Aachen: Bilal-Moschee: Geistiges Zentrum für 3000 Gläubige

Aachen: Bilal-Moschee: Geistiges Zentrum für 3000 Gläubige

Mit einer Feierstunde setzte das Islamische Zentrum Aachen jetzt einen Schlusspunkt unter die Aktivitäten zum 50-jährigen Bestehen der Bilal-Moschee. Am 13. Mai 1964 wurde auf Initiative muslimischer Studierender an der Professor-Pirlet-Straße auf dem Königshügel der Grundstein für das Gotteshaus gelegt. Es ist heute das geistliche Zentrum für 3000 Gemeindemitglieder.

Trägerverein ist das Islamische Zentrum Aachen unter Vorsitz von Salaheldin Nakdali. Es engagiert sich für gesellschaftliche Integration sowie für den interreligiösen Dialog und konnte sich jetzt über den Besuch vieler Gäste freuen, darunter Vertreter des Arbeitskreises des Dialoges der Religionen in Aachen. Für das Bistum Aachen überbrachte Bischof Heinrich Mussinghoff Glückwünsche zum Jubiläum.

Oberbürgermeister Marcel Philipp begrüßte die Gäste, darunter der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime Erol Pürlü und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime Aiman Mazyek. Mussinghoff warb für gegenseitiges Verständnis und erinnerte daran, dass die Aachener Bilal-Moschee neben der Berliner Moschee und der Imam-Ali-Moschee in Hamburg eine der ältesten Moscheen in Deutschland ist und zu einer Zeit entstand, als es in Deutschland sehr wenige Muslime gab.

In den vergangenen 50 Jahren habe sich die religiöse Landkarte Deutschlands grundlegend gewandelt und wandele sich weiter. „Die 50 Jahre waren eine historische Zeitspanne, innerhalb derer es Christen und Muslimen in unserem Land gelungen ist, eine Ebene des gegenseitigen Verständnisses und Miteinanders zu erarbeiten, die Anlass zur Dankbarkeit gibt“, sagte Mussinghoff. Er wies ebenso auf die gemeinsamen Herausforderungen hin, vor die Christen und Muslime aktuell gestellt seien: rechtsextreme Gruppierungen, die durch islamophobe Rhetorik Hass säen und sich mit gewaltbereiten Hooligans verbünden, salafistische Prediger, die junge Menschen in eine von Hass und Schwarz-Weiß-Denken bestimmte Parallelwelt hineinziehen, bis hin zum bewaffneten Kampf auf Seiten des sogenannten Islamischen Staates. „Ich bin mir sicher, dass es gut weitergehen wird, mit unseren vereinten Kräften“, betonte Mussinghoff.

Bunt gemischt

Julia Maxelon bereicherte den Abend mit ihrem Festvortrag über die Geschichte der Moschee als Teil deutscher Geschichte. Sie hatte ihre Magisterarbeit über den „innovativen Sakralbau in der Nachkriegsmoderne“ geschrieben. Seit 2012 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

„Wir blicken in eine Zukunft mit den Aachener Bürgern, auf die sich alle freuen können. Wir sind stets auf Ausgleich und Dialog bedacht, sind eine harmonische Gemeinde, die vom Alter und von den Nationen her bunt gemischt ist“, erklärt der Sprecher der Gemeinde Idris Malik. Am Freitagsgebet nehmen regelmäßig 1000 Gläubige teil — diese hohe Besucherzahl resultiert daher, dass die Gemeinde national sehr breit aufgestellt ist.

Ein Höhepunkt war die Ehrung für das Ehepaar Hildegard und Ahmad Mazyek und Aiman El-Attar, die seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde tätig sind. Der Syrer Ahmad Mazyek hat die Gründung der Moscheegemeinde als Student miterlebt. Als eine der ersten Moscheen in Deutschland wurde die Moschee gegründet, um Studierenden der RWTH aus muslimischen Ländern die Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen.

Unter anderem beim Tag der Integration, im christlich-muslimischen Frauengespräch, dem Friedensmahl der Religionen und bei vielen weiteren Gelegenheiten ist die Gemeinde Dialogpartner, macht den Integrationsgedanken erlebbar.

Auch Polizeipräsident Dirk Weinspach gratulierte dem islamischen Zentrum der Bilal-Moschee zu seinem 50-jährigen Bestehen. Er nutzte die Gelegenheit, um herauszustellen, dass der Islam und die Muslime Teil unserer Gesellschaft sind und unseren Respekt und unsere Anerkennung verdienen. „Es ist wichtig, dass auch wir hier in Aachen noch intensiver in den gemeinsamen Dialog gehen und der Gefahr entgegentreten, uns gegenseitig auszugrenzen. Denn Ausgrenzung ist der Nährboden für religiösen Fanatismus und Extremismus“, sagte Weinspach. Die Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus genauso wie von religionsmotiviertem Extremismus sei nicht nur die Aufgabe der Polizei, sondern aller Verantwortlichen in der Gesellschaft.

Mit einer Luftballonaktion für Toleranz und Verbundenheit hatte der Aachener „Dialog der Religionen“ das Jubiläumsjahr am 50. Jahrestag der Grundsteinlegung der Moschee eingeleitet.

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