Aachen: Beverau: Nun bekämpft ein neuer Verein die Baupläne

Aachen : Beverau: Nun bekämpft ein neuer Verein die Baupläne

Die gesamte Fläche der Stadt Aachen ist mit gut 16.000 Hektar ziemlich klar umrissen, doch der Bedarf nach weiterem Wohnraum und Gewerbeflächen ist anhaltend groß und wird von Gutachtern auf gut 200 Hektar geschätzt. Mit dem neuen Flächennutzungsplan (FNP) 2030, der seit gut drei Jahren in Arbeit ist, will die Stadt festlegen, wo künftig noch gebaut werden darf und wo nicht.

Konfliktfrei geht das nicht ab, wie bereits die weit mehr als 1500 Eingaben gegen den 2014 erstellten Vorentwurf des FNP deutlich machen, die derzeit immer noch von der Verwaltung bearbeitet werden und das laufende Verfahren deutlich verzögern. Die mit Abstand meisten Eingaben sind seinerzeit aus dem Bereich Beverau gegen eine mögliche Bebauung der Wiesen am Eselsweg zwischen Adenauerallee und Nellessenpark eingegangen.

Und genau dort hat sich Ende September die rührige Bürgerinitiative Bever­­au zum neuen Verein „Umwelt- und Landschaftsschutz Aachen-Beverau“ formiert, um für den nächsten Schritt gerüstet zu sein und das Landschaftsschutzgebiet in Gänze zu erhalten. Am Montag trat der frisch gegründete Verein mit aktuell 23 Mitgliedern und ihrem Vorsitzenden Georg Franz erstmals an die Öffentlichkeit und stieß mit einer Info-Veranstaltung in der Burg Frankenberg gleich auf eine unerwartet große Resonanz.

Mehr als 80 Besucher ließen keine Zweifel aufkommen, dass auch sie unter allen Umständen eine Bebauung der Wiesen verhindern und den Verein in seiner Arbeit unterstützen wollen. „Wir sind keine Wutbürger, sondern Informationsbürger“, erklärte Lutz Dechamps, Sprecher der Bürgerinitiative vorab.

Und dies belegte denn auch der sachlich und fundiert vorgetragene Bericht von Jochen Linke über die besondere Bedeutung des Geländes.

Naherholungsgebiet

Denn die bislang landwirtschaftlich genutzte Beverau ist nicht nur ein beliebtes Ausflugs- und Naherholungsgebiet, in dem neben den obligatorischen Kühen und Pferden auf den Wiesen auch viele seltene Vögel und Wildtiere beobachtet werden können. Sie ist laut Linke vor allem auch ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet mit großer Bedeutung insbesondere für das Frankenberger Viertel aber auch die gesamte Innenstadt.

Von dort strömt regelmäßig kühlere Luft in den eng bebauten Aachener Talkessel, die die stark schadstoffbelastete Luft verdrängt. Das Gelände müsse daher unbedingt vor einer Bebauung bewahrt werden, heißt es seitens des Vereins, dessen Hauptzweck eigener Aussage zufolge „die bestmögliche Luftqualität für die Beverau und das Frankenberger Viertel“ sei.

Als Verein habe man klare Strukturen und Verantwortlichkeiten und letztlich auch das Recht, juristische Schritte und Klagen einzuleiten, erläuterte Vorsitzender Franz die Vorzüge gegenüber einer Bürgerinitiative. Zwar liege der Schwerpunkt der Arbeit vorerst auf dem Erhalt des Landschaftsschutzgebiets Beverau, er könne sich aber auch weitere Projekte im Aachener Süden vorstellen. Schon jetzt arbeite man eng mit Umwelt- und Naturschutzverbänden zusammen, die Mitgliedschaft in der Landesgemeinschaft für Natur und Umwelt sei angestrebt.

Die Unterstützung tue Not, denn der Verein sieht sich im Bereich Beverau einflussreichen Kräften gegenüber, die womöglich bis in die Verwaltung hineinreichen. So deutlich will das zwar niemand offiziell sagen, doch das Vertrauen in die Arbeit von Verwaltung und Politik ist durchaus angeknackst. Immerhin können Investoren bei einer Bebauung der knapp zehn Hektar großen Fläche mit hohen Gewinnen rechnen. Die Sorge ist daher groß, dass das sensible Gebiet Kapitalinteressen geopfert werden könnte.

Hoffnung macht den Anwohnern immerhin ein kürzlich von CDU und SPD eingebrachter Rats­antrag, die sogenannten Grünfinger und Kaltluftschneisen unter Schutz zu stellen, zu denen unter anderem auch die Beverau zählt. „Das ist wichtig, geht aber noch nicht weit genug“, sagt Linke. So müssen sie noch abwarten, zu welchem Ergebnis die Verwaltung mit ihren Prüfungen kommt und für wie bedeutsam sie die Beverau letztlich hält, die nur eine von mehr als 100 kritischen Prüfflächen für künftige Bebauungen ist.

Der überarbeitete FNP-Entwurf sollte eigentlich bereits in diesem Jahr vorgelegt werden. Erwartet wird er nunmehr erst im kommenden Frühjahr. Bis dahin will der Verein nicht untätig bleiben. Auch die Besucher der Info-Veranstaltung wurden bereits aufgerufen, die Kölner Bezirksregierung anzuschreiben und sich für die Luftreinhaltung der Stadt einzusetzen und die geplante Bebauung anzuprangern. Vor allem aber sollten sie auch in großer Zahl die Beverau besuchen und die unbebaute Landschaft genießen, so lange es noch geht.

Mehr von Aachener Nachrichten