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Aachen: Bischöfliches Generalvikariat wird für 13,4 Millionen Euro saniert

Aachen : Bischöfliches Generalvikariat wird für 13,4 Millionen Euro saniert

Umbau: Das Aachener Generalvikariat wird saniert

Natürlich ist der Klosterplatz eine feine Adresse mitten in der Innenstadt. Aber die Nachbarschaft ist halt schwierig — zumindest bei Bauvorhaben. Auf Dom und Rathaus muss das Bischöfliche Generalvikariat Rücksicht nehmen.

„Es muss in den historischen Kontext passen“, sagt Generalvikar Dr. Andreas Frick. Und was sich die Planer des Büros „kadawittfeldarchitektur“ ausgedacht haben, erfüllt diese Anforderung nicht nur aus der Sicht des Bauherrn.

Dabei bauen die Architekten kein komplett neues Haus für die bischöfliche Verwaltungsbehörde. Das Gebäude hat jedoch eine grundlegende Sanierung dringend nötig. Vom „Charme der fünfziger und sechziger Jahre“ spricht Joachim Eich, der Leiter der Hauptabteilung Finanzen, Bauwesen, Verwaltung im Generalvikariat. Seit dem Einzug im Jahr 1959 sei immer nur das Nötigste getan worden. Das reicht nun nicht mehr.

Jetzt wird die bestehende Substanz gründlich saniert. Dazu gehört auch eine Neustrukturierung der Büroräume. Die dort tätigen 170 Mitarbeiter müssen zwischenzeitlich den Bauarbeitern weichen. Sie ziehen ab dem Sommer bis zum Ende der Arbeiten — Mitte des Jahres 2017 sollen sie laut Planung abgeschlossen sein — um in Ausweichquartiere an der Klappergasse und der Bendelstraße, auch an der Aureliusstraße wurde dafür ein Gebäude angemietet. Wenn sie nach dem Umbau zum Klosterplatz zurückkehren, dürfte der alte Bau „brandschutztechnisch und energetisch dem modernen Stand“ entsprechen, erklärt Eich.

Und das soll sich rechnen: „Das Investment wird sich wieder einspielen durch die energetische Sanierung“, verspricht Architekt Gerhard Wittfeld. Dafür muss ordentlich was zusammenkommen, denn die Gesamtkosten der Maßnahme sind mit 13,4 Millionen Euro kalkuliert. Die stolze Summe wirft die Frage auf, ob dafür nicht auch ein Neubau zu haben gewesen wäre. Immerhin bekommt Aachen ein neues Polizeipräsidium, weil die Sanierung des alten sich nicht gerechnet hätte.

Doch beim Generalvikariat hat man in dieser Frage anders entschieden. „Es wäre nicht sinnvoll gewesen“, sagt Finanzchef Eich, aber natürlich seien verschiedene Varianten geprüft worden. Eine echte Wahl hatte das Generalvikariat allerdings kaum, denn eine wirkliche Alternative zur Sanierung gab es wohl nicht. Für Abriss und Neubau am Klosterplatz hätte es keinen behördlichen Segen gegeben, erklärt Eich.

So wird also „im Bestand“ umgebaut, was laut Wittfeld „auf den ersten Blick anstrengender ist“. Doch die „Struktur“ des Gebäudes sei „tauglich“ für eine Reorganisation der Büroräume. „Wir können vieles nutzen, was schon da ist.“ Was aber bislang fehlte, umschreibt der Architekt mit dem Wort „Maßstab“: Die Flanke des Gebäudekomplexes sei irgendwie undefiniert. Das soll sich nun ändern: Ausgedacht haben sich die Architekten eine neue Fassade aus gestrahltem Sandstein mit einer Kolonnade, die das Sockelgeschoss einschließen soll. Dadurch entstehen zwei Höfe, die an die Tradition von Katschhof und Domhof in der Nachbarschaft anknüpfen. Die Kombination von Säulen und Höfen wertet den Eingang am Klosterplatz gehörig auf, und das Ganze soll sich harmonisch ins Aachener Domviertel einfügen.

Mit diesem Gesamtkonzept hat das Büro „kadawittfeldarchitektur“ ein vom Bistum eingesetztes Preisgericht überzeugt, das sich am Ende einstimmig für diesen Entwurf entschied. Er verhelfe dem Generalvikariat zu einer „angemessenen Erscheinung“, lobt Prof. Horst Fischer, der Vorsitzende dieses Preisgerichts, das Gebäude werde „sensibel weitergebaut.“

„Nachbarn“ in der Jury

Die Zusammensetzung dieses Gremiums macht auf ihre Weise auch die Besonderheit der Adresse am Klosterplatz deutlich: In der Jury saßen neben dem Aachener FH-Professor Fischer, seiner Kollegin Annette Hillebrandt von der Bergischen Universität Wuppertal und Joachim Eich auch die ehemalige Aachener Baudezernentin Gisela Nacken und Dombaumeister Helmut Maintz — gewissermaßen als Vertreter der prominenten Nachbarschaft. „Das ist ein geschichtsträchtiger Ort“, weiß natürlich auch Wettbewerbssieger Gerhard Wittfeld, „wir sehen uns da in der Verantwortung.“