Besuch beim Aachener Chor "ChorSonant"

Proben bei „ChorSonant“ : Singen, ganz ohne Berührungsängste

Der „ChorSonant“, der am Donnerstag zu seinem Adventskonzert einlädt, ist ein ganz besonderer Chor. Menschen aus dem Vinzenz-Heim, Studierende der Katholischen Hochschule und Nachbarn aus Burtscheid singen hier gemeinsam. Wir haben uns die Proben einmal angesehen.

Es ist die Gemeinschaft, die die 19-jährige Schülerin Carolin Coslar beim Singen am meisten schätzt. Sie besucht das Vinzenz-von-Paul-Berufskolleg und kommt regelmäßig zu den Proben des „ChorSonant“, dem gemeinsamen Chor der Katholischen Hochschule (Katho) und des benachbarten Vinzenz-Heims. Hier geraten Begriffe wie Inklusion oder Integration schnell in Vergessenheit: Denn beim Singen gibt es in dieser Hinsicht offenbar keine Unterschiede. „Was zählt, ist die Stimme“, meint Chorleiterin Guiomar Marques-Ranke. Ihr gelingt es immer wieder, aus den 20 bis 40 Sängerinnen und Sängern eine eingeschworene Gemeinschaft zu formen. Und auch wenn Perfektion dabei nicht an erster Stelle steht, ist der Anspruch an die eigene Leistung groß. Am Donnerstag, 12. Dezember, lädt der Chor um 18 Uhr gemeinsam mit „inCHORsiv“, dem Chor der Werkstatt der Kulturen, zum Adventskonzert in die Aula der Katho, Robert-Schuman-Straße 25, ein. Der Eintritt ist frei.

Zur Generalprobe treffen sich die Mitglieder beider Chöre in der Kapelle des Vinzenz-Heims. Sie stellen sich ganz locker auf und folgen dann den Anweisungen ihrer Chorleiterin. Die sorgt erst einmal dafür, dass alle locker werden. Und schon bei den ersten kleinen Stimmproben wird deutlich, dass in beiden Chören jede Menge Kraft steckt. Und die Chorleiterin ihrerseits investiert Herzblut und Menschlichkeit. „Ich habe viel gelernt bei dieser Aufgabe, und lerne noch immer“, sagt sie.

„Was zählt, sind die Begegnungen und die Kommunikation“, betont Prof. Marion Gerards, Katho-Professorin für Ästhetik und Kommunikation in der Sozialen Arbeit, Schwerpunkt Musik. Sie hat den Chor vor fünf Jahren ins Leben gerufen, um Studenten, Bewohner des Vinzenz-Heims und Nachbarn aus Burtscheid zusammenzubringen. Die Studenten können den Chor dabei sogar als Bestandteil eines Seminars buchen. In jedem Fall ergibt sich daraus ein steter Wechsel in der Zusammensetzung. Benjamin Groß beispielsweise lernte den Chor im Rahmen seines Studiums kennen, und auch wenn er das entsprechende Seminar längst abgeschlossen hat, kommt er weiterhin zu den Proben und will das auch in Zukunft tun: „Ich habe in meiner Jugend immer selber Musik gemacht“, sagt er.

Das Konzept des gemeinsamen Chors von Vinzenz-Heim und Katho findet er überzeugend. „Die Musik stimmt, die Chorleitung stimmt und das Gesamtkonzept hat mir sofort gefallen“, sagt er und schwärmt dann von der „gesundheitsfördernden Wirkung und der Freude beim Singen“. Das kann auch Reiner Nerlich nur bestätigen. Er lebt in der Nachbarschaft und hat mit seiner Frau zunächst erfolglos nach dem passenden Chor gesucht. „Wir wollten gerne singen und haben mit „ChorSonant“ dann genau das Richtige gefunden“, sagt er. „Dabei kann ich gar nicht singen“, ergänzt er dann noch, während seine Chorleiterin nachsichtig lächelt. Ganz offensichtlich teilt sie diese Einschätzung nicht, und Nerlich ergänzt dann auch bereitwillig: „Ich habe es hier gelernt.“

Alle betonen die positive Wirkung des Singens im Chor. „Die Sorgen des Alters verlieren an Gewicht, und stattdessen stellt sich gute Laune ein“, sagen sie. Als Chorleiterin sorgt Guiomar Marques-Ranke dafür, dass die Gruppe nicht über die Stränge schlägt. „Denn mit der Disziplin ist das so eine Sache“, sagt sie. Sie sorgt unter anderem auch für die Auswahl an Liedern, und achtet dabei darauf, dass das Repertoire möglichst bei allen gut ankommt.

„Wenn die soziale Chemie stimmt, dann klingt auch die Musik“, meint Prof. Marion Gerards. Es komme also gar nicht so sehr darauf an, dass jeder Ton richtig sitzt, viel wichtiger sei die Kommunikation. „Musik zu machen ist ein Menschenrecht“, betont die Professorin, und gerade für die Bewohner des Vinzenz-Heims sei der Chor ein großartiges Angebot. Ob Mensch mit Behinderung oder nicht spielt dabei überhaupt keine Rolle. „Was zählt ist das freundschaftliche Miteinander und der Gesang“, sagen sie. Und dabei können die Bewohner des Vinzenz-Heims durchaus brillieren. „Die können zum Teil eine Melodie singen, nachdem sie sie nur einmal gehört haben“, sagt Reiner Nerlich voller Bewunderung. Und Manuela Wegener sorgt als Projektleitung dafür, das von Seiten des Vinzenz-Heims organisatorisch alles glatt über die Bühne geht.

Prof. Marion Gerards jedenfalls kann sich entspannt zurücklehnen. Ihr Konzept ist aufgegangen. Wer im Studium an der Katho das Seminar mit Besuch des „ChorSonant“ wählt, bekommt ganz spielerisch Kontakt zu den Menschen, die in der Sozialen Arbeit oft im Mittelpunkt stehen. Und sollte es dort jemals Berührungsängste gegeben haben, so lösen die sich nach Meinung aller Beteiligten spätestens beim gemeinsamen Singen in Luft auf.