Aachen: Bismarckstraße: Streit um die Radfahr-Streifen

Aachen: Bismarckstraße: Streit um die Radfahr-Streifen

In einem waren sich alle einig: Bei diesem gerade mal 150 Meter langen Straßenstück handelt es sich um Aachens schlimmste Schlaglochpiste: die Bismarckstraße zwischen Oppenhoffallee und Adalbertsteinweg. Und noch in einem weiteren Punkt bestand Übereinstimmung: Der Abschnitt muss schleunigst erneuert werden. Nur in der Art und Weise, wie dies geschehen soll, gingen die Meinungen im Mobilitätsausschuss weit auseinander.

Das Thema stand schon 2008 auf der Tagesordnung, wegen „allgemeiner funktionaler Mängel“ wurde die Deckenerneuerung aber auf die lange Bank geschoben. Ein zweiter Anlauf wurde 2012 genommen, doch da stand schon die Sanierung der Schlossstraße an, es sollte nicht noch eine weitere Baustelle im Frankenberger Viertel aufgemacht werden.

Im nun dritten Anlauf hat die Verwaltung zwei Umbauvarianten für die vielbefahrene Straße (bis zu 10.000 Fahrzeuge pro Tag) erarbeitet, die sich vor allem in der Zahl der Parkplätze und der Unterbringungen der Radfahrer unterscheiden. In Variante 1 darf nur auf einer Seite geparkt werden, so wird Platz für Fahrrad-Schutzstreifen geschaffen, die Zahl der Parkplätze (13) bleibt gleich. Variante 2 sieht keine Radwege vor, dafür werden neun zusätzliche Parkplätze geschaffen.

In der Sitzung sprach sich Christiane Melcher, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Ver-kehrsanlagen, für Variante 1 aus. Ein Straßenausbau ohne Fahrradschutzstreifen sende ein schwieriges Signal aus. Außerdem sei es problematisch, dort mit baulichen Maßnahmen wie Schwellen Tempo 30 zu verwirklichen.

Doch genau dafür sprach sich eine knappe Mehrheit des Ausschusses aus, gebildet aus CDU und FDP. Es gebe einen hohen Parkbedarf im Viertel, deswegen könne man die Schutzstreifen an dieser Stelle ruhig weglassen, befand etwa Gaby Breuer. Da auf dieser Route nicht schnell gefahren werden könne, seien Radfahrer auch ohne Schutzstreifen nicht gefährdet.

Grüne, SPD und Linke hielten dagegen: Eine Unterbrechung des Radwegenetzes an dieser Stelle sei verheerend, es handele sich um ein außerordentlich wichtiges Verbindungsstück für Radfahrer. Dennoch unterlagen die drei Parteien in der abschließenden Abstimmung: Sie stellten nur acht Stimmen, CDU und FDP neun. Damit ist das Thema aber noch nicht entschieden: Der Mobilitätsausschuss darf nur eine Empfehlung aussprechen.

Die eigentliche Entscheidung über die Wahl der Variante trifft die Bezirksvertretung Mitte am 12. Februar. Und da könne man ja eine andere Mehrheit organisieren, meinte deren Mitglied Heiner März (SPD) in Richtung Bezirksbürgermeister Achim Ferrari (Grüne).

Kosten 345.000 Euro

Die Kosten für den Ausbau werden auf 345.000 Euro geschätzt, die wohl bald vom Rat zur Verfügung gestellt werden, so dass der Ausbau noch in diesem Jahr beginnen kann. Zunächst aber wird, voraussichtlich im Frühjahr, eine Bürgerinformation stattfinden.