirche“ besonders wichtig. Er arbeitet als Pastoralassistent für die Hochschulgemeinde Aachen und wird dabei vor allem mit Themen konfrontiert, die die Studenten bewegen wie beispielsweise die immer schwieriger werdende Suche nach einer Wohnung. Spannend findet er auch, dass in der Hochschulgemeinde so viele unterschiedliche Religionen zusammenkommen. „Wo findet Kirche heute überhaupt statt?“, lautet die Frage, die Annette Jantzen, Geistliche Verbandsleiterin BDKJ, ganz besonders beschäftigt. Denn das müsse nicht zwingend nur sonntags im Gottesdienst sein. Zudem findet sie wichtig, „die anzusprechen, die von Kirche nichts mehr erwarten“.

Neue Denkansätze zulassen

All die Diskussionen und Gespräche zu unterschiedlichen Themen führen nach Meinung von Christian Heidrich, Caritas-Verband Mönchengladbach, dazu, „das eigene Handeln zu überdenken und neue Denkansätze zuzulassen“. Die alles entscheidende Frage sei anschließend: „Was wird aus all dem?“ Bischof Helmut Dieser hatte sich da bereits im Vorfeld optimistisch gezeigt. „Der Austausch verändert uns selbst und damit auch unsere Kirche“, meint er. Der synodale Veränderungsprozess ist auf drei Jahre angelegt. Erst in der letzten Phase wird es demnach darum gehen, „neue Wege zu beschreiben und deren Umsetzung einzuleiten“.

„Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Stefan Wieland, Pressesprecher des Bistums Aachen und des Bischofs. Im Bistum Aachen folgt Bischof Dieser mit der Aktion „Heute bei dir“ dem Anliegen von Papst Franziskus, der zur Erneuerung der Kirche aufgerufen hat. Um das Organisationsteam zu unterstützen, war auch eine Gruppe von Schülern und Schülerinnen des Bischöflichen Pius-Gymnasiums vor Ort. Sie fühlten sich gleichermaßen in der Pflicht, an diesem Tag auszuhelfen, kamen selbst aber nicht zu Wort, obwohl das Thema „Kinder und Jugend in der Kirche“ besonders viel Interesse gefunden hatte. „Gerade Jugendliche wollen ihre Gottesdienste mitgestalten“, betonte ein Teilnehmer und warb ganz allgemein für mehr Mitspracherecht in der Kirche.

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