Bestand des nordamerikanischen Kleinbären wächst

Tiere in der Stadt : Der Waschbär erobert Aachen – aber langsam

Sie sehen putzig aus, doch im heimischen Keller will sie lieber niemand haben: Waschbären sind in Deutschland immer weiter verbreitet. Auch in Aachen nimmt die Population zu.

Wenn der Aachener Stadtjäger Sascha Ehrt seine Lebendfallen überprüft, mit denen er eigentlich Jagd auf Marder macht, dann wird er bisweilen überrascht: Denn statt Mardern landen immer häufiger Waschbären in den Fallen, die er in den Aachener Randbezirken aufstellt.

„Im vergangenen Jagdjahr habe ich 14 Waschbären gefangen“, sagt Sascha Ehrt. In 2019 waren es bereits 15, und das in nur vier Monaten. Der Kleinbär, der ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika stammt, ist in der Region auf dem Vormarsch, auch in Aachen.

Problematisch sei die Situation in Aachen noch nicht, erklärt Ehrt. Und es hätten wahrscheinlich auch noch nicht viele Aachener das nachtaktive Tier zu Gesicht bekommen. „Doch der Waschbär ist zum Beispiel an der Monschauer Straße, der Eupener Straße, der Lütticher Straße oder der Vaalser Straße definitiv vorhanden.“ Er wisse das auch von Foto-Fallen, die er im Stadtgebiet postiert habe. Auch die Aachener Stadtverwaltung bestätigt, dass es beispielsweise im Münsterwald Sichtungen des Waschbären gegeben habe.

Dass sich der Waschbär in unseren Breitengraden so wohlfühlt, hängt mit zwei Faktoren zusammen: Einerseits gibt es kaum natürliche Feinde. Der Naturschutzbund Nabu nennt Greifvögel und Parasiten, die den Bären zu schaffen machen. Auf der anderen Seite sind sie Allesfresser, ernähren sich von süßen Früchten und Vogeleiern genauso wie von Lebensmittel aus den Vorratskammern oder Mülltonnen der Menschen.

Wenn sich der Waschbär im Stadtgebiet noch weiter ausbreitet, dann werden auch Kontakte zu Menschen wahrscheinlicher, sagt Ehrt. „Die Tiere haben keine Angst vor Menschen und gehen auch in Häuser“, weiß der Jäger. Beispielsweise klettern sie auf Dächer, zerstören die Isolierung und nisten sich im Dachboden ein. Oder sie schlüpfen durch Katzenklappen, um sich im Keller oder in der Küche nach Futter umzusehen. „Und so ein Waschbär kann Ihnen innerhalb weniger Stunden ein ganzes Zimmer verwüsten!“

Trifft der Waschbär auf Jäger, geht es meistens nicht gut aus für den Vierbeiner: Wurden im Zeitraum 2001/2002 landesweit noch 2200 Tiere erlegt, ist die Zahl im Zeitraum 2017/2018 bereits auf 17.201 angestiegen, wie der Nabu berichtet. Auch nach der Landesjagdgesetznovelle 2018 darf das Tier weiterhin bejagt werden. Umweltschutzverbände kritisieren das: Aus Sicht der Tierschützer führe eine Bejagung nicht dazu, dass die Bestände zurückgehen. Dennoch könnte eine Jagd im Einzelfall nötig sein, um stark gefährdete Arten lokal schützen, räumt der Nabu ein.

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