Aachen: Biber stößt mit seiner Knabberei nicht nur auf Gegenliebe

Aachen : Biber stößt mit seiner Knabberei nicht nur auf Gegenliebe

Der Biber fühlt sich wohl in Aachen — und er nagt sich durch Aachen. Das ist nicht neu. Auch nicht neu ist, dass es Befürworter und Gegner des unter besonderem Artenschutz stehenden Tieres gibt. Die einen freuen sich, dass er sich in der Region wieder wohl fühlt, die anderen beobachten seine Verbreitung mit Skepsis. Denn seine angeknabberten Hinterlassenschaften sorgen nicht überall für Freudenausbrüche.

„Der Biber ist mittlerweile auch am Rückhaltebecken in der Soers angekommen“, sagt der Aachener Walter Frank. „Er nagt überall an der Wasserlinie entlang.“ Frank, der gerne in der Soers spazieren geht, hat dokumentiert, dass einige größere Bäume bereits stark angenagt sind. „An einem Zufluss des Wildbachs beim Fahrgelände des ALRV werden die Bäume im Wurzelbereich von der Rinde befreit und sind so anfällig für Krankheiten und Pilzbefall“, fügt er hinzu.

Bereits vor einigen Monaten hatte er sich schon einmal bei den „Nachrichten“ gemeldet, da der Spazierweg am Sonnenweg in der Soers dauerhaft wegen des Bibers gesperrt ist. 2015 hatte das Tier dort ein neues Zuhause gefunden. Bissspuren an den Bäumen wiesen damals darauf hin, dass sich der Biber dort einen artgerechten Lebensraum schafft. Der Spazierweg musste wegen der Löcher und des darunter befindlichen Höhlensystems aus Sicherheitsgründen für Spaziergänger und Reiter mit ihren Pferden gesperrt werden.

Daraufhin reparierten Mitarbeiter des Bereiches Straßenunterhaltung und Brückenbau des Aachener Stadtbetriebes den Weg in Abstimmung mit dem Umweltamt. Kurz bevor er Ende März dieses Jahres freigegeben werden sollte, schlug der Biber erneut zu. Innerhalb weniger Tage hat er seinen Lebensraum zurückerobert und ein neues Wohnhöhlensystem unter dem Spazierweg gegraben.

Oberflächlich sind nur zwei Löcher zu sehen, wie das Höhlensystem darunter verläuft, ist jedoch nicht zu erkennen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Aachen. „Da die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet ist, muss der Spazierweg weiterhin gesperrt bleiben“, erklärte Gisela Weiß, Geschäftsbereichsleiterin Straßenunterhaltung des Aachener Stadtbetriebes, damals. Und so wie es aussieht, wird der Sonnenweg auch erst einmal gesperrt bleiben.

Anwohner und Spaziergänger müssen damit wohl erst einmal leben. „Das ist Natur“, sagt Claus Mayr, erster Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Aachen. Biber seien seit 1979 in ganz Europa streng geschützt. Sie einfach zu vertreiben, ist nicht möglich. „Deswegen versuchen wir, zusammen mit der Stadt Schäden zu minimieren oder vorzubeugen“, so Mayr weiter. Obstbäume würden beispielsweise mit Draht versehen.

„Ein Landschaftsgestalter“

„Der Biber ist eben ein Landschaftsgestalter“, sagt Mayr. Es bliebe nichts weiter übrig, als in Kauf zu nehmen, dass er seinen Bereich zurückerobert. Außerdem bemerkt er: „Man kann es nie jedem Recht machen. Vögel kacken auch manchmal aufs Auto. Da kann man auch nicht alle gleich abschießen.“

Wenn ein Biber mal einen Baum angeknabbert habe, dann fälle er ihn auch. „In der Regel dienen die Bäume zum einen als Futter, zum anderen als Baumaterial für die Burg“, so Mayr. Da das Tier die Äste und Teile des Baumes sozusagen abschleppe, könnten Pilze oder andere Krankheiten kaum entstehen. „Wir sollten uns über jede Art freuen, die sich erholt“, sagt Mayr.

Vielmehr müsse der Mensch nun wieder lernen, mit dem Tier zu leben. „Es ist eine Art, die fast vom Menschen ausgerottet wurde. Daher wird er nun streng geschützt. Er kommt wieder dahin, wo er hingehört. Er kommt nach Hause.“

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