Aachen: Bestatter vor Gericht: Betrügergeschäfte mit dem Jenseits

Aachen: Bestatter vor Gericht: Betrügergeschäfte mit dem Jenseits

Wegen schmutziger Geschäfte mit dem Tod ist am Freitag der Aachener Bestatter Guido F. (47) von einem Aachener Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Hinzu kommt ein Berufsverbot von fünf Jahren.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Markus Vogt fällte jetzt nach zwölf Verhandlungstagen ein Urteil, der Prozess hatte ungewöhnlich lange gedauert. F. hatte seit etwa 2007 mit alten Menschen Vorsorgeverträge abgeschlossen und prellte dann im Sterbefall die Hinterbliebenen. Ihnen flatterten regelmäßig Mahnungen etwa der Stadt Aachen ins Haus, die die nicht beglichenen Gebühren für die Gräber oder die Einäscherung anmahnten.

Die Trauernden, die oftmals noch im Zeugenstand in Tränen ausbrachen, mussten dann bezahlen, obwohl sie selbst oder die Verblichenen in Vorkasse getreten waren und sie die Kosten längst beglichen wähnten. Den Schaden rund um den Betrug mit Bestatterverträgen in mehr als 30 Fällen bezifferte das Gericht auf knapp 90.000 Euro.

Das Beerdigungsgeschäft lief kaufmännisch schlecht, auch deshalb, weil F., wie sein Aachener Verteidiger Rainer Dietz anmerkte, mit den falschen Mitarbeitern zu tun hatte.

Rund 80.000 Euro Schaden entstand durch ein gefälschtes Testament, mit dem Guido F. ein Mietshaus in Aachen nach dem Tod der Besitzerin auf sich überschreiben ließ. Zwar bestritt er, den Auftrag zur Fälschung gegeben zu haben. Doch selbst die Einreichung der gefälschten Urkunde beim Nachlassgericht reiche aus, um ihn wegen dieser Tat zu verurteilen.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier jahre Haft gefordert. Der Verteidiger wollte ein Bewährungsstrafe und kündigte an, in die Berufung zu gehen.