Bischof Helmut Dieser stellt sich

kfd-Frauen wollen Klartext hören: Keine Zeit für Smalltalk mit dem Bischof

„Frauen. Macht. Zukunft.“ So lautet der selbstbewusste Slogan der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Im Bistum Aachen sind 18000 Frauen in rund 280 kfd-Gruppen organsiert. Frauen halten vielfach das diakonische und gemeindliche Leben in den Pfarren aufrecht.

Sie tragen immer noch den Hauptteil religiöser Erziehung in den Familien und in den Gemeinden. Spätestens als eine Vielzahl von Einladungen von kfd-Gruppen für Küchentischgespräche oder große „Meet&Eat-Veranstaltungen“ bei den Prozessorganisatoren eingingen, war klar: Die Frauen wollen mit dem Bischof reden! Da das Los den kfd-Frauen nicht hold war, verabredete man sich auf ein gemeinsames Abendessen, zu dem der kfd-Diözesanverband Aachen den Bischof außerhalb des Dialogprozesses ins Pfarrheim St. Jakob eingeladen hatte.

Schnell spürte der oberste Aachener Kirchenführer zwischen Schmalzbrot und Käseschnitte: „Ich bin hier Projektionsfläche für viele Themen.“ Diakonat der Frauen, Umgang mit dem Zölibat, Aufwertung des Wortgottesdienstes durch die Austeilung der Kommunion durch Laien, neue Leitungsformen in den Gemeinden, sexueller Missbrauch – kein Eisen war den Damen zu heiß. Und da jeder Tisch nur gut zehn Minuten mit dem Bischof bekam, hielten sie sich auch nicht mit Smalltalk auf und trugen ihm ihre streitbaren Ideen für eine Modernisierung der katholischen Kirche unumwunden vor.

Evangelium zu Menschen

Die hatte Dieser in seinem anfänglichen Grußwort explizit eingefordert: „Ich habe Lust auf die Frage: Was können wir tun, um das Evangelium wieder zu den Menschen zu tragen? Wir können als Kirche nicht mehr aus der Kraft unerschöpflicher Quellen schöpfen. Sie als Frauenverband haben einen eigenen Blickwinkel.“ In den Tischrunden zeigte er sich allerdings nicht mehr so aufgeschlossen. Das Weiheamt des Priesters auch für Frauen zu öffnen „ist zu eng gedacht“. Sehr wohl brauche die Kirche aber mehr Frauen in Leitungspositionen. „Da können wir uns im Vergleich mit der Wirtschaft allerdings gut messen lassen.“

Auch dem Diakonat für Frauen – von den kfd-Frauen vorgeschlagen, um die diakonische Dimension von Kirche zu stärken – erteilte Dieser eine klare Absage: „Das ist nicht mein Ding. Ich sehe keinen entscheidenden Veränderungsprozess.“ Ständige Diakone dürfen in der katholischen Kirche das Taufsakrament spenden, predigen, bei Eucharistie und Trauung assistieren und beerdigen. Das Sakrament der Krankensalbung und der Buße bleibt hingegen den Priestern vorbehalten. Zurzeit weiht die katholische Kirche nur verheiratete Männer zu Ständigen Diakonen.

Weniger Hauptamtliche

Dieser plädierte stattdessen dafür, Kirche eher mit weniger als mit mehr Hauptamtlichen zu denken. „Es gibt zu viele Gerade-noch-so-Messen. Gerade noch ein Priester und gerade noch eine Handvoll Gläubige – das hat keine Zukunft.“ Man müsse darüber nachdenken, Frauen stärker als Prediger einzusetzen. „Frauen bringen aus den Familien guten Input mit“, bestätigte die Tischrunde. „Wir brauchen dringend Verkündigung in moderner Sprache.“ Das unterstützte auch der Bischof, betonte aber zugleich den besonderen Stellenwert der Eucharistie. „Sie ist Zeichen unserer Gewissheit, dass wir alle zu Christus gehören. Die Kommunion muss der Heiligen Messe vorbehalten bleiben.“

Offener zeigte sich Dieser bei der Forderung nach anderen Leitungsformen in den Gemeinden. „Der Papst klagt über den Klerikalismus in den Gemeinden. Und er hat Recht! Wir brauchen ein neues Amtsverständnis der Priester.“ Hier rannten er bei den kfd-Frauen offene Türen ein, denn viele sind frustriert über die von Männern, oft von Priestern ausgeübten Hierarchien in den Gemeinden: „Viele Frauen erfahren keine Wertschätzung für ihr Engagement in den Gemeinden – auch nicht von den Pfarrern. Dieses Klima entsteht aus der Struktur, die dem Pfarrer uneingeschränkte Macht verleiht. Sie erfahren keine Korrektur. Der Bischof kann das ändern, wenn er will.“

Mehr von Aachener Nachrichten