Aachen: Bildchen seit 50 Jahren deutsch

Aachen: Bildchen seit 50 Jahren deutsch

Der Weiler Bildchen hat eine bewegte Geschichte hinter sich, stand im 20. Jahrhundert immer wieder im Mittelpunkt von Grenzverschiebungen zwischen Deutschland und Belgien. Die letzte Korrektur der Grenzlinie fand vor genau 50 Jahren statt, am 28. August 1958.

Damals wurde Bildchen wieder deutsch.

Vor dem 1. Weltkrieg war Bildchen ein Teil von Preußisch-Moresnet, mit dem Versailler Vertrag ging es an Belgien über. Allerdings war Deutschland bestrebt, einen Ersatz für den abgetretenen Bahnhof in Herbesthal zu bekommen. Also wechselten Bildchen und 110 Hektar Wald aus dem Gemeindegebiet von Moresnet 1922 wieder zurück nach Deutschland.

Während des 2. Weltkriegs verschob sich die Grenze weit in belgisches Gebiet: Ab dem 10. Mai 1940 wurde das Zollamt Bildchen bis nach Henri Chapelle - schnell in Heinrichskapelle umbenannt - verlegt.

Nach Ende der Nazi-Herrschaft wurden die Grenzen zunächst wieder wie vor dem Krieg gezogen. Allerdings wollten einflussreiche Kreise in Belgien ihren Staat bereits während der letzten Kriegsphase auf Kosten Deutschlands ausdehnen.

Pläne, die jedoch nach 1945 im beginnenden Kalten Krieg auf wenig Gegenliebe bei den Westalliierten stießen.

Trotzdem einigten sich die drei Westmächte mit Belgien darauf, die Grenzveränderungen am 23. April 1949 zu vollziehen. Wenige Tage vor der Umsetzung der Pläne verzichtete Belgien auf einige der geforderten Gebiete, etwa Monschau oder Roetgen, was wahrscheinlich auch mit der Neugründung der Nato zusammenhing.

Bildchen und andere Gebiete jedoch gingen am 23. April an Belgien. Unter dem Schutz von Generalleutnant Bolle, dem künftigen „Militärgouverneur der anzugliedernden Gebiete”, wurde die sanfte Besetzung vollzogen - bei vielen Bewohnern ohne Enthusiasmus, aber dank der besseren Lebensmittelversorgung durchaus mit einigem Wohlwollen.

Bereits am selben Tag floss das erste belgische Bier durch die Zapfhähne der Kneipe am alten Zoll. Schnell wurden die neuen, verwaltungstechnisch zusammenhängenden Gebiete „Bollenien” getauft, Verwaltungszentrum war Bildchen.

Eine endgültige Eingliederung der unter belgischer Verwaltung stehenden Teile durch die belgische Regierung blieb allerdings aus.

In den folgenden Jahren änderten sich die politischen Vorzeichen erneut: Die Bundesrepublik trat der Nato bei, Belgien und Deutschland unterschrieben die Römischen Verträge - Gründungsakte der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Das bilaterale Verhältnis verbesserte sich zusehends. Am 24. September 1956 unterzeichneten beide Staaten schließlich den Brüsseler Vertrag, der die weitgehende Rücknahme der Grenzberichtigungen vorsah und am 28. August 1958, um 0 Uhr, in Kraft trat.

Offiziell um 12 Uhr mittags

Zehn deutsche Zollbeamte traten auf der Stelle ihren Dienst gut 1500 Meter weiter westlich an. Bereits kurz nach Mitternacht floss wieder deutsches Bier in den Kneipen von Bildchen.

Die offizielle Übergabe erfolgte um 12 Uhr mittags. Der damalige Aachener Stadtdirektor Dr. Josef Breuer, Regierungspräsident Hubert Schmitt-Degenhardt und Generalmajor Bolle fuhren von der bereits geräumten Zollstation Bildchen zur neuen Zollstelle. Die Bildchener kamen ins Wirtschaftswunderland - und Bildchen wurde wieder ein Ortsteil Aachens.

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